Vor allem im Sommer top - allerdings nicht für jeden!

Warum scharfes Essen so gesund ist

Ingwer enthält Gingerol, das sowohl den Stoffwechsel als auch die Verdauung ankurbelt.
Ingwer enthält Gingerol, das sowohl den Stoffwechsel als auch die Verdauung ankurbelt.
© iStockphoto, istock

29. Juli 2021 - 10:08 Uhr

Scharfes Essen ist nicht für jeden etwas

Die einen lieben es, die anderen hassen es: Wie so vieles andere auch ist scharfes Essen Geschmackssache. Dabei gelten scharfe Lebensmittel als gesund. Aber warum ist das so? Wir erklären, wie die Scharfmacher im Körper wirken und wer besser auf scharfes Essen verzichten sollte.

Welche Wirkstoffe erzeugen die Schärfe?

Vor allem Chilis, Ingwer und Zwiebeln sowie Gewürze wie Pfeffer und Curry gelten als echte Scharfmacher. Chilis enthalten Capsaicin, das für die Schärfe des Gemüses verantwortlich ist. Er erzeugt auf der Zunge und in der Mundhöhle ein stark brennendes Gefühl. Für die Schärfewirkung von Ingwer ist Gingerol verantwortlich, in Zwiebeln und Knoblauch sorgt Allicin für das brennende Gefühl im Mund. Piperin, der Schärfestoff des Pfeffers, ist ein wenig milder.

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Wer häufig kocht, wird sich vielleicht schon einmal gefragt haben, warum Zwiebeln, Knoblauch, aber auch Senf milder schmecken, wenn man sie erhitzt. Das liegt daran, dass viele Schärfestoffe hitzeempfindlich sind. Je länger und höher man sie erwärmt oder kocht, umso weniger scharf sind sie folglich.

Capsaicin und Gingerol hingegen sind hitzestabil, was erklärt, dass ein Chili con Carne die gleiche schweißtreibende Wirkung wie eine roh genossene Chili hat.

Wie wirken scharfe Lebensmittel im Körper?

Grundsätzlich gilt: Schärfe regt den Stoffwechsel und die Verdauung an. Außerdem machen scharfe Lebensmittel glücklich. Letzteres klingt komisch, lässt sich aber folgendermaßen erklären: Die als scharf empfundenen Lebensmittel stimulieren unsere Schmerzrezeptoren. Um den Schmerz zu dämpfen, schüttet unser Körper daraufhin Endorphine (Glückshormone) aus. Diese sorgen für Entspannung und gute Laune.

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Je heißer wir scharfe Speisen zu uns nehmen, umso größer übrigens das Schmerzempfinden. Denn wie Schärfe wird auch Hitze von unserem Körper als Schmerz wahrgenommen.

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Zwiebeln, Chili und Co. pushen das Immunsystem

Scharfe Gewürze und Lebensmittel wirken antibakteriell. Die enthaltenen Schärfestoffe wie beispielsweise Piperin oder Capsaicin regen die Magensäureproduktion an. Durch das saure Milieu werden Bakterien abgetötet, wodurch unser Immunsystem gepusht wird.

Außerdem regt scharfes Essen die Durchblutung der Nasenschleimhäute an. Dadurch ist unser Körper besser gegen das Eindringen krankmachender Erreger und somit gegen Infekte gewappnet. Und bei denjenigen, die bereits eine Erkältung oder Grippe haben, sorgt die durchblutungsfördernde Wirkung dafür, dass die verstopfte Nase schneller wieder frei wird.

Scharfe Inhaltsstoffe regen die Verdauung an und beugen Karies vor

Aber nicht nur das: Gerade Menschen, die Probleme mit der Verdauung haben, kann scharfes Essen auch in anderer Hinsicht helfen: Die Schärfestoffe wie Capsaicin regen die Motorik des Magens an. Zudem steigern sie die Magensaftbildung. Beides zusammen beschleunigt die Verdauung. Auf diese Weise können auch fette Speisen, die normaler Weise lange im Magen-Darm-Trakt verbleiben, schneller und besser verdaut werden.

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Durch scharfe Speisen wird außerdem der Speichelfluss angeregt. Das hat auf unsere Zähne einen ähnlichen Effekt wie Kaugummikauen: Dadurch, das die Zähne ständig mit Speichel umspült werden, haben Bakterien kaum Chancen, die Zähne anzugreifen. Daher beugen Sie auch Karies vor, wenn Sie regelmäßig ein paar Scharfmacher wie Senf, Knobi oder Zwiebeln in ihren Speiseplan integrieren.

Schwitzen fördert Abkühlung des Körpers

Die scharfen Inhaltsstoffe erzeugen im Körper eine Art Alarm: Wie im Fall einer Verletzung oder Verbrennung steigt die Durchblutung an und die Blutgefäße erweitern sich. Das führt dazu, dass die Körpertemperatur steigt: wir schwitzen. Das wird jeder kennen, der schon einmal auf oder in eine rote Chili oder Peperoni gebissen hat.

Das erklärt auch, warum "hot" im Englischen sowohl "heiß" als auch "scharf" bedeutet. Durch das Schwitzen sinkt die Körpertemperatur wieder. Diesen Effekt machen sich auch die Menschen in vielen tropischen Ländern Afrikas und Asiens zunutze, wo traditionell scharfe Speisen an den Teller kommen.

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Wer scharf isst, nimmt leichter ab

Und last but not least: Auch diejenigen, die auf ihre Figur achten, sollten regelmäßig zu Ingwer, Knoblauch und Co. greifen. Die scharfen Gewürze halten den Insulinspiegel in Schach. Das beugt Heißhungerattacken vor und vermindert die Einlagerung von Fett in die Zellen.

Da sie wie oben beschrieben auch den Stoffwechsel ankurbeln und Ingwer beispielsweise außerdem entwässernd wirkt, können scharfe Lebensmittel auf vielerlei Weise das Abnehmen unterstützen.

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Wer sollte auf scharfes Essen verzichten?

Auch wenn der Genuss von scharfem Essen viele gesundheitliche Vorteile hat: Nicht für jeden ist es geeignet. So sollten Menschen mit hohem Blutdruck besser auf scharfe Speisen verzichten. Das gilt auch für Menschen, die einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt haben oder unter Sodbrennen leiden. Und auch für Kinder ist scharfes Essen nichts: Sie können schlimmstenfalls allergisch reagieren.

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Für alle anderen gilt: Wer scharfe Speisen regelmäßig in seinen Speiseplan einbaut, tut sich und seinem Körper in vielerlei Hinsicht etwas Gutes.

Und sollten Sie es doch einmal mit der Schärfe übertrieben haben, gilt: Finger weg von Wasser. Dadurch verschlimmern Sie den Effekt. Trinken Sie stattdessen ein Glas Milch oder tupfen Sie Ihre Zunge mit trockenem Weißbrot oder Baguette ab. Das verschafft schnelle Linderung. (nri)

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