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Narkolepsie: Schweinegrippe-Impfung löste Schlafkrankheit bei Dreifachmama aus

Susanne kämpft gegen die Schlafkrankheit
Susanne kämpft gegen die Schlafkrankheit Schweinegrippe-Impfstoff löste Narkolepsie aus 02:38

Susanne kann nicht mehr arbeiten

Vor neun Jahren ließ sich Susanne gegen die Schweinegrippe impfen, heute ist sie unheilbar krank. Die Dreifachmama leidet an Narkolepsie, der tückischen Schlafkrankheit. Wegen der Dauermüdigkeit kann sie keinen Beruf mehr ausüben – von den Verantwortlichen fühlt sich die 39-Jährige alleingelassen.

Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix Auslöser für die Schlafkrankheit

Frische Luft und Medikamente: Viel mehr gibt es nicht, dass Susanne hilft. Die einst so lebenslustige Frau kämpft ständig gegen die Müdigkeit, und das jeden Tag und jede Minute. Heilbar ist Narkolepsie nicht. Susanne droht ständig einzuschlafen – auch in Situationen, die gefährlich werden können oder der Mutter von drei Kindern peinlich sind.

Dabei wurde die Impfung, die die Krankheit ausgelöst hat, sogar vom Bundesgesundheitsminister empfohlen. 2009 ließ sich Susanne vorsorglich gegen die Schweinegrippe impfen. Was man erst heute weiß: Der dabei verwendete Impfstoff Pandemrix enthält offenbar ein Protein, das die Schlafsteuerung im Gehirn bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung außer Kraft setzen kann. Bei etwa 80 Menschen in Deutschland, die mit Pandemrix geimpft wurden, ist ein Zusammenhang mit einer folgenden Narkolepsie belegt.

In Schweden bekommen Betroffene Entschädigungen in Millionenhöhe – davon kann Susanne nur träumen: Bei ihr wurde der Impfschaden zwar anerkannt, aber sie bekommt gerade einmal 350 Euro pro Monat. "Davon kann ich zweimal schick essen gehen oder mir einen Pulli kaufen, aber das macht mich nicht wieder gesund. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel", klagt sie. Ihren Job in der Altenpflege musste Susanne aufgeben – auf eine Entschuldigung des verantwortlichen Pharmaunternehmens hofft sie aber noch immer. Wie ihr Alltag mit der Schlafkrankheit aussieht, erfahren Sie im Video.

Viermal so viele Narkolepsie-Fälle

An Narkolepsie erkrankte Menschen leiden tagsüber an Schläfrigkeit und können plötzlich ihre normale Muskelspannung verlieren. Seit Einführung der Impfung mit Pandemrix hat sich die Zahl der Narkolepsie-Patienten in Deutschland vervierfacht. Besonders Kinder und junge Erwachsene sind betroffen. Die Krankheit kann auch erst Jahre nach der Impfung auftreten und ist nicht heilbar. Bei Kindern mit gesicherten Diagnosen traten die Symptome im Durchschnitt etwa 160 Tage nach der Impfung auf, bei Erwachsenen nach 194 Tagen.

Das unter dem Begriff "Schweinegrippe" bekannt gewordene Virus H1N1 löste 2009 von Mexiko ausgehend eine Pandemie aus. In Deutschland empfahlen die Behörden, sich durch Impfungen zu schützen. Während der Influenza-Welle 2009/2010 wurden in Europa fast 31 Millionen Menschen mit Pandemrix geimpft; es gab noch weitere Impfstoffe. Die Gefährlichkeit der Grippe wurde allerdings deutlich überschätzt.

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