Deshalb sollte man nicht alle Hindernisse aus dem Weg mähen!

Rasenmäher-Eltern: Kindererziehung mit schweren Folgen

23. April 2020 - 14:54 Uhr

Wenn Mama und Papa alle Probleme niedermähen

Nach den Helikopter-Eltern gibt es jetzt eine neue Form überfürsorglicher Mamis und Papis: die Rasenmäher-Eltern. Der Name ist Programm, denn diese Eltern mähen im wahrsten Sinne des Wortes jedes Hindernis nieder, das ihren Kindern in die Quere kommt – und bringen sie damit um wertvolle Lebenserfahrung.

Lehrer, Erzieher und andere Experten beobachten diesen Trend schon länger und warnen vor den Folgen. Im Video erklärt Kinder- und Jugend-Psychotherapeut Mathias Schuch, welche Gefahren entstehen, wenn Eltern ständig versuchen, ihren Kindern alle Schwierigkeiten zu ersparen.

Das Problem mit Rasenmäher-Eltern

Ganz klar: Jedes Elternteil wünscht sich, dass das eigene Kind alle Ziele möglichst einfach und sicher erreicht. Rasenmäher-Eltern gehen dafür jedoch so weit, aktiv in das Leben ihrer Kinder einzugreifen. Solche Geschichten kennen auch Carola Padberg und Lena Greiner. In ihrem Buch  "Verschieben Sie die Deutscharbeit – mein Sohn hat Geburtstag!" schildern sie mit einem Augenzwinkern  Anekdoten aus dem Leben von überfürsorglichen Eltern und ihren Premium-Kids.

Beispiele gefällig? Zum Beispiel das ungeliebte Thema Hausaufgaben: Bei denen stehen die Rasenmäher-Eltern ihrem Kind von Anfang bis Ende bei. Und nicht nur das: Die Fürsorge geht so weit, dass Mama einfach mal die kompletten Mathe-Hausaufgaben selbst erledigt. Schließlich soll der Nachwuchs in der Schule glänzen. "Ein Vater rief die Lehrerin Sonntagabend an und sagte: Meine Frau versteht die Hausaufgaben unseres Sohnes nicht", erzählt Carola Padberg.

Auch in das Sozialleben der Kinder mischen sich Rasenmäher-Eltern ein. Streitet sich der Nachwuchs beispielsweise mit dem Nachbarskind um den Fußball, kommt Papa schnell angelaufen und beendet den Streit. Entweder, indem er entscheidet, wer den Ball kriegt oder indem er einfach einen zweiten Ball ins Spiels bringt. Gefahr gebannt, Kind bleibt mit Fußball - aber ohne Lernerfolg - zurück.

Experte mahnt: Kinder müssen an Herausforderungen wachsen

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Eltern sollten ihre Kinder nicht vor allen Schwierigkeiten bewahren wollen.
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Seine Kinder vor allem Schlechten bewahren zu wollen, ist ganz natürlich. Doch ihnen alle Schwierigkeiten zu ersparen, ist ungesund. Das weiß auch Kinder- und Jugend-Psychotherapeut Mathias Schuch, Er warnt vor den Folgen, die diese übertriebene Hilfsbereitschaft und Fürsorge von Eltern haben kann. Und er hat Erklärungsansätze, was Eltern dazu bewegt, ihren Kindern möglichst alle Steine aus dem Weg zu räumen, um sie so vermeintlich fit für den Erfolg zu machen. Welche das sind, das sehen Sie im Video.

Die Lösung: Zusammenhalt, Unterstützung und Geduld

Sicherlich gibt es Situationen, in denen man sich dabei ertappt, als Elternteil ebenfalls den erzieherischen Rasenmäher eingeschaltet zu haben. Das ist nicht weiter tragisch. Doch Kinder sollten lernen, dass Niederlagen ebenso wie Erfolge zum Leben dazu gehören - und man aus ihnen etwas Positives lernen kann.

Trauen Sie Ihrem Nachwuchs ruhig ein bisschen mehr zu! Und lassen Sie Ihre Kinder auch einmal Fehler machen. Und das, ohne ihnen das Gefühl zu geben, es sei eine Enttäuschung. Denn was Kinder brauchen, ist das Vertrauen ihrer Eltern und den Rückhalt, wenn das Leben sie wirklich mal zurückwirft.