Studie aus Schweden

HPV-Impfung senkt Risiko für Gebärmutterhalskrebs um 88 Prozent

Eine frühe HPV-Impfung kann das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, um 88 Prozent senken, wie eine schwedische Studie nun herausfand. (Symbolbild)
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09. Oktober 2020 - 11:50 Uhr

HPV-Impfung senkt Krebsrisiko massiv

Frauen, die als Jugendliche gegen HPV geimpft wurden, erkranken nur noch selten an Gebärmutterhalskrebs – und zwar ganze 88 Prozent weniger. Das ergab nun eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Auswertung der schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister. Für die Auswertung wurden die Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen über einen Zeitraum von elf Jahren genutzt.

Zeitpunkt der Impfung ist entscheidend

Lange Zeit war umstritten, ob und wie gut die Impfung gegen die Gebärmutterhalskrebs auslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) hilft. In Schweden wurden nun Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen aus den Jahren 2006 bis 2017 ausgewertet, die zeigen: Bei Mädchen und Frauen, die gegen die HP-Viren geimpft wurden, konnte das Risiko eines Gebärmutterhalstumors massiv gesenkt werden. Allerdings kommt es auch darauf an, in welchem Alter die Impfung erfolgte.

Wurden die Teilnehmerinnen der Studie im Alter von 17 bis 30 Jahren geimpft, sank das Risiko einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs innerhalb der untersuchten elf Jahren durchschnittlich um etwa die Hälfte. Bei einer Impfung vor dem Alter von 17 Jahren, sank das Risiko sogar um ganze 88 Prozent.

Grafik HPV-Studie Schweden
Ob die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs hilft, hängt auch vom Zeitpunkt des Impfens ab, wie diese Grafik zeigt.
© N Engl J Med 2020;383:1340-8. DOI: 10.1056/NEJMoa1917338 BVF 2020

Impfung hilft nicht nur gegen Zellveränderungen, sondern gegen Krebs

Neu an der Auswertung aus Schweden ist vor allem: Es konnte gezeigt werden, dass die HPV-Impfung nicht nur gegen Vorstufen von Gebärmutterhalstumoren helfen kann, sondern vor dem Krebs selbst: "Wir zeigen zum ersten Mal auf Bevölkerungsebene, dass die HPV-Impfung nicht nur vor Zellveränderungen schützt, die Vorläufer von Gebärmutterhalskrebs sind, sondern vor Gebärmutterhalskrebs selbst", so Jiayao Lei vom Stockholmer Karolinska-Institut in einer Mitteilung ihres Instituts.

Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, sieht in der Studie vor allem eine Antwort auf bisherige Kritik, wie er auf der vom Berufsverband herausgegeben Internetseite "Frauenärzte im Netz" erklärt: "Diese Daten bestätigen, was seit vielen Jahren zum Beispiel aus Australien bekannt ist: Die HPV-Impfung schützt vor einer Infektion mit den gefährlichsten Humanen Papilloma-Viren; sie schützt auch vor den Krebsvorstufen, was seit vielen Jahren bekannt ist. Kritiker behaupteten trotzdem immer wieder, dass Krebserkrankungen selbst vielleicht gar nicht seltener würden. Diese Bedenken sind nun eindeutig widerlegt."

+++ Frauenärztin klärt auf: Warum die HPV-Impfung auch im späteren Alter so wichtig ist! +++

Darum ist die Impfung auch für Jungen wichtig

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 4.400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Rund 1.500 Patientinnen sterben jährlich daran. Ursache für einen Großteil dieser Karzinome sind Humane Papillomviren (HPV), von denen mehr als 200 Varianten bekannt sind, die unter anderem Genitalwarzen, aber eben auch Krebs auslösen können. Etwa 40 der bekannten Virenarten befallen vor allem den Genitalbereich und den After. Übertragen werden die Viren vor allem durch sexuelle Kontakte.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die HPV-Impfung darum schon für Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren, möglichst aber vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Bis zum Alter von 18 Jahren wird die Impfung von den Krankenkassen übernommen. Da HP-Viren nicht nur für Mädchen und Frauen gefährlich werden können, wird empfohlen, auch Jungen in diesem Alter zu impfen.