Schweine-Leasing: Fleisch essen mit gutem Gewissen

RTL-Reporter schenkt Ferkel Elisa ein Leben in Würde – in einem Jahr wird es geschlachtet

RTL-Reporter schenkt Ferkel Elisa ein Leben in Würde Schweine-Leasing
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Schweine-Leasing
RTL-Reporter schenkt Ferkel Elisa ein Leben in Würde

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von Daniel Spliethoff

Ich betreibe Schweine-Leasing. Das heißt: Auf einem Bauernhof in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern wurde im Herbst ein Ferkelchen geboren. Ich habe dafür 120 Euro bezahlt und seit das kleine Schweine abgestillt ist, kommen 90 Euro monatlich für Futter, ärztliche Versorgung und das Leben auf dem Hof dazu. In einem Jahr wird das Ferkel geschlachtet, das Fleisch gehört dann mir.

Mein Schweinchen hat den Namen einer Freundin

Finden Sie die Überschrift eigentlich fies? Ich fand das im ersten Moment nämlich auch. Allerdings: Ist das nicht einfach nur ehrlich? Jede Woche werden in Deutschland aktuell 750.000 Schweine geschlachtet. Auf alle Deutschen gerechnet essen wir mehr als ein halbes Tier im Jahr – ich auch. Was ist anders bei meinem Ferkel?

Zum einen hab ich dem kleinen Schweinchen einen Namen gegeben – Elisa. Das ist der Name einer Freundin, die an dem Tag der Geburt Geburtstag hatte. Fand ich witzig, sie übrigens auch. Ich finanziere das Leben von Elisa mit meinem Geld. Ich hab sie kennengelernt und kann sie auf ihrem Hof besuchen. Zum einen weiß ich so, dass es ihr bei der Betreiberfamilie, der fantastischen Familie Reichelt, sehr gut geht. Zum anderen baue ich eine Beziehung zu einem Nutztier auf. So etwas kenne ich als Städter gar nicht mehr. Essen, das ich einst gestreichelt habe.

Erst streicheln, dann essen

Schweine-Leasing
RTL-Reporter Daniel Spliethoff besucht Bauernhof der Familie Reichelt in Plau am See.
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Das Programm „Schweine-Leasing“ gibt es auch in anderen Teilen des Landes. Ein kleiner Trend. Ich sehe es als Versuch einiger Menschen, wieder einen Bezug zu ihrem Essen zu bekommen. Wer das geschlachtete Tier kennt, traut sich nicht, viele Teile davon wegzuschmeißen. Mehr Wertschätzung! Klar, das kostet ordentlich Geld, mich mindestens 1700 Euro bis zum kommenden Jahr. Ich teile mir die Kosten mit einigen Freunden – ein super Weihnachtsgeschenk. Denn mit 11 bis 13 Euro für das Kilo Fleisch klingt die Investition schon gar nicht mehr so teuer: Ein Kotelett für drei Euro? Da zahle ich für Biofleisch im Supermarkt oft mehr. Und viel davon werde ich auch an Freunde und Bekannte weitergeben, sollte ich mich für eine Schlachtung entscheiden.

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Elisa gibt meinem Fleischkonsum ein Gesicht

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Elisa gibt meinem Fleischkonsum ein Gesicht
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Ich weiß noch nicht, ob ich Elisa Ende 2023 schlachten und essen möchte. Elisa gibt meinem Fleischkonsum ein Gesicht, ein ziemlich niedliches. Wenn ich mir nicht eingestehen kann, dass ich mit jeder Bratwurst auch ein lebendes Wesen zu mir nehme, dann sollte ich vielleicht einfach gar kein Fleisch essen. Das wäre konsequent. Im Dezember 2023 ist der Tag der Entscheidung. Bis dahin muss ich Bescheid wissen. Und bis dahin will ich dann auch eine konsequente Entscheidung treffen. So oder so.