Französisches Institut untersucht die Corona-Maßnahmen der G10-Länder

Studie: Länder mit No-Covid-Strategie verzeichnen wenige Tote & starke Wirtschaft

Normalität auf den Straßen: Australien wählte die No-Covid-Strategie und zählt neben Neuseeland und Nordkorea zu den Ländern, die die Krise wirtschaftlich bisher am besten überstanden.
Normalität auf den Straßen: Australien wählte die No-Covid-Strategie und zählt neben Neuseeland und Nordkorea zu den Ländern, die die Krise wirtschaftlich bisher am besten überstanden.
© Mikko Robles/ / Picture Alliance

06. April 2021 - 13:52 Uhr

Corona-Maßnahmen in verschiedenen Ländern: Wirtschaft vs. Bevölkerungsschutz

Laut einer Studie aus Frankreich kommen Länder, die radikal gegen das Coronavirus vorgehen, besser durch die Krise als andere Staaten. Sie beklagen demnach weniger Tote und sind auch wirtschaftlich besser aufgestellt.

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Covid-19-Pandemie: Die Auswirkungen der Strategien auf Wirtschaft und Corona-Sterblichkeit

Die Pandemie soll eingedämmt werden, die Ausbreitung des Coronavirus verhindert. In der Diskussion, welche Maßnahmen ergriffen werden, geht es immer wieder auch um die Frage: Was verkraftet die Wirtschaft des Landes? Und: Ist es notwendig sich für eine Seite - Wirtschaft oder Bevölkerungsschutz - zu entscheiden?

Das französische Institut Economique Molinari hat sich angesehen, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Corona-Strategien sowohl auf die Wirtschaft als auch auf die Corona-Sterblichkeit in den vergangenen zwölf Monaten hatten. Verglichen wurden dabei die zehn wirtschaftsstärksten Nationen der Welt mit den drei No-Covid-Ländern Australien, Neuseeland und Südkorea. In den Fokus nahmen die Wissenschaftler dabei sowohl die wirtschaftliche Lage als auch die Todeszahlen. Dabei wollten sie herausfinden, welche Länder am besten durch die Krise navigieren und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. Die Länder, die radikal gegen das Virus vorgehen, sind weitaus besser aufgestellt – sozial wie wirtschaftlich.

Nur drei Länder schützen sowohl das öffentliche Leben als auch Wirtschaft

Das Krisenmanagement der Länder in Coronazeiten ist divers. Die einen versuchen möglichst ohne drastische Beschränkungen auszukommen, das öffentliche Leben am Laufen zu halten, die anderen setzen darauf, das Virus möglichst komplett auszurotten. Immer wieder geht es dabei auch darum, welche Strategie die Wirtschaft am wenigsten schädigt.

Laut Studie hat der größte Teil von den elf G-10 Ländern weder die Wirtschaft noch die Bevölkerung besonders geschützt. Drei Länder hätten allerdings den Schutz der Wirtschaft vor den Schutz der Bevölkerung gestellt: die USA, Schweiz und Schweden. Wohingegen Belgien, Frankreich, Italien und Großbritannien weder noch geschützt hätten. Lediglich drei Länder hätten sich bei ihrer Corona-Strategie auf den Schutz von beiden Bereichen konzentriert. Neben den Niederlanden und Japan sei das auch Deutschland.

Und welche ist nun die bessere Strategie? Laut den Wissenschaftlern gehe es nicht um eine Entscheidung zwischen Wirtschaft und Menschenleben. Denn im Vergleich waren es die Länder mit No-Covid-Strategie, die am besten abgeschnitten hätten. Während das Bruttosozialprodukt der G10-Länder im Schnitt im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent gefallen sei, beliefen sich die Einbußen der No-Covid-Länder auf etwa 1,2 Prozent. Und die Kluft wachse. Die soziale und wirtschaftliche Situation verbessere sich stetig, schreiben die Wissenschaftler, "während sich die der G10-Länder verschlechtert".

Tipp: Im Video – Forscherin erklärt "No Covid"-Strategie für Europa

Stabilität der Wirtschaft vs. Menschenleben

Neben Australien und Neuseeland kommt laut Studie vor allem Südkorea gut durch die Krise. Die drei Länder hatten 2020 wirtschaftlich die geringsten Einbußen zu verkraften. Sie beliefen sich zwischen ein und drei Prozent und bewegen sich laut Wissenschaftlern Richtung Normalniveau. Und auch die Wirtschaftsleistung in der Schweiz und Schweden schrumpfte ähnlich gering (etwa drei Prozent). Im Gegensatz zu den No-Covid-Ländern starben dort allerdings erheblich mehr Menschen.

Die Stabilität der Wirtschaft ist die eine Seite, die andere sind Menschenleben. Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig. Die Todeszahlen in No-Covid-Ländern sind um ein Vielfaches geringer als in den anderen Staaten im Vergleich. Während das Pandemie-Vorzeigeland Neuseeland etwa fünf Tote pro einer Million Einwohner zu beklagen hatte, Südkorea 33 und Australien 35 liegen die Werte selbst in den Ländern, die ähnlich gut wirtschaftlich aufgestellt sind um ein Vielfaches höher. Schweden und Schweiz liegen bei rund 800 Toten. Zum Vergleich: In Deutschland ging die Wirtschaftskraft um knapp fünf Prozent zurück, etwa 400 Menschen pro einer Million Einwohner starben.

"Grüne Zonen"-Strategie für Europa

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Todeszahlen in den No-Covid-Ländern weiter abnehmen, die in den Ländern mit anderen Corona-Strategien dafür weiter zunehmen. "Wo die Eliminierungsstrategie umgesetzt wird, wird das Ende des Tunnels vorhersehbar, und es ist dann möglich, verlässliche langfristige Pläne zu machen, was zu einer stärkeren wirtschaftlichen Leistung und geringerer Sterblichkeit führt", so die Wissenschaftler.

In Deutschland setzt sich unter anderem die Virologin Melanie Brinkmann seit Monaten gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern für eine No-Covid-Strategie ein. Die Initiative legte bereits ein Konzept vor, das coronafreie, sogenannte "grüne Zonen" in Europa vorsieht. Die Idee: Wo 14 Tage lang keine neuen Corona-Infektionen unbekannten Ursprungs gemeldet werden, die Pandemie im Griff ist, werden die Beschränkungen des Alltagslebens aufgehoben - aber nur dort. Geschützt werden sollen die Zonen durch strikte Reisebeschränkungen.

Quelle: Institut Molinari

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.