Ein Faktencheck von Stiftung Warentest

Wie gefährlich ist Handystrahlung für die Gesundheit?

Wer ohne Angst vor Strahlung mit dem Smartphone telefonieren möchte, sollte den SAR-Wert des Handys checken.
© Nicolas Hansen (Nicolas Hansen (Photographer) - [None], Nicolas Hansen

11. Dezember 2019 - 10:12 Uhr

Führt Handystrahlung zu Hirntumoren und Unfruchtbarkeit?

Die Diskussion darüber, ob und wie sehr Handys unsere Gesundheit beeinträchtigen, gibt es schon so lange, wie es Handys gibt. Und die Meinungen zu den möglichen Gesundheitsgefahren gehen dabei weit auseinander. Jetzt heizt der Ausbau des ultraschnellen 5G-Mobilfunknetzes die Debatte wieder an.

Aber was ist dran an den Bedenken? Sind Handystrahlen krebserregend? Und wie sieht es mit den Spermien aus? Dieser Frage ist die Stiftung Warentest nachgegangen.

Ärzte warnen vor möglichen Gesundheitsschäden

Es soll den Allltag revolutionieren: das neue neue, superschnelle 5G -Mobilfunknetz. Mit der neuen Mobilfunkgeneration sollen in kürzester Zeit sollen riesige Datenmengen übertragen und Maschinen und Geräte vernetzt werden. Doch genau das versetzt die Kritiker in Sorge: Wissenschaftler und Ärzte warnen vor möglichen Gesundheitsschäden. Erst kürzlich hätten große Tierstudien ein erhöhtes Krebsrisiko betätigt. Außerdem erneuerten 250 Wissenschaftler ihre Warnung vor der Strahlung, die von kabelloser Technik wie bei Bluetooth-Kopfhörern und Smartphones ausgeht. Jetzt hat sich Stiftung Warentest das Thema vorgenommen und verschiedene Untersuchungen zum Thema Mobilfunk und Gesundheit analysiert.

Verursachen Handystrahlen Hirntumore oder nicht?

Die Warentester ließen dazu neue Tierstudien zur Handystrahlung von Toxikologen begutachten, sichteten allgemein Studien zu Mobilfunk und Gesundheit und holten sich die Expertise einer Expertenrunde ein, die aus Wissenschaftlern und Ärzten – auch kritischen – sowie Behördenvertretern bestand. Das Ergebnis: die Zahl an Hirntumoren sei in den letzten Jahrzehnten "nicht nennenswert" gestiegen. Und das, obwohl  die Anzahl der Handys in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegen ist. Wichtig sei, so Stiftung Warentest, die Entwicklung weiter zu beobachten, da Krebs oft langsam entsteht. Das bedeute ein Restrisiko, aber nach jetzigem Wissen ein sehr geringes.

Was ist mit den Spermien?

"Der Effekt von Handystrahlen auf Spermien wird als gering eingestuft", so Stiftung Warentest.  Darüber hinaus scheinen noch viele andere Einflüsse der modernen Welt der Qualität der Spermien zu schaden. So zum Beispiel hormonaktive Chemikalien, Pestizide, Übergewicht, Stress oder Rauchen. Wir verraten Ihnen wie sich die Fruchtbarkeit beim Mann steigern lässt.

Alltagstipps: Handy weg vom Ohr!

Wer dennoch sicherheitshalber vorbeugen will, kann einiges tun. Etwa 95 Prozent der Strahlung, die das Gehirn abbekommt, stammt vom Handy am Ohr. Diese Strahlung lässt sich durch ein paar einfache Tricks minimieren:

  • Telefonieren Sie mit einem Headset mit Kabel oder Bluetooth

Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Bereits wenige Zentimeter machen den Experten zufolge einen riesigen Unterschied. Deshalb greifen Sie zu einem Headset, am besten eins mit Kabel. Gute Geräte finden Sie hier in unserem Vergleich. Wer das nicht mag, kann auch Bluetooth nehmen. Damit ist die Strahlenintensität deutlich geringer als mit Handy am Ohr.

  • Bei schlechtem Empfang -  Handy weg

Wenn Sie sich irgendwo aufhalten, wo der Empfang schlecht ist – zum Beispiel im Zug oder im Auto ohne Außenantelle, sollten Sie möglichst das Handy weglegen und nicht telefonieren. Denn Handys passen sich mit ihrer Sendeleistung an die Stärke des Mobilfunknetzes vor Ort anpassen. Das heiß: je schlechter die Verbindung, desto mehr  funkt das Handy.

  • Schützen Sie Ihre Kinder!

Insbesondere für Kinder sind die oben beschriebenen Schutzmaßnahmen dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zufolge besonders wichtig. Denn gerade für die Kleinen liegen erst vergleichsweise wenige Studien zu möglichen gesundheitlichen Folgen vor.

  • SAR-Wert vor Handykauf prüfen

SAR steht für Spezifische Absorptionsrate und bezeichnet die Menge an Energie, die durch das sendende Handy vom naheliegenden Köpergewebe aufgenommen wird. Der gültige SAR-Höchstwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Für jedes Handymodell ermitteln die Hersteller den SAR-Wert mit einem standardisierten Test. Eine Liste mit den Testwerten veröffentlicht das Bundesamt für Strahlenschutz fortlaufend im Netz. Statista hat auf Basis von Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz eine Liste erstellt, die zeigt, welche Smartphones besonders stark strahlen und welche eher zu empfehlen sind. 

Problem: die Tests erfolgen bei maximaler Sendeleistung – und die erreichen Handys in der Praxis kaum. Daher sage der SAR-Wert über die tatsächliche Strahlenbelastung im Alltag wenig aus, kritisieren die Warentester.