Schwanger Ü35

Warum es auch Vorteile hat, eine "alte" Mutter zu sein

Späte Schwangerschaften bringen nicht nur Nachteile mit sich,
Späte Schwangerschaften bringen nicht nur Nachteile mit sich,
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27. April 2021 - 11:12 Uhr

Ärzte sprechen schon ab einem Alter von 35 von einer Risikoschwangerschaft

Erst einmal vorweg: Natürlich ist man ab 35 noch nicht "alt"! Doch wird eine Frau im Alter von über 35 Jahren schwanger, sprechen Ärzte prinzipiell von einer Risikoschwangerschaft. Denn das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft erhöht sich, je älter die Mutter ist. Was in der Diskussion um Spätgebärende jedoch nicht vergessen werden sollte: Aus dem höheren Alter bei der Geburt ergeben sich auch einige Vorteile für Mama und Baby – wie auch die Wissenschaft zeigt.

Lese-Tipp: Risikoschwangerschaft: Was genau bedeutet das eigentlich?

Vorteile einer späten Schwangerschaft: Ältere Mütter sind nach der Geburt glücklicher

Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung fanden 2015 heraus, dass Eltern zufriedener sind, wenn sie erst nach 34 Kinder bekommen. Die Wissenschaftler werteten Umfragedaten von rund 7.000 britischen und deutschen Elternteilen aus. Bei Eltern verschiedenen Alters zeigte sich ein Anstieg der Zufriedenheit vor und im Jahr der Geburt des Nachwuchses. Bei Eltern über 34 hielt diese Zufriedenheit im Vergleich zu anderen Altersgruppen jedoch viel länger an. Auch Jahre später waren sie insgesamt noch glücklicher als vor der Geburt ihres Kindes.

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Kinder älterer Mütter sind gesünder und gebildeter

Kind lernt mit Mutter
Kinder älterer Mütter bekommen einer Studie zufolge durchschnittlich bessere Noten.
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Laut einer gemeinsamen Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und der London School of Economics, die 2016 im Journal "Population and Development Review" veröffentlicht wurde, haben Kinder älterer Mütter einige Vorteile in ihrer Entwicklung. Waren die Mütter bei der Geburt älter als 40, hatte ihr Nachwuchs durchschnittlich bessere Noten und eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Universität zu besuchen. Zudem waren die Kinder im Durchschnitt größer als jene jüngerer Mütter.

Ü35-Mütter leben (möglicherweise) länger

Wie lange jeder Einzelne von uns leben wird, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Doch Forscher gehen davon aus, dass auch der Zeitpunkt der Geburt des letzten Kindes im Zusammenhang mit der Langlebigkeit und Gesundheit der Mutter steht.

Um zu verstehen, wie es zu diesem Zusammenhang kommt, muss man wissen: Ein Merkmal für langfristige Gesundheit und Langlebigkeit ist die Länge von sogenannten Leukozyten-Telomeren. Telomere sind die Schutzkappen unserer Chromosomen, die bei jeder Zellteilung ein bisschen kürzer werden.

Wenn die Telomere aufgebraucht sind, kann sich die Zelle nicht mehr teilen und stirbt ab. Die Folge: wir altern. Um also länger jung und gesund zu bleiben, brauchen wir längere Telomere. Forscher der "North American Menopause Society" (NAMS) fanden heraus: Frauen, die ihr letztes Kind erst später im Leben zur Welt brachten, wiesen meist längere Telomere auf – und leben somit möglicherweise länger.

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Ältere Mütter haben mehr Lebenserfahrung

Nicht zuletzt gibt es einen Vorteil einer späten Elternschaft, der viele Menschen bewusst zu der Entscheidung bringt, erst in ihren 30ern oder 40ern Kinder zu bekommen: mehr Lebenserfahrung. Vieles hat man schon erlebt und ist daran gewachsen. Das bringt vielleicht auch eine gewisse Gelassenheit und Belastbarkeit mit sich, die hilfreich sein kann, wenn es im stressigen Alltag mit den Kids hoch her geht. Zudem hatte man vor dem Kinderkriegen mehr Zeit, sich seiner Karriere zu widmen und sich eine gewisse Stellung – und damit auch ein höheres Gehalt – zu erarbeiten. Auch das kann mehr Gelassenheit ins Leben mit Kindern bringen.

Therapeutin verrät: Das macht es mit einem Kind, eine "alte" Mutter zu haben

Frau und Kind spielen
Eine späte Mutterschaft muss sich nicht negativ auf das Kind auswirken.
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Was macht es mit einem Kind, wenn die Mutter schon bei der Geburt jenseits der 40 oder gar 50 ist? Hat eine so späte Mutterschaft Auswirkungen auf die Kinderpsyche und die Beziehung zwischen Mutter und Nachwuchs? Darüber haben wir hier mit der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Sabine Werner-Kopsch gesprochen. Sie sagt: Das Alter der Mutter spielt eine weit weniger wichtige Rolle in der Erziehung, als man denken mag.

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