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Schwerer Unfall im Hambacher Forst: Journalist stürzt 15 Meter in den Tod - Räumung wird vorerst ausgesetzt

Blogger stürzt von Hängebrücke und stirbt
Blogger stürzt von Hängebrücke und stirbt Tragischer Unfall im Hambacher Forst 01:00

Mann stürzte von einer provisorischen Hängebrücke

Seit Tagen ist die Polizei mit einem Großaufgebot im Hambacher Forst im Einsatz. Umweltaktivisten haben das Waldstück in Kerpen besetzt. Die Polizisten versuchen nun, die Camps der Braunkohlegegner zu räumen, dabei spielten sich bereits dramatische Szenen ab. Nun gab es einen tödlichen Unfall. Ein Mann stürzte von einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern in die Tiefe. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat daraufhin die Räumungsarbeiten "bis auf weiteres" ausgesetzt. "Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Waldbesetzer: "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen"

Bei dem Toten handelt es sich um einen jungen Journalisten, der seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentierte, sagte ein Polizeisprecher. Nach ersten Erkenntnissen brach er durch die provisorische Brücke in rund 15 Metern Höhe. Zur Zeit des Unglücks "fanden keine polizeilichen Maßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am genannten Baumhaus statt", betonte der Polizeisprecher. Der junge Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abstürzte. Ein Notarzt versorgte den Schwerverletzten, der per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht wurde. Dort starb er kurze Zeit später.

Das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" verlangte einen sofortigen Stopp der Räumungsaktion im Hambacher Forst. "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden", schrieb die Initiative in ihrem Blog. Der Tote sei "ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet", betonte das Aktionsbündnis "Hambi bleibt". 

Zum tödlichen Sturz sei es vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen. Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog.

Polizei: "Bitte bringen Sie sich und andere nicht in Lebensgefahr"

Tödlicher Sturz von Hängebrücke im Hambacher Forst
Der verunglückte Journalist hielt sich im Wald auf, um an der Seite der Baumbesetzer von der Räumung des Hambacher Forsts zu berichten. © Twitter

"Wir appellieren an alle Aktivisten: Bitte bringen Sie sich und andere nicht in Lebensgefahr. Bleiben sie ruhig und besonnen!", schrieb die Polizei bei Twitter. Alle Arbeiten zur Räumung im Hambacher Forst seien sofort eingestellt worden. Stattdessen konzentriert sich die Polizei jetzt darauf, den genauen Unfallhergang aufzuklären. Laut Aachener Polizei ermittelt ein Tatortteam der Mönchengladbacher Polizei die Umstände des tödlichen Sturzes. Die Ermittler arbeiteten vor Ort und sichteten beispielsweise auch mögliche Videos. 

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE im Herbst weite Teile des Forstes abholzen will, um Braunkohle zu fördern. In bis zu 25 Metern Höhe errichteten die Besetzer rund 55 Baumhäuser. 39 davon hat die Polizei nach eigenen Angaben bisher geräumt.

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