Nebenwirkungen oft unbekannt

Rezeptfreie Schlafmittel: Wie gefährlich sind sie wirklich?

21. August 2020 - 14:57 Uhr

Apotheke & Drogerie: Wie gut werden wir aufgeklärt?

Das Angebot in Apotheke und Drogerie ist groß: Diverse Medikamente sollen schnell und unkompliziert bei Schlafstörungen helfen – ganz ohne Rezept vom Arzt. Doch harmlos sind sie deshalb noch lange nicht. Mit versteckter Kamera macht RTL-Reporterin Anna Acker den Test in der Apotheke: Zu welchen Mitteln wird ihr geraten, und wird sie ausreichend über mögliche Nebenwirkungen und Gefahren aufgeklärt? Wie ein Arzt die Szenen bewertet, sehen Sie im Video.

Gewöhnungseffekt auch bei rezeptfreien Schlafmitteln

Jeder dritte Deutsche hat mit Schlafproblemen zu kämpfen. Viele greifen deshalb zu Pillen: 228 Millionen Euro werden laut dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller pro Jahr mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln umgesetzt - Tendenz steigend. Gerade bei frei verkäuflichen Medikamenten machen sich viele Verbraucher aber keine Gedanken über die Folgen: So können auch rezeptfreie Schlafmittel einen solchen Gewöhnungseffekt haben, dass es bei dem Versuch, sie abzusetzen, zu verstärkten Schlafstörungen kommen kann.

Melatonin: Diese Nebenwirkungen sollten Sie kennen

Einschlafhilfen gibt es auch in der Drogerie. Viele davon enthalten Melatonin – ein Hormon, das der Körper selbst produziert, um unseren Tag-Nacht-Rhythmus zu steuern. Pharmazeut Prof. Dr. Gerd Glaeske findet das problematisch: "Das Gefährliche daran ist, dass man ein Nahrungsergänzungsmittel nimmt, ohne zu wissen, dass dieses Mittel einen pharmakologischen Wirkstoff enthält."

Der Experte warnt vor Nebenwirkungen, "zum Beispiel Schwindelgefühle, Schwitzen, man hat Kreislaufstörungen." Das Melatonin sei ein Hormon, bei dem sich Verbraucher bewusst machen sollten, dass es "möglicherweise in den Hormonhaushalt von uns allen eingreifen kann", erklärt Prof. Glaeske im Interview mit RTL.

Weitere mögliche Nebenwirkungen von Melatonin sind Wechselwirkungen mit Medikamenten zur Regulierung des Blutdrucks, Betablockern oder Antidepressiva. Bei zu hoher Dosierung kann der Biorhythmus gestört werden. Manche Anwender berichten außerdem über besonders lebhafte Träume und Albträume, Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Probleme oder Reizbarkeit. 

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Vorsicht beim Autofahren - auch am nächsten Tag!

Besonders hinterm Steuer unterschätzen viele die langfristige Wirkung von Schlafmitteln. Hier kommt es auf die richtige Dosierung und den ausreichenden zeitlichen Abstand zwischen der Einnahme und der Teilnahme am Straßenverkehr an. Apotheker Dr. Matthias Wilken erklärt: "Je später die Einnahme von Schlafmitteln erfolgt, desto größer wird das Risiko, dass sich am nächsten Tag die Müdigkeit noch auf Ihre Fahrtauglichkeit auswirken kann."

Welche Schlafmittel ohne Rezept wirken wirklich?

Experten zweifeln die umfassende Wirkung von Melatonin-Präparaten an: "Freiverkäufliches Melatonin scheint bei Ein- und Durchschlafstörungen nur zu helfen, wenn diese beim Jetlag auftreten", erklärt Schlafmediziner Hans-Günter Weeß der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

"Aus schlafmedizinischer Expertensicht ist es so, dass wir nur die Produkte empfehlen können, deren Wirksamkeit belegt ist." Betrachte man Studien, gebe es auch für viele pflanzliche Mittel keinen Wirksamkeitsnachweis. "Wenn etwas hilft, dann bei leichten Schlafstörungen am ehesten noch Baldrian hoch dosiert."

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