Morgen geht's für die ersten Schulanfänger los

Sorge vor Schulstart - sind wir gut auf Corona vorbereitet?

30. Juli 2021 - 16:18 Uhr

Zweifel an Sicherheit des Unterrichts

Wenn am Samstag in Mecklenburg-Vorpommern die ersten Schulanfänger eingeschult werden, stellen sicher auch einige Eltern die Frage nach der Corona-Sicherheit. Was hat sich im Vergleich zum vergangenen Schuljahr getan und wurden alle möglichen oder auch nötigen Maßnahmen ergriffen, um ein sicheres Lernen zu gewährleisten. Daran haben nicht nur Sprecher von Schüler- und Lehrerverbänden erhebliche Zweifel.

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Schülersprecher: Es ist viel zu wenig passiert

Zum ersten Mal mit Ranzen und Schultüte in die Schule. Das steht für Tausende Erstklässler schon morgen in Mecklenburg-Vorpommern und kommende Woche auch in anderen deutschen Bundesländern an. Doch in Zeiten von Corona stellt sich die Frage, wie sicher die neuen Schulanfänger in ihrem neuen zweiten Zuhause sind. Denn die Kritik am Corona-Management der Politik wächst. "Ich habe schon Bauchschmerzen, wenn ich an den Start des Schuljahres denke", sagte Bundesschülersprecher Dario Schramm im RTL/ntv-Frühstart. "Es ist dasselbe Spiel wie im Vorjahr. Es wurde wenig vorbereitet. Viele Sachen, wie z.B. Luftfilter, die gefordert worden sind, da ist viel zu wenig geschehen."

Schramm sieht dabei vor allem die Politik in der Pflicht. Die einzelnen Länder seien in den Sommerurlaub gegangen, ohne konkret etwas für die Verbesserung der Lage in den Schulen zu tun. "All das ist nicht geschehen, was ich zutiefst frustrierend finde, weil es eben nicht die ersten Corona-Ferien sind, sondern die sechsten."

Meidinger: „Haben wieder viel Zeit liegen gelassen“

Zustimmung bekommt Schramm von Lehrerpräsident Heinz-Peter Meidinger. Auch er kritisiert, dass in den Schulen noch viel zu wenig passiert sei. "In der Tat haben wir wieder viel Zeit liegen gelassen", so Meidinger im RTL-Interview. Die Diskussion beispielsweise um Luftfilteranlagen gäbe es schon lange genug und dass man diese jetzt kurz vor Schuljahresbeginn wiederentdecke sei "kläglich". Nur rund zehn Prozent aller Klassenräume in Deutschland seien aktuell mit entsprechenden Luftfilteranlagen ausgestattet.

Das deckt sich auch mit einer exklusiven RTL-Recherche, die belegt, wie wenig die Landesregierungen über die Ausstattung ihrer Schulen wissen.

Aber auch in anderen Bereichen habe man viel zu viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen. "Auch bei der Frage der Digitalisierung – falls mal wieder eine Distanzunterricht-Phase kommt – ist nicht so viel passiert, wie wir uns erhofft haben", so Meidinger. "Etwa die Hälfte aller Schulen in Deutschland hat immer noch kein schnelles Internet und ohne schnelles Internet sind z.B. Videokonferenzen schwierig."

Dabei hatte die Bundesregierung die Digitalisierung der Schulen bereits im September 2020 zur "Chefsache" erklärt und ein milliardenschweres Geldpaekt auf den Weg gebracht.

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Kritik auch von Seiten der Ärzte

Kritik an der Politik kommt auch von Seiten der Ärzte. "Es ist ein bisschen bedauerlich, dass wir die Schulen noch nicht so optimal ausgerüstet haben, wie wir das im Sommer hätten machen können", sagt Dr. Susanne Johna, Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund im RTL/ntv-Coronatalk. Dabei sei es für Kinder und Jugendliche so wichtig, dass der Unterricht wieder geregelt ablaufe. "Ich war immer der Meinung, dass Schule die Großveranstaltung ist, die wir uns leisten können müssen", so Johna. "Wir sollten (deshalb) prinzipiell versuchen Quarantänemaßnahmen zu vermeiden."

Aber auch im Falle einer guten Ausstattung mit Luftfiltern wären die wohl nur eine Ergänzung. Es sei deshalb wichtig, die bestehenden Maßnahmen weiter umzusetzen, so die Ärztin. "Es ist wichtig, dass weiter die Masken getragen werden, dass weiter gelüftet wird"

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