Junge Lehrerin auf dem Weg zum Pub getötet – nur 5 Minuten von zuhause entfernt

Mord an Sabina Nessa (28): Polizei verhaftet Verdächtigen

Sabina Nessa wurde auf dem Weg zu einem Pub getötet.
Sabina Nessa wurde auf dem Weg zu einem Pub getötet.
© APTN

27. September 2021 - 13:35 Uhr

Polizei informiert Opferfamilie über "bedeutende Entwicklung"

Festnahme in London: Im aufsehenerregenden Mordfall Sabina Nessa in London hat die britische Polizei einen Tatverdächtigen verhaftet. Der 38-Jährige sei in der Nacht zum Sonntag in Gewahrsam genommen worden. Die Familie des Opfers sei über diese "bedeutende Entwicklung" informiert worden, teilte die Polizei mit.

Mord erinnert an Fall Sarah Everard

Chief Superintendent Trevor Lawry stands by the floral tributes at Cator Park in Kidbrooke, near to the area where the body of Sabina Nessa was found, in London, Thursday, Sept. 23, 2021. British police investigating the killing of a 28-year-old woma
Blumen in der Nähe der Stelle, an der die Leiche von Sabina Nessa gefunden wurde.
© AP, Ian West

Die 28-jährige Lehrerin Sabina Nessa war am 17. September auf dem kurzen Weg von ihrer Wohnung in Südostlondon zu einem Pub verschwunden. Am nächsten Tag wurde die Leiche der 28-Jährigen in einem Park gefunden, der auf der Strecke liegt.

Der Fall erinnert an den Mord an der Londonerin Sarah Everard im März, der landesweit zu einem Aufschrei wegen der weit verbreiteten Gewalt gegen Frauen geführt hatte. Sarah Everard war auf offener Straße verschleppt worden, als sie auf dem Heimweg von einer Freundin war. Ein Polizist hat gestanden, die 33-Jährige vergewaltigt und getötet zu haben. Das Urteil gegen ihn soll in der kommenden Woche gesprochen werden.

Frauenmorde: Londoner Bürgermeisterspricht von "Epidemie"

Das Bild zeigt die vermisste Sarah Everard. Gegen 21 Uhr verließ Sarah das Haus eines Freundes. Die letzte Aufnahme von ihr stammt von einer Überwachungskamera ein paar Straßen weiter.
Der Mörder von Sarah Everard steht derzeit vor Gericht.
© Credit MET Police

Der Tod der jungen Lehrerin facht die Debatte um die Sicherheit von Frauen auf Londons Straßen wieder an. Die britische Regierung steht in der Kritik, weil sie Gewalt gegen Frauen nicht ausreichend bekämpfe. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach sogar von einer "Epidemie".

Seit geraumer Zeit protestieren Frauen in Großbritannien gegen Gewalt und fragen: Wann hört es auf, dass sie Angst haben müssen vor dem Nachhauseweg im Dunkeln, dem Spaziergang im Park, dem Gang zur Kneipe oder zum Sportstudio?

Tausende Frauen teilten online ihre Erfahrungen mit Unsicherheit, Angst, Stalkern und sexueller Belästigung. Reclaim These Streets - Holt Euch diese Straßen zurück - war eine der Organisationen, die entstanden. Doch der Fall Sabina Nessa zeige, dass sich seither nichts geändert habe, schreibt Mitgründerin Jamie Klingler nun verbittert in der Zeitung "Telegraph".

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Alle zweieinhalb Tage wird in Großbritannien eine Frau umgebracht

A sign is seen at a memorial site in Clapham Common Bandstand, following the kidnap and murder of Sarah Everard, in London, Britain March 13, 2021. REUTERS/Hannah McKay
Gedenken an die ermordete Sarah Everard in London
© REUTERS, HANNAH MCKAY, Elo/kts/zuz

Die Zahlen sind schockierend: In den nicht einmal 200 Tagen zwischen den Morden an Sarah Everard und Sabina Nessa zählte der Sender ITV in Großbritannien 77 Frauen, die mutmaßlich von Männern getötet wurden. Seit Jahresbeginn sind es nach Zählung der Gruppe Counting Dead Women 106 - das entspricht einer Toten alle zweieinhalb Tage.

Drei Viertel aller Frauen über 16 Jahren seien schon einmal in der Öffentlichkeit belästigt worden, sagt die Opferbeauftragte Vera Baird dem Sender BBC Radio 4. Sie fordert, die Polizei müsse Frauen besser schützen. Stattdessen hätten Beamte Flugblätter verteilt, wie Frauen gefährliche Situationen vermeiden könnten.

Seit Juli läuft ein Programm, mit dem die Regierung das Problem der Gewalt gegen Frauen und Mädchen angehen will. Dazu gehören ein besonderes Augenmerk auf Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr, aber auch umstrittene Ideen wie der Einsatz von Zivilbeamten in Pubs und Clubs. Grundsätzlich sei das ein guter Ansatz, sagen Aktivistinnen. Doch es reiche bei weitem nicht. (uvo; dpa)