Sozialverbände warnen nach Preis-Explosion für Obst und Gemüse

Gesunde Ernährung nur noch für Reiche?

Obst und Gemüse sind deutlich teurer geworden.
Obst und Gemüse sind deutlich teurer geworden.
© dpa, Jens Büttner, jbu,ali,cse wok wst

24. September 2021 - 12:07 Uhr

Preise für Nahrungsmittel um 4,6 Prozent gestiegen

Gesunde Ernährung ist wichtig - ist sie bald nur noch Menschen mit einem höheren Einkommen möglich? Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben sich die Preise für Nahrungsmittel im August im Jahresvergleich um 4,6 Prozent erhöht. Sozialverbände und Ernährungsexperten warnen jetzt: Der starke Preisanstieg für gesunde Lebensmittel führt zu sozialen und gesundheitlichen Folgen.

Obst und Gemüse werden für Geringverdiener zum Luxusgut

Gesund wird richtig teuer! Denn Verbraucher mussten für Gemüse zuletzt neun Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Salat war sogar knapp 38 Prozent teurer. Bei Obst betrug der Preisanstieg 2,5 Prozent. "Obst und Gemüse werden für Geringverdiener und Menschen in Grundsicherung durch die Preissteigerungen endgültig zum Luxusgut, das sie sich nicht mehr leisten können", sagte deswegen die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, dem "Tagesspiegel".

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Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes reicht nicht

Im Hartz-IV-Regelsatz seien gerade einmal fünf Euro am Tag für Lebensmittel vorgesehen, kritisierte Bentele. "Das reichte schon bisher nicht für eine ausgewogene Ernährung, wie Studien nachgewiesen haben", sagte die VdK-Präsidentin. "Dass der Regelsatz nun um lächerliche drei Euro erhöht wurde, bestätigt, wie konsequent die Regierung lebensnotwendige Bedürfnisse von Menschen in Grundsicherung ignoriert."

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Der Hartz-IV-Regelsatz für alleinstehende Erwachsene soll im Januar um drei auf 449 Euro im Monat steigen. Eine entsprechende Verordnung des Bundessozialministeriums hatte das Kabinett vergangene Woche auf den Weg gebracht. Insgesamt erhalten Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe sowie Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung 0,76 Prozent mehr Geld. Die aktuell deutlich steigenden Verbraucherpreise sind in die Berechnung der Sätze noch nicht eingegangen, sie sollen erst für 2023 berücksichtigt werden.

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Obst, Gemüse und Nüsse von Mehrwertsteuer befreien

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) forderten, gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse von der Mehrwertsteuer zu befreien. Im Gegenzug sollten ungesunde, stark gezuckerte Produkte, beispielsweise Softdrinks, mit einer höheren Steuer von 29 Prozent versehen werden. "Davon profitieren dann auch Familien mit einem schwachen sozio-ökonomischen Hintergrund, denen der Zugang zu frischem Obst und Gemüse so finanziell erleichtert wird", sagte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer dem "Tagesspiegel". (ija)