Dabei bekommt der Landwirt sogar EU-Förderung

Ekel-Bilder aus Mastbetrieb: Schweine fressen totes Ferkel

Die Bilder, die das Deutsche Tierschutzbüro veröffentlicht hat, zeigen verwahrloste, verletzte Schweine und sogar Kadaver, die nicht weggeräumt wurden.
Die Bilder, die das Deutsche Tierschutzbüro veröffentlicht hat, zeigen verwahrloste, verletzte Schweine und sogar Kadaver, die nicht weggeräumt wurden.
Deutsches Tierschutzbüro

Schweine mit abgenagten, blutigen Ringelschwänzen oder dicken Beulen an den Beinen, Kadaver liegen in der Ecke des Stalls. Ein Ferkel frisst sogar ein totes Schwein, dass neben ihm liegt: Diese Bilder, die das Deutsche Tierschutzbüro veröffentlicht hat, sind nichts für schwache Nerven. Die Aufnahmen sollen heimlich im Februar 2022 in einem Schweinemastbetrieb in Hessisch-Oldendorf (Niedersachsen) gemacht worden sein. Nicht nur, dass hier Tiere offenbar leiden, der Landwirt soll für seinen Betrieb sogar Förderungen vom Land Niedersachsen und der EU bekommen haben.

Hessisch-Oldendorf: Mastschweine verwahrlosen im Stall

Die Aufnahmen zeigen, dass zahlreiche Schweine blutige und offenbar nicht behandelte Verletzungen an ihren Ringelschwänzen haben, teilweise ist nur noch ein Schwanz zu erahnen. Dieses sogenannte Schwanzbeißen kommt in der Massentierhaltung sehr häufig vor, erklärt Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro im Gespräch mit RTL. In diesem Betrieb ging das aber über die Maße hinaus: „Wir gehen davon aus, dass ungefähr 70 Prozent der Tiere diese Verletzungen hatten“, so der Tierrechtler. In einer Videoaufnahme ist außerdem zu sehen, wie Ferkel an einem toten Schwein nagen, dessen Gesicht kaum noch zu erkennen ist. Für Jan Peifer ist der Landwirt verantwortlich für diese Zustände: „Man muss ihm sicherlich den Vorwurf machen, dem Betreiber, weil er hätte hier einschreiten müssen, er hätte hier den Tieren zum Beispiel mehr Platz zur Verfügung stellen müssen oder ähnliches.“

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Landwirt bezieht Stellung zu Schock-Bildern

Laut Deutschem Tierschutzbüro werden in dem Mastbetrieb in Hessisch-Oldendorf rund 1.000 Schweine gehalten. Das Unternehmen soll ein Zulieferer der Firma Westfleisch sein. Der Landwirt Carsten Amelung, der für die Tiere verantwortlich ist, sagt gegenüber dem ZDF-Magazin „frontal“: „Ja, die Bilder sind schockierend, aber man muss auch die Hintergründe kennen. Wir haben aus meiner Sicht alles getan, was ging und mehr konnte man einfach nicht tun.“ So sollen Ferkel plötzlich angefangen haben, sich massiv in die Schwänze zu beißen. Auch sollen Infektionen im Stall rasant um sich gegriffen haben, die er und auch sein Tierarzt lange nicht in den Griff bekamen, berichtet Amelung gegenüber „frontal“.

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Manche Schweine haben dicke Beulen an ihren Körpern.
Manche Schweine haben dicke Beulen an ihren Körpern.
Deutsches Tierschutzbüro

Gefördert wird der Betrieb von Carsten Amelung laut Deutschem Tierschutzbüro unter anderem von der EU: Mit etwa 200.000 Euro Subventionen in den vergangenen Jahren, unter anderem auch für Tierschutz- und Umweltverbesserungen. Auch das Land Niedersachsen soll ihm zusätzlich Geld dafür zahlen, dass seine Tiere unter besseren Bedingungen leben als in der konventionellen Landwirtschaft vorgesehen. Auch der Landwirt selbst versichert gegenüber „frontal“, er tue mehr für den Tierschutz als andere konventionelle Bauern, so sollen seine Tiere mehr Platz im Stall haben. „Gesunde Tiere sind unsere wirtschaftliche Grundlage, kein Landwirt hat Interesse an kranken Tieren im Stall“, sagt der Landwirt gegenüber dem ZDF. Und dennoch stellt sich die Frage: Wie sind die Aufnahmen zu erklären?

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Ermittlungen gegen Landwirt

Mehr als ein halbes Jahr sollen die Bilder alt sein, aufgenommen und nach eigener Aussage dem Deutschen Tierschutzbüro zugespielt im Februar 2022. Seitdem ist in dem Betrieb offenbar einiges passiert: „Wir haben das Futter analysiert, Tiere wurden obduziert, Klima- und Schadstoffmessungen durchgeführt, natürlich Medikamente gegeben“, so Carsten Amelung gegenüber „frontal“. Wie der Landwirt gegenüber dem ZDF sagt, habe sich die Situation gebessert seitdem er den Ferkel-Lieferanten gewechselt und auf eine andere Rasse umgestiegen sei.

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Ermittlungen kann der Landwirt damit dennoch nicht verhindern: Laut Deutschem Tierschutzbüro wurde das Veterinäramt im Landkreis Hameln-Pyrmont am 20. Februar über die Zustände in dem Betrieb informiert und hat Strafanzeige erstattet. Auch die Tierrechtsorganisation hat bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Anzeige gestellt.

Weitere Skandal-Bilder aus Nordrhein-Westfalen

Der Stall aus Niedersachsen ist offenbar kein Einzelfall. Insgesamt hat das Deutsche Tierschutzbüro Bilder aus sieben Mastbetrieben veröffentlicht, sechs davon stehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Gemeinsamkeit sollen die Betriebe haben: Sie sind allesamt Zulieferer der Firma Westfleisch, einem der größten Schweineschlachter Deutschlands. (mba)