Darauf müssen Arbeitnehmer achten

Neue Brückenteilzeit: Arbeitszeit reduzieren und wieder in Vollzeit zurück

7. Mai 2019 - 14:53 Uhr

Arbeitnehmer kann trotz Teilzeit seine Vollzeitstelle behalten

Mehr Zeit für Familie, Hobbys oder private Weiterbildung. Das Prinzip: Arbeitnehmer können für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren die Arbeit in Teilzeit beantragen, danach kehren sie automatisch in die Vollzeitstelle, beziehungsweise ihre vorherige Arbeitszeit, zurück. Seit 1. Januar 2019 greift die Brückenteilzeit, die der sogenannten Teilzeitfalle entgegenwirken soll.

Voraussetzungen und Fristen

Anspruch auf Brückenteilzeit haben nur Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten. Bei Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern gilt außerdem eine Zumutbarkeitsgrenze. Das heißt: Der Chef muss nur einen Antrag pro 15 Beschäftigte bewilligen.

Der Teilzeitwunsch muss drei Monate im Voraus beantragt werden, und der Arbeitnehmer muss mindestens sechs Monate im Unternehmen beschäftigt sein. Abgelehnt werden kann der Antrag mit Verweis auf einen sogenannten betrieblichen Grund. "Ein betrieblicher Grund liegt insbesondere vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten entstehen", sagt Thomas Beck von der Initiative Neue Qualität der Arbeit, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird.

Arbeitszeit reduzieren lohnt sich nicht immer

Um wie viel Prozent diebisherige Arbeitszeit reduziert werden darf, ist nicht festgeschrieben. "Es gilt nicht nur für Vollzeitbeschäftigte, sondern im Grunde für jeden Beschäftigten", erklärt Marta Böning, Juristin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Auch wenn ich beispielsweise 30 Stunden in der Woche arbeite, kann ich weiter reduzieren."

Wer in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist, sollte der Juristin zufolge gegebenenfalls nachrechnen, ob sich die Brückenteilzeit lohnt: "Es gibt keine Lohnersatzleistungen in dieser Zeit." Mit dem Teilzeitrechner des BMAS können Interessierte prüfen, wie sich ihre finanzielle Situation verändern würde.

Mehr Zeit in besonderen Lebenssituationen

Weniger Geld, aber mehr Zeit - die Rechnung kann aufgehen. Prof. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen hält das Modell Brückenteilzeit für einen guten Weg, um "in Balance zu bleiben und unterschiedliche Lebenssituationen miteinander zu vereinbaren". Vor allem Menschen, die über einen bestimmten Zeitraum besondere, etwa familiäre Verpflichtungen hätten, könne die Brückenteilzeit mehr Planungssicherheit geben.

Rump empfiehlt, die Pläne frühzeitig und offen zu kommunizieren. "Es ist die Frage, wie ich das im Team, auf kollegialer Ebene rübergebracht kriege und wie ich es koordinieren kann." Dabei könne es helfen, den Kollegen Hintergrundinformationen zu den eigenen Beweggründen zu geben, auch wenn diese rechtlich irrelevant sind. "Das hat nichts mit Rechtfertigung zu tun, sondern mit Information und Verständnis. Man sollte mit Augenmaß daran gehen und auch signalisieren, dass man die Kollegen weiterhin unterstützt."

Wer eng mit seinen Kollegen und Vorgesetzten weiterarbeitet hat auch bessere Karten, bei Rückkehr auf die Vollzeitstelle seine Aufgaben zu behalten. Denn einen Anspruch auf die "alte" Vollzeitstelle gibt es nicht.

​"Wie sich die Brückenteilzeit in der Praxis entwickelt, wird sich zeigen. Wir haben noch keine Erfahrung mit dem Anspruch und insbesondere mit einer möglichen Ablehnung durch die Arbeitgeber", sagt Marta Böning.


Quelle: DPA / RTL.de