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Rapper Bushido gegen Arafat Abou-Chaker: Geheime Tonaufnahme sorgt für Diskussion vor Gericht

Rapper Bushido gegen Arafat Abou-Chaker

Geheime Tonaufnahme sorgt für Diskussion vor Gericht

Rapper Bushido
Bushido ist Nebenkläger im Prozess gegen Clan-Chef Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder. Foto: Archiv/ Sebastian Willnow
deutsche presse agentur

von Samina Faizi und Jana Strauß

„Hochbrisant“, „geheim“, „belastend“: Zu dieser vermeintlichen Audiodatei gab es bereits etliche Berichte, Analysen und Kommentare. Jetzt, am 59. Hauptverhandlungstag im Clanprozess gegen den Hauptangeklagten Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder, wurde die bislang geheime Tonaufnahme erstmals vor dem Berliner Landgericht thematisiert. Blamiert Bushido als Kronzeuge die Staatsanwaltschaft und seine Zeugenaussage verliert deutlich an Gewicht? Oder ist die vermeintliche Tonaufnahme das Glied in der Kette, an dem vielmehr zu zweifeln ist?

Anklage wegen Freiheitsberaubung, versuchter Erpressung, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung

Es geht um den 18. Januar 2018: Vor dem Gericht hatte Rapper Bushido ausgesagt, er sei an diesem Tag bei einem Treffen mit Clanchef Arafat Abou-Chaker und seinen Brüdern bedroht, eingesperrt und mit einer Plastikflasche verletzt worden. Die Anklage wegen Freiheitsberaubung, versuchter Erpressung, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung basiert vor allem auf diesen Aussagen Buhidos, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Ferchichi, und seiner Frau Anna-Maria Ferchichi. Der „Stern“ hatte jedoch vergangene Woche über eine illegal aufgenommene Tonaufnahme berichtet, die dem Magazin nach eigenen Angaben vorliegt und die Darstellung von Bushido widerlegen soll. Demnach gab es an dem besagten Januartag keinen Streit, keine Drohungen und keine Gewaltausbrüche. Sollte das zutreffen, würde sich der gesamte Prozess völlig anders darstellen.

09.02.2022, Berlin: Arafat A.-Ch. kommt im Prozess zum Gerichtssaal zu Fortsetzung Prozesses. Dem Hauptangeklagten Arafat A.-Ch. werden Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido wie Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung und g
09.02.22: Der Hauptangeklagte Arafat Abou-Chaker kommt zum Gerichtssaal.
dpa, Carsten Koall

Staatsanwältin fordert Audio-Forensiker

In dem „Stern“-Bericht, veröffentlicht am 03.02.22, heißt es unter anderem zur Audiodatei: „Sie legt nahe, dass Anis Ferchichi die Staatsanwaltschaft und das Gericht fundamental belogen hat. Wenn das Tondokument nicht manipuliert wurde. Einer der renommiertesten Forensiker und Experten für Audioaufnahmen in Deutschland hat das Band eingehend untersucht. Weil es sich um eine illegale Aufnahme handelt und angesichts des laufenden Prozesses möchte der Sachverständige vor einem denkbaren Auftritt als Zeuge vor Gericht nicht mit Namen zitiert werden. Dem „Stern“ hat er seine Untersuchungsergebnisse ausführlich erläutert. 24 Tage hat er sich für die Tests Zeit genommen. Sein Urteil: ‘Wir können bei allen verwendeten Analysemodellen keine Indizien dafür finden, dass hier etwas herausgenommen oder hinzugefügt wurde.’ “

Die vermeintliche Aufnahme liegt dem Gericht an diesem 59. Hauptverhandlungstag vor und soll vervielfältigt werden, um sie den Beteiligten zugänglich zu machen. Oberstaatsanwältin Petra Leister fordert, die Datei umgehend durch einen neuen Audio-Forensiker untersuchen zu lassen. Die Suche nach einem Experten ist bereits angeschoben.

Hörtipp: „Bushido-Prozess: Wird es die größte Blagame für die Staatsanwaltschaft?“, im Podcast „heute wichtig“

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Anwalt von Bushido wehrt sich gegen die Tonaufnahme

Nachdem das Thema vollumfänglich auf dem Tisch ist, ergreift Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe das Wort. Er bekommt die Gelegenheit zur Stellungnahme. Wie RTL-Reporterin Samina Faizi berichtet, tritt er sehr selbstbewusst auf, obwohl er Spott und böse Zwischenrufe von der Gegenseite erhält. Für ihn gibt es keinen Zweifel daran, dass die Datei eine Fälschung ist. Obwohl er die Aufzeichnung nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gehört haben will, meint er. „Es ist egal was auf dem Stick ist. Zwei Stunden – das kann nicht stimmen.“ Er spielt darauf an, dass die Länge der Audiodatei und damit die Dauer des damaligen Treffens nicht übereinstimmen. Laut der Aussage von Bushido dauerte das Treffen im Januar 2018 über vier Stunden. Die vermeintliche Tonaufnahme soll hingegen nach rund zwei Stunden enden.

Später sagt Anwalt Tzschoppe auf dem Gerichtsflur: „Ich bin davon überzeugt, dass die eingereichte Datei eine Fälschung ist, die mit dem Original nicht mehr übereinstimmt. Sie ist keine Totalfälschung, sondern eine, die manipuliert wurde.“ Es sei ein erneuter Versuch seinem Mandanten zu Schaden.

Prozess unterbrochen

An der Verhandlung nimmt auch Bushido teil, der in der Sache Zeuge und Nebenkläger ist. Der Prozesstag am Mittwoch muss letztlich aus Krankheitsgründen unterbrochen werden. Die mit Spannung erwarteten Stellungnahmen zur Tonaufnahme konnten damit zunächst nicht beendet werden. Der Prozess wird bis zum 14.02.22 ausgesetzt.

Heimliche Aufnahme strafbar?

Prinzipiell ist eine heimliche Aufnahme von Gesprächen nicht erlaubt und strafbar. In Prozessen unterliegen solche Aufzeichnungen aber nicht automatisch einem sogenannten Beweisverwertungsverbot. Das zuständige Gericht muss jeweils abwägen, wie es damit umgeht.