Was war denn da eigentlich los?

Nations League: Mbappé schenkt Frankreich den Titel und besiegt seine skurrilen Zweifel

Goldjunge: Kylian Mbappé.
Goldjunge: Kylian Mbappé.
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11. Oktober 2021 - 11:03 Uhr

Die EM in diesem Sommer endet für Frankreich mit einem Desaster. Die Mannschaft mit all ihren Superstars scheitert bereits im Achtelfinale an der Schweiz. Nun, rund dreieinhalb Monate später, gibt es aber doch noch einen großen Titel. Kylian Mbappé erzählt eine besondere Geschichte.

Die Schmach der EM ist getilgt

Dass Kylian Mbappé einmal ein wichtiges Tor, ein titelbringendes für Frankreich schießt, das ist die Geschichte, die für diesen Mann vorgesehen war. Unklar war nur, wann sie erzählt werden würde. Dieser Nebel hat sich am Sonntagabend gelichtet. Denn da hat der Stürmer von Paris St. Germain das geliefert, was man sich eben von ihm erwartet hatte. Im eigenen Land. Und vermutlich überall anders auf dem europäischen Kontinent. Denn auch in England, Deutschland, Italien oder aber Spanien weiß man ja, was dieses Ausnahmetalent alles kann.

Im Finale der Nations League, jaja, das fand tatsächlich statt, erzielte der Angreifer gegen Spanien das Siegtor. Der Chronistenpflicht geschuldet liefern wir gerne auch noch den Ort des Geschehens nach. Den großen Moment für sein Land erlebte er im Giuseppe-Meazza-Stadion zu Mailand. 31.511 Zuschauer waren zu Gast und sahen, wie der 22-Jährige zehn Minuten vor dem Ende frei vor Torwart Unai Simon auftauchte, diesen mit einem feinen Übersteiger auswackelte und zum 2:1 traf. Es war, wie man später wusste, der entscheidende Moment. Ein bisschen musste Frankreich aber noch zittern, ehe der Pokal leidenschaftlich geküsst werden durfte. Zwei gute Chancen zum spanischen Ausgleich schnappte sich Keeper Hugo Lloris. Mbappé hatte damit auch seine persönliche Schmach von der Europameisterschaft getilgt. Beim sensationellen Achtelfinal-Knockout gegen die Schweiz hatte er den entscheidenden Elfmeter verschossen.

Benzema schielt auf besondere Auszeichnung

 Mg Milano 10/10/2021 - Uefa Nations League / Spagna-Francia / foto Matteo Gribaudi/Image nella foto: esultanza fine gara Karim Benzema PUBLICATIONxNOTxINxITA
Guter Mann: Karim Benzema.
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Nun, so sehr die Geschichte des Unterschiedsspielers Mbappé vorgezeichnet war, so besonders ist sie allerdings auch. Denn der Star des Milliardenensembles aus Katar, Pardon, aus Paris hatte im Sommer eine Zeit der Zweifel, ob es noch Sinn haben würde, für die "Equipe Tricolore" zu spielen. Das hatte er gerade erst der "L'Equipe" verraten. "Ich habe die französische Nationalmannschaft immer über alles gestellt und werde sie auch immer über alles stellen. Ich habe nie ein Problem sein wollen." Von einem bestimmten Moment an habe er gespürt, dass er als ein Problem wahrgenommen werde und dass das Team ohne ihn glücklicher sei. "Die Botschaft, die ich erhalten habe, war, dass mein Ego uns verlieren ließ, dass ich zu viel Platz wollte und dass man ohne mich vielleicht hätte gewinnen können." Die Sache mit dem Ego, die kennen sie auch in Paris. Die Provokationen um einen Wechsel zu Real Madrid haben den Klub in den vergangenen Monaten zur Verzweiflung getrieben.

Zurück zur Nationalmannschaft. In einem offenbar konstruktiven Dialog mit Verbandspräsident Noël Le Graët wurden die Zweifel dann ausgeräumt. Und ein Weg für den Erfolg gefunden. Gut für Frankreich. Gut für Frankreich war übrigens auch Mbappés Sturmpartner Karim Benzema. Der hatte das 1:1 erzielt (66.). Mit einem wundervollen Schlenzer. Über den Mann von Real Madrid erzählt man sich, dass er mit 33 Jahren so gut ist wie nie zuvor in seiner Karriere. Das ist ein beachtlicher Ritterschlag. Denn er war in seiner Karriere schon oft verdammt gut. Benzema soll in dem Wissen um die beste Form seines Lebens offenbar auch daran interessiert sein, in diesem Jahr die Auszeichnung als Weltfußballer zu erhalten. Die, das sagt Lionel Messi, aber Robert Lewandowski zukommen sollte. Der ist ebenfalls 33 und auch in der Form seines Lebens. Seit Jahren.

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So spannend wie das Studium einer Raufasertapete

Was gibt es sonst noch so über dieses Finale zu erzählen, das emotional nicht ganz so viele Menschen auf dem Planeten bewegt hat? Nun, Bayerns Abwehrspieler Dayot Upamecano erlebte keinen so glücklichen Abend. Beim 0:1 durch Mikel Oryazabal (64.) ließ er sich viel zu leicht abschütteln und als der Stürmer von Real Sociedad San Sebastián kurz vor dem Ende eine der beiden Möglichkeiten zum 2:2 vergab, hatte sich Upamecano zuvor verschätzt und stand nicht gut.

Die restliche Geschichte dieses Spiels ist sehr schnell erzählt. Die erste Halbzeit war wirklich bumslangweilig, so wie vielleicht sonst nur das Studium einer Raufasertapete, und hatte - außer einem nicht guten Zuspiel des herausragend freigespielten Benzema in die gefährliche Zone - nichts zu bieten. Nach der Pause wurde es besser. Nicht nur wegen der drei Tore. Die Spanier spielten nun schönen Fußball, was vor allem an dem faszinierenden Gavi lag, der gerade einmal 17 Jahre alt ist und noch darauf wartet, welcher Marktwert ihm von den Börsenhaien am Transfermarkt zugeteilt wird. Es dürfte ein üppiger sein. Er hat aber bereits jetzt bei Barcelona schon jetzt eine Ausstiegsklausel von 50 Millionen Euro in seinem bis 2023 laufenden Vertrag. Die will der katalanische Krisenklub im Rahmen einer Vertragsverlängerung auf 500 Millionen Euro hochschrauben.

Zurück zum Spiel: Auch die Franzosen hatten nun mehr gute Momente. Eröffnet wurde das Spektakel kurz nach der Pause durch einen Lattenhammer von Theo. Der heißt mit Nachnamen Hernández und ist der Bruder von Lucas. Der spielt beim FC Bayern neben Upamecano in der Innenverteidigung. Die Welt ist manchmal echt ganz schön klein. Dieser Theo, er lässt sich so rufen, bereitete übrigens auch den Siegtreffer von Mbappé vor. Sein Pass ins Abseits war nur deswegen kein Abseits, weil er noch über ein spanisches Bein geglitten war. Egal, Pass ist Pass. Und Tor ist Tor. Mbappé hat die Dinge auf seine Weise geklärt. So und damit schicken wir die Nations League in die wohl verdiente Winterpause. Am 16. Dezember ist Auslosung. Im Juni 2022 geht es weiter. Es wird fantastisch. Glauben Sie uns. (tno)