Kinder- und Jugendärzte sehen Aktion kritisch

Schleswig-Holstein: Mobile Impfteams geben Schülern den Corona-Piks

20. August 2021 - 8:45 Uhr

Schleswig-Holstein: Mobile Teams impfen Schüler

Nachdem die Ständige Impfkommission die Corona-Impfung für Kinder ab 12 Jahren empfohlen hat, soll jetzt auch hier ordentlich Tempo reinkommen und mehr Kinder möglichst leicht ein Impfangebot erhalten. In Schleswig-Holstein sind deswegen mobile Impfteams an die Schulen gegangen. Gleichzeitig gibt es aber auch Kritik von Kindern und Jugendärzten.

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Für das Impfen an den Schulen haben sich mehr als 10.000 Mädchen und Jungen angemeldet

Impfungen gegen das Coronavirus haben in Schleswig-Holstein am Donnerstag auch an Schulen im Land begonnen. Zunächst ging es nach Angaben des Bildungsministeriums an 24 Schulen los. Insgesamt können sich an 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren sowie Beschäftigte impfen lassen. Als weitere Schutzmaßnahme an den Schulen wurde die Maskenpflicht in Innenräumen verlängert.

Für das Impfen an Schulen hatten sich zunächst 10.500 Mädchen und Jungen angemeldet. Laut Bildungsministerium steigt die Zahl weiter. Mehr als ein Drittel der Schüler ab zwölf Jahren ist im Norden schon gegen das Coronavirus geimpft - das ist bundesweit der Spitzenwert. "Ich bin sehr zufrieden", sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag beim Besuch einer Impfaktion an der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule und am Thor-Heyerdahl-Gymnasium in Kiel-Mettenhof. Rund 150 Anmeldungen lagen hier vor, etwa 130 davon in der Gemeinschaftsschule.

Mehr zum Thema: Kinderimpfungen in Schulen bauen "gewissen Druck" auf.

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Bildungsministerin Prien: „Wir hoffen, auf diese Weise noch mehr Eltern zu erreichen“

Die Informationen zum Impfen wurden auch in die wichtigsten Migrantensprachen übersetzt. "Wir hoffen, auf diese Weise noch mehr Eltern zu erreichen", sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. "So bekommen Eltern die Informationen über ihre Kinder und haben einen weiteren Anlass, sich selbst zu reflektieren." Eltern konnten sich auch in der Schule impfen lassen. Die Lehrkräfte haben das bereits getan: "Die Kollegen sind alle durch", sagte der Leiter der Gemeinschaftsschule, Dieter Ruser.

Die Erstimpfungen an den Schulen im Norden sollen zwei Wochen dauern. Jeweils nach drei Wochen sollen die Zweitimpfungen folgen, auch an den Schulen. "Jeder einzelne Geimpfte hilft, Infektionsketten zu durchbrechen", sagte Prien.

Kinder- und Jugendärzte sehen Kinder-Impfungen kritisch

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat die Pläne mehrerer Bundesländer kritisiert, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen gegen das Coronavirus zu impfen. "Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, so dass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird", sagte der Bundessprecher des Verbandes, der Kinderarzt Jakob Maske, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Maske riet stattdessen zur Impfung in den Praxen: "Das Impfen beim eigenen Kinder- und Jugendarzt hat den Vorteil, dass der Arzt die Familie und das Umfeld gut kennt und die Eltern besser beraten kann, ob die Impfung für die Familie sinnvoll ist oder nicht."

Lehrerverbands-Chef Meidinger: „Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut“

Der Deutsche Lehrerverband begrüßte hingegen die Pläne, Impfungen an Schulen durchzuführen. "Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem RND. "Es ist völlig klar, dass eine hohe Impfquote der Schülerinnen und Schüler der wohl wichtigste Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen in der Pandemie und damit letztendlich für eine baldige Rückkehr zur Normalität im Schulbetrieb ist."

Die Befürchtung, dass Konflikte in die Schulen hineingetragen und ein Gruppendruck auf nicht-impfwillige Schüler beziehungsweise deren Eltern ausgeübt werden könnte, teilt er nach eigenen Worten nicht. Es gebe Möglichkeiten, Impfungen so zu organisieren, dass der Schulbetrieb kaum tangiert und die notwendige Anonymität und Freiwilligkeit absolut gewahrt werde, sagte Meidinger. (dpa/lwe)

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