Seine Eltern erkennen die Symptome nicht

Maddox (1) hat ständig Riesendurst: Lebensgefahr!

Dem kleinen Maddox geht es wieder gut - weil sich seine Mutter auf ihr Bauchgefühl verlassen hat.
Dem kleinen Maddox geht es wieder gut - weil sich seine Mutter auf ihr Bauchgefühl verlassen hat.
© Facebook, Facebook/courtney.lee.7330, Courtney & Jason Moore

16. Juli 2021 - 9:21 Uhr

Hohe Temperaturen und viel Bewegung führen zu viel Durst - oder?

Ende Juni im kalifornischen Sacramento: Das Thermometer zeigt 37 Grad an - es ist so richtig knalleheiß. Der einjährige Maddox ist mittlerweile gut zu Fuß unterwegs - und immer hochaktiv. Kein Wunder, dass er ständig zur Wasserflasche greift - oder? Auch die Windeln laufen dementsprechend immer über. Kein Grund sich Sorgen zu machen? Das Bauchgefühl seiner 31-jährigen Mutter sagt: Da stimmt doch was nicht! Gut, dass sie ihrem Bauchgefühl vertraut hat - denn das hat Maddox das Leben gerettet.

Maddox Mutter wird misstrauisch

Es ist Ende Juni und Courtney Moores 16 Monate alter Sohn Maddox greift ständig nach seiner Wasserflasche - um daraus große Schlücke Wasser zu trinken. Courtney ist darüber nicht überrascht - die Temperaturen in Kalifornien hatten gerade die 37-Grad-Marke überschritten. Aber als er auch seine Windeln über Nacht durchnässt, kontaktiert sie ihren Kinderarzt. Der nimmt eine Blutprobe - und schon sehr bald werden sie aus dem Krankenhaus angerufen: Bitte so schnell wie möglich mit Maddox in die Notaufnahme - Lebensgefahr!

Maddox' Eltern haben beschlossen, ihre Geschichte bei Facebook zu teilen - um andere Eltern zu warnen.
Maddox' Eltern haben beschlossen, ihre Geschichte bei Facebook zu teilen - um andere Eltern zu warnen.
© Facebook, Facebook/courtney.lee.7330, Courtney & Jason Moore

Diabetischen Ketoazidose - sofort ins Krankenhaus!

"Der Arzt sagte am Telefon: 'Sein Blutzuckerwert ist 684'", erzählt PR-Beraterin Moore dem TV-Sender NBC. "Der Arzt sagte: 'Nun, er sollte etwa 150 sein.' Und ich dachte nur: 'Oh ja, das ist hoch!'" Die unerwartete Diagnose: Maddox hat Typ-1-Diabetes und befindet sich bereits in einer diabetischen Ketoazidose. Dabei handelt es sich um eine schwerwiegende Stoffwechselstörung durch den Insulinmangel, die eine sofortige intensivmedizinische Behandlung notwendig macht. Starker Durst, häufiges Wasserlassen, trockene Haut, trockener Mund sind ein paar der typischen Symptome.

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Seine Eltern klären bei Facebook auf

Am 4. Juli hatten Courtney und ihr Mann Jason Moore noch keine Ahnung, dass Maddox' übermäßiger Durst nicht am heißen Wetter in Sacramento lag. Zwei Tage später schon lag er im Krankenhaus! Grund genug, in einem Facebook-Posting andere Eltern auf das Problem aufmerksam zu machen. "Ich berichte dies hier, weil das, was wir als die Folge des heißen Wetters und eines aktiven Kleinkindes abgetan haben, unseren Sohn buchstäblich hätte töten können", schreibt sie darin - und erzählt die ganze dramatische Geschichte.

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Übermäßiger Durst ist ein Leitsymptom für Diabetes

"Bei allen Diabetes-Formen ist ein Leitsymptom der massive Durst", erklärt uns Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. "Der rührt von dem hohen Blutzuckerspiegel - der Körper versucht dann, den osmotischen Druck aufrechtzuerhalten, indem mit ganz viel Wasser die Zuckerkonzentration verdünnt wird." Die Folge: Die Betroffenen haben extrem viel Durst - und müssen auch sehr viel urinieren. "Wenn Sie also jemanden kennen, der anfängt ganz viel Durst zu haben, dann ist das ein Alarmzeichen für Diabetes!"

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"Bei einer Ketoazidose nun handelt es sich um eine Übersäuerung des Bluts durch sogenannte Ketonkörper, eine chemische Verbindung im Blut", erklärt Specht weiter, "das erkennt man auch an dem azetonischen Mundgeruch der Betroffenen". Wenn da nicht eingegriffen werde, rutsche der Betroffene in ein diabetisches Koma - das passiert bei einem Blutzuckerspiegel ab 500 und 600, so der Mediziner.

Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
Dr. Christoph Specht arbeitet im Bereich der Präventionsmedizin
© Privat

Das passiert bei einer Typ-1-Diabetes

Bei einem Typ-1-Diabetes, von dem auch der kleine Maddox betroffen ist, handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung mit einem primären Mangel an Insulin. Dieses Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und ist bekanntlich dafür verantwortlich, den Zucker in die Zellen zu transportieren.

"Beim Typ-1-Diabetiker hat die Bauchspeicheldrüse einen Knacks, sie kann aufgrund eines Autoimmunprozesses in den sogenannten Langhansschen Zellen kein oder kaum noch Insulin mehr produzieren", so Specht. Dieser Prozess wird meist im Laufe von Kindheit und Jugend angestoßen. "Welche Antikörper da wie wirken, dass weiß man noch nicht genau", so der Arzt, "das herauszufinden, wäre sicher noch nobelpreisverdächtig." (ija)

Das sind die typischen Symptome für eine Typ-1-Diabetes

Bei beiden Diabetes-mellitus-Typen (Typ 1 und 2) sind ähnliche Symptome zu beobachten. Der Typ-1-Diabetes entwickelt sich allerdings in der Regel schneller, oftmals sogar in einigen Tagen bis Wochen, informiert das Ärzte-Portal Kinderärzte im Netz vom Berufsverband Kinder- und Jugendärzte e.V. Bei folgenden Alarmsignalen sollten Sie mit Ihrem Kind unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten
  • Großer, nicht nachlassender Durst, der zu einer Flüssigkeitszufuhr von mehreren Litern pro Tag führt
  • Gewichtsverlust trotz Heißhungers und verstärkter Nahrungsaufnahme (tritt nur bei Typ-1-Diabetes auf)
  • Verstärkter Harndrang mit großen Mengen Urin, die Kinder wachen nachts davon auf oder nässen ein.
  • Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, schnelle Gereiztheit
  • Nachlassen der körperlichen und geistigen Konzentrationsfähigkeit, Erschöpfungszustände (bei Typ-1-Diabetes)
  • Bauchschmerzen
  • Sehstörungen
  • Trockene Haut