„Ich habe mich geschämt“

Nora Tschirner spricht über jahrelange Depressionen - „Vor 10 Jahren kam der Tiefpunkt“

Die Schauspielerin Nora Tschirner hat jahrelang unter Depressionen gelitten.
Die Schauspielerin Nora Tschirner hat jahrelang unter Depressionen gelitten.
© deutsche presse agentur

17. April 2021 - 11:20 Uhr

Nora Tschirner: „Meine erste depressive Episode hatte ich schon mit 18“

Stationäre Behandlung, Therapie und ein Jahr Psychopharmaka: Schauspielerin Nora Tschirner (39) hat in einem Interview mit dem "Süddeutsche Zeitung Magazin" offen und ehrlich über ihre jahrelangen Depressionen gesprochen. "Meine erste depressive Episode hatte ich schon mit 18, aber vor zehn Jahren kam der Tiefpunkt", gesteht die 39-Jährige. Damals habe sie sich so schlecht gefühlt, dass sie online die Prüfliste einer Klinik durchgegangen sei. "Da stand, wenn Sie bei den folgenden zwanzig Fragen drei mit ja beantworten, wäre es ganz gut, wenn Sie zeitnah vorbeikommen. Bei mir waren es 19."

„Tatort“-Kommissarin reagiert emotional auf Instagram

Nachdem Talkshow-Gastgeber Kurt Krömer (46) in seiner Sendung "Chez Krömer" mit Kabarettist Torsten Sträter (54) über seine Depressionen sprach, meldete sich Schauspielerin Nora Tschirner emotional auf Instagram zu Wort. "Lasst euch helfen, es gibt richtig gute Leute dafür, ihr seid nicht im Ansatz so allein, wie ihr Euch jetzt gerade fühlt. Und: es lohnt sich. Ein Winken aus dem Leben danach. Ist schön hier", schrieb sie ihren Followern.

Sie hat sich für ihre Krankheit geschämt

Ihre Symptome seien unter anderem "Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Angst, Lustlosigkeit und Schlaflosigkeit" gewesen. Sie habe sich aber auch für ihre Krankheit geschämt, sagt Tschirner. "Als privilegierte Person - Schauspielerin, Dach über dem Kopf, zwei gesunde Arme, zwei gesunde Beine - hatte ich das Gefühl, meine Probleme gar nicht haben zu dürfen."

Ihre erste Therapie habe sie mit 25 Jahren begonnen. Der "Tiefpunkt" sei jedoch erst mit Anfang 30 gekommen. "Dann wurde es irgendwann richtig heftig. Ich hatte keinen Halt mehr. Ich war allein mit mir. Vermutlich hätte ich die Krankheit niemals komplett verhindern können, aber wenn ich mich besser um mich gekümmert hätte, wäre ich so tief nicht gefallen." Tschirner habe sich daraufhin zwei Wochen stationär behandeln lassen und "ein Jahr lang Psychopharmaka genommen."

Die Schauspielerin erklärt: "Mich hat das total stabilisiert. Das Serotonin konnte bei mir nicht mehr lange genug in den Synapsenspalten verharren. Es lief zu schnell durch, ich hatte kein Glücksempfinden mehr. Die Medikamente waren wie Gehhilfen, sie haben diese Prozesse verbessert, bis mein Körper das wieder selber konnte."

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Tschirner ist heute frei von Symptomen

Während der Therapie hätten sie und ihre Psychologin sich mit der Ursache ihrer Depressionen auseinandergesetzt. Es habe sich herausgestellt, dass die stärksten Episoden immer "an den krassen Pressetagen, an denen ein Interview dem nächsten folgt, und die kein Ende nehmen - und an 16-Stunden-Drehtagen" gewesen seien, "also in zeitlich begrenzten Arbeitsphasen", so Tschirner.

Es habe lange gedauert, bis die Schauspielerin ihre Depressionen besiegt habe. Heute sei die Angst verschwunden. "Ich bin seit vielen Jahren frei von Symptomen, habe mir ein gutes Umfeld aufgebaut, treffe Vorkehrungen." Sie wisse nun, was gut für sie sei. Außerdem helfe es ihr, mit Freunden zu sprechen oder Zeit mit ihren Pferden zu verbringen.

Hier gibt es Hilfe bei Depressionen!

Depressionen gehören zu den verbreitetsten Krankheiten weltweit und werden doch häufig unterschätzt. Es ist aber wichtig, sie frühzeitig zu erkennen.

Wenn Sie selbst unter Depressionen leiden, können Ihnen diese Beratungsstellen helfen.

Wenn Sie suizidale Gedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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