"Wir haben die Lage unterschätzt", sagt SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach

Dauerhafte Lungenschädigungen auch bei leichten Verläufen von COVID-19?

20. März 2020 - 11:42 Uhr

Lungenfunktion dauerhaft beeinträchtigt?

Sind junge Menschen wirklich weniger stark betroffen vom neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2? Nein, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Wir haben die Lage am Anfang unterschätzt!" Er warnt: Auch jüngere Menschen betrifft die Krankheit. Denn selbst bei weniger starken Verläufen mit schwachen Symptomen könnte laut neuen Studien die Lungenfunktion dauerhaft beeinträchtigt werden. Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, widerspricht dem gegenüber RTL. Er hält die Aussage für Angstmacherei.

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Zu wenig über Langzeitfolgen bekannt

 Karl Lauterbach zu Gast in der M.Lanz ZDF Talkshow am 4.03.2020 in Hamburg M.Lanz ZDF am 4.03.2020 in Hamburg *** Karl Lauterbach as guest on the M Lanz ZDF talk show on 4 03 2020 in Hamburg M Lanz ZDF on 4 03 2020 in Hamburg PUBLICATIONxINxGERxSUIx
Karl Lauterbach sagte bei "Markus Lanz": Wir haben die Lage im Hinblick auf die Jüngeren unterschätzt!
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In einer besonnenen aber auch emotionalen Rede wandte sich gestern Bundeskanzlerin Merkel an die Bevölkerung in Deutschland und forderte uns auf: "Es ist ernst - nehmen Sie es ernst!" SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, dass man am Anfang den Fehler gemacht habe, zu glauben, dass die Erkrankung für Jüngere nicht wirklich gefährlich sein könne. Er wies in einer TV-Talkrunde per Videotelefonie aus seiner Quarantäne zugeschaltet darauf hin, dass auch leichte Verläufe dauerhafte Lungenschädigungen nach sich ziehen könnten. Zu wenig sei über das Virus und die Langzeitfolgen bekannt. "Das hat nichts mit einer kleinen Erkältung zu tun, auch nichts mit einer normalen Grippe", sagt er bei Markus Lanz. "Dass wir das für die jungen Leute verharmlost haben, macht es jetzt eben schwer, den Ernst der Lage für alle klar zu machen."

„Ob das ganz zurückgeht, das weiß niemand“

In seinen Augen bringen sich Menschen, die die Aufforderung zur sozialen Distanzierung nicht befolgen und Coronapartys feiern, in ernste Gefahr: "Es gibt einige Studien, die jetzt zeigen, dass es bei denjenigen, die COVID-19 hatten, also etwas schwerere Verläufe, kleine Lungenentzündungen, aber keine allzu starken Symptome, über vier Wochen hinweg immer noch relevante Veränderungen im Lungengewebe gibt", sagte er in der TV-Runde. "Ob das ganz zurückgeht, das weiß jetzt von uns ehrlich gesagt niemand."

Daher warne er davor, eine Infektion auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn diese Veränderungen des Lungengewebes gebe es nie bei einer Erkältung und auch nicht bei einer saisonalen Grippe. Daher ist die Vorbeugung für Lauterbach von allergrößter Bedeutung. "Wir haben das in den mittleren Altersstufen zu klein gefahren", stellte er in der Runde fest.

Experte für Infektionsprävention: "Aussage nicht hilfreich"

Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, widerspricht Lauterbach in diesem Punkt: "Solche Aussagen in einer solchen Situationen sind absolut nicht hilfreich", sagt er. Warum er der Ansicht ist, dass jungen Menschen jetzt keine Angst eingejagt werden sollte, sehen Sie in unserem Video!