Übertreiben es Helikoptereltern?

Mutter fährt Kind bis über den Pausenhof - und rammt dabei den Hausmeister

© iStockphoto, Constance H. Knox (Symbolbild)

17. September 2019 - 16:15 Uhr

Mit dem „Elterntaxi" bis vor den Schuleingang

Die Kinder zur Schule bringen – eigentlich ein ziemlich alltägliches Thema. Doch immer wieder gibt es Wirbel darum. Zumindest, wenn es nach den Kritikern von sogenannten Helikoptereltern geht. Diese fahren nämlich, ganz nach dem Motto "Elterntaxi", ihre Kleinen Tag für Tag zur Schule – damit die Kinder bloß nicht mit dem Bus oder dem Fahrrad fahren oder sogar zu Fuß gehen müssen. Davon kann man natürlich halten, was man will. Doch eine Mutter aus Hersbruck in Bayern hat es nun wohl doch ein wenig übertrieben – und dabei sogar jemanden verletzt.

Mutter war nicht einsichtig

Die 35-jährige Mutter eines 9-jährigen Mädchens wollte ihre Tochter anscheinend so nah an den Schuleingang fahren, wie nur möglich. Dazu fuhr sie mit dem Auto sogar über den Pausenhof, auf dem Fahrzeuge aller Art verboten sind. Laut Nordbayern.de berichtete die Polizei, dass die Mutter sogar sehr ungehalten reagiert habe, als sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen wurde – und als sie dann zurücksetzte, rammte sie den 47-jährigen Hausmeister der Schule. Der stürzte daraufhin und musste mit einer Hüftverletzung ins Krankenhaus gebracht werden.

Welche Konsquenzen der Mutter nun drohen, ist nicht bekannt.

Übertreiben es Helikoptereltern mit ihrer Fürsorge?

Sicherlich bietet eine Meldung wie diese Potenzial für Kritik. Unter sogenannten Helikoptereltern versteht man überfürsorgliche Eltern, die – wie die Rotorenblätter eines Hubschraubers – immer um ihre Kinder kreisen. Sie mischen sich in schulische und außerschulische Aktivitäten ein, organisieren Spielverabredungen mit anderen Kindern und wissen scheinbar über jedes Detail im Leben ihrer Kinder Bescheid.

Wenn es um die Kritik an der Erziehungsmethode geht, wird vor allem die Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder angezweifelt. Mit neun Jahren, so würden Kritiker bei diesem Fall sicher sagen, sollte ein Kind den Weg zur Schule – und ganz gewiss den über den Schulhof – auch alleine gehen können. Einer der Helikopter-Kritiker ist Kinderpsychiater Michael Winterhoff, der sogar ein Buch mit dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" über die psychologischen Folgen der Helikoptererziehung schrieb. Und auch der kürzlich verstorbene Familientherapeut und Erziehungs-Guru Jesper Juul findet: "Überbehütete Kinder sind vernachlässigte Kinder."

Oder sind Helikopterkinder vielleicht doch besser aufs Leben vorbereitet?

Allerdings gibt es, wie unter anderem "Stern.de" berichtet, auch Studien, die besagen, dass Kinder von Helikoptereltern erfolgreicher sind. In Leistungstests bei 15-Jährigen stellten Wissenschaftler der Yale University fest, dass Kinder von Helikoptereltern besser abschnitten. Mit anderen Daten aus den USA zeigte sich, dass intensiv betreute Kinder öfter einen Hochschulabschluss erlangten und dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Darüber hinaus sei es auch weniger wahrscheinlich, dass diese Kinder Drogen nehmen, rauchen, Alkohol trinken oder frühen ungeschützten Geschlechtsverkehr haben.

Der Schlüssel dazu sei jedoch, dass die Eltern ihre Kinder nicht bevormundeten, sondern sie davon überzeugten zu tun, was am besten für sie sei.

Schon mal was von Rasenmähereltern gehört? Mit diesem neueren Begriff bezeichnet man Eltern, die auch noch die Hindernisse im Weg ihrer Kinder "wegmähen". Mehr dazu erfahren Sie hier.