Mordprozess Rot am See: Sechs Familienmitglieder erschossen

Angeklagter Adrian S. drohte seiner Mutter: "Du bist tot, deine Kinder sind tot ..."

29. Juni 2020 - 13:20 Uhr

Im Video: Adrian S. macht seiner toten Mutter schwere Vorwürfe

30 Schüsse, sechs Tote, Anklage wegen Mordes und versuchten Mordes. Seit Montagmorgen steht Adrian S. nach den tödlichen Schüssen in Rot am See (Baden-Württemberg) vor Gericht. Unter den Toten sind seine Eltern, seine Stiefgeschwister, sein Onkel und seine Tante. Zum Auftakt des Prozesses hat der Angeklagte ein leidvolles Bild seiner Kindheit gezeichnet. Zum Verhältnis zu seiner Mutter sagte er: "Sie hat mich auch damals schon misshandelt, auch wenn ich das als Kind nicht verstanden habe."

Die Mutter habe ihn wegen seines Geschlechts verspottet. "Sie hat mir immer gesagt, sie hätte sich gewünscht, ich wäre ein Mädchen geworden", beschreibt Adrian S. Er behauptet, sie habe versucht, ihn mit weiblichen Hormonen zu vergiften.

Aussage im Prozess zu sechs Toten von Rot am See

Er sei bis zum Ende der Grundschule Bettnässer gewesen und habe bis zum Alter von etwa neun oder zehn Jahren Windeln getragen, gab der 27-Jährige an. "Beim Wechseln der Windeln hat sie mich verspottet und meinen Hoden fest gedrückt", führte er weiter aus, wie RTL-Reporterin Romy Schiemann aus dem Gerichtssaal berichtet.

In seinen weiteren Angaben erklärte Adrian S., er habe seiner Mutter zuvor angekündigt, sie töten zu wollen. "Du bist tot, deine Kinder sind tot und deren Kinder sind tot", drohte er ihr demnach. Zur Behauptung, seine Mutter habe versucht ihn zu vergiften, merkte der Richter an, dass es – entgegen der Aussagen – dazu keine Unterlagen aus dem Krankenhaus gebe. "Ich hatte Überwachungskameras in meinem Zimmer aus Angst, dass meine Mutter mich vergiften will", sagte Adrian S. weiter aus. Nachts habe er einen Holzbalken vor die Tür geklemmt, aus Angst davor, dass sie ihn im Schlaf töten würde.

Angeklagter Adrian S.: "Kann ja nicht sterben, bevor ich meine Mutter umgebracht habe"

In seiner Aussage erklärte der 27-Jährige aus Rot am See auch, dass er in den Qualen, die er seiner Mutter vorwirft, nie an Selbstmord gedacht habe. "Ich dachte, ich kann ja nicht sterben bevor ich meine Mutter umgebracht habe", sagte er vor Gericht. Zuvor beschrieb er, dass er glaubte, seine Mutter habe die Todesstrafe verdient, die es aber in Deutschland ja nicht gebe.

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Unter den Nebenklägern ist auch ein 15-Jähriger, der seine Mutter verlor

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Der abgesperrte Tatort in Rot am See am 24.Januar
© dpa, Tom Weller, twr alf bwe

Mit 30 Schüssen soll der Angeklagte im Januar bei einem Familientreffen in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) seine Eltern, seine Stiefgeschwister, seinen Onkel und seine Tante getötet und zwei weitere Verwandte schwer verletzt haben. Zur Vorbereitung der Tat soll er zuvor in einen Schützenverein eingetreten sein, wie Ermittler herausfanden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und versuchten Mord vor.

Es gibt sieben Nebenkläger im Prozess. Davon sind fünf im Gerichtssaal anwesend – unter ihnen auch der 15-jährige Leon, wie unsere Reporterin berichtet. Er ist einer der beiden Söhne, die die getötete Halbschwester von Adrian S. hinterlässt. Im Prozess wird es auch darum gehen, die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu klären. Ein Nachbar hatte im RTL-Interview berichtet, Adrian S. und sein Vater hätten auf ihn "wie zwei Kumpels" gewirkt – mehr dazu im Video unten.