Wegen der Omikron-Variante

Ministerpräsident Weil fordert allgemeine Impfpflicht

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, erwägt auch einen erneuten Lockdown. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, erwägt auch einen erneuten Lockdown. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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29. November 2021 - 14:46 Uhr

Weil: "Wir müssen den Impfdruck erhöhen"

Als erster SPD-Regierungschef hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil eine allgemeine Corona-Impfpflicht gefordert und strengere Corona-Regeln für das Land angekündigt. Mit der Omikron-Variante des Coronavirus gebe es eine neue Lage, sagte er der 'Hannoverschen Allgemeinen Zeitung'.

"Wir werden uns massiv anstrengen müssen, um den Impfschutz sehr rasch nach oben zu treiben", so Weil. "Erste Untersuchungen zeigen, dass vor allem Booster-Impfungen auch gegen diese Mutation eine gute Wirkung entfalten können. Deshalb ist spätestens jetzt eine allgemeine Impfpflicht unabdingbar. Wir müssen den Impfdruck unbedingt erhöhen."

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Impflicht für mehrere Jahre?

ARCHIV - 08.07.2021, Niedersachsen, Bad Essen: Aufgezogene Spritzen mit dem Wirkstoff von Johnson&Johnson liegen auf einem Tablett. (zu dpa: «Verdi spricht sich gegen Corona-Impfpflicht in der Pflege aus») Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auch regelmäßige Auffrischungsimpfungen sollten zur Pflicht werden, fordert Weil.
© dpa, Friso Gentsch, frg sb vco bch

Weil zufolge braucht es eine Impfpflicht für voraussichtlich einige Jahre. "Auch wenn kein Politiker das gerne tut: Wir müssen die Menschen wohl auch zu regelmäßigen Auffrischungsimpfungen verpflichten", sagte der Regierungschef der Zeitung.

Die bundesweite Debatte um eine allgemeine Impfpflicht hatte an den vergangenen Tagen an Fahrt aufgenommen. Auch die Ärztekammer Niedersachsen sprach sich dafür aus. Ausgenommen werden sollten demnach nur Einzelne, bei denen medizinische Gründe gegen eine Impfung sprechen. Ziel sei, einen erneuten Lockdown und auch neue Belastungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wegen geschlossener Kitas, Schulen und Universitäten zu verhindern, teilte die Kammer am Samstag mit.

Ministerpräsident erwägt Lockdown

Auch einen Lockdown schloss der Ministerpräsident nicht mehr aus. "Das ist ein Punkt, den wir jetzt intensiv diskutieren müssen", sagte er. "Dabei geht es aber wahrscheinlich noch eher um die Zeit nach Weihnachten, in der in der Regel Ferien sind und die Familien sich treffen." Weil zufolge kommt in Betracht, die Corona-Regeln bis Weihnachten zu verschärfen und danach eine "verlängerte Weihnachtsruhe" zu verhängen.

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2G-Plus kommt am Mittwoch

Der Ministerpräsident kündigte zudem strengere Maßnahmen für Niedersachsen an. Der Hospitalisierungswert in Niedersachsen liegt den fünften Werktag in Folge über 6, die Inzidenz in den meisten Landkreisen bei mehr als 100. Nahezu überall im Land gilt ab Mittwoch daher die Warnstufe 2. Damit "rollen wir die 2G-plus-Regel gleichsam flächendeckend über das Land aus", so Weil. Nur noch Geimpfte und Genesene, die zusätzlich aktuell negativ getestet wurden, dürfen dann Veranstaltungen besuchen oder Dienstleistungen wahrnehmen, im Innenbereich Sport treiben, ins Restaurant gehen oder im Hotel übernachten. "Diese ergänzende Testpflicht ist für die Geimpften und Genesenen mühsam und ärgerlich, aber leider notwendig", sagte Weil.

Handel und Theater bangen um ihre Kunden

09.11.2021, Niedersachsen, Hannover: Ein Programmhinweis ·Verbrechen von nebenan· für den Auftritt des Podcasters Philipp Fleiter und ·2G Regelung· stehen am Theater am Aegi. Während der Corona-Pandemie dürfen derzeit nur Geimpfte und Genese das Thea
Noch gilt im Theater die 2G-Regel - doch das könnte sich bald ändern.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst kno

Der niedersächsische Handelsverband befürchtet wegen der Testpflicht deutliche Einbußen. Die Testpflicht müsse daher mit angemessenen Kompensationen für die Händler verbunden sein, forderte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Mark Alexander Krack. "Bis jetzt ist der Kundenzuspruch noch da", sagte Krack der Deutschen Presse-Agentur.Die Erfahrungen mit einer Testpflicht früher in der Pandemie hätten aber gezeigt, dass die Kundenfrequenz dadurch deutlich zurückgehe.

Auch die Theater in Niedersachsen und Bremen fürchten um ihre Zuschauer. Mit der derzeit geltenden 2G-Regel - die Zuschauer müssen geimpft oder genesen sein - komme man gut zurecht, sagten Theatermacher auf Anfrage. Schwieriger werde es, wenn 2G plus kommt: Für die Zuschauer werde der Aufwand hoch, sich für einen Theaterabend zusätzlich noch einen aktuellen negativen Test zu besorgen. "Die Nachfrage wird geringer werden", sagte Sprecher Nils Wendtland vom Schauspiel Hannover. (dpa/lzi)