Hunderte gedenken getöteter Frau in London

Polizeieinsatz bei Mahnwache für Sarah Everard (†33) eskaliert

Von den Warnungen der Polizei vor Verstößen gegen die Corona-Regeln wollen sich in London viele nicht abhalten lassen.
Von den Warnungen der Polizei vor Verstößen gegen die Corona-Regeln wollen sich in London viele nicht abhalten lassen.
© imago images/ZUMA Wire, Phil Lewis via www.imago-images.de, www.imago-images.de

16. März 2021 - 11:28 Uhr

Landesweiter Aufschrei gegen Gewalt an Frauen

Hunderte Menschen haben sich am Samstagabend in einem Park im Süden Londons versammelt, um der entführten und ermordeten Sarah Everard zu gedenken. Trotz Warnungen vor Verstößen gegen die Corona-Regeln blieben sie nicht zu Hause. Sie wollten ihre Stimme erheben – gegen Belästigungen und Gewalt an Frauen im Land.

Polizisten reagierten zu gewaltsam gegenüber den Frauen in London

Und ausgerechnet an dem Tag, wo es eben um Gewalt gegen Frauen geht, haben viele Polizisten zu gewaltsam reagiert, um die Corona-Regeln durchzusetzen. Auf Videos ist zu sehen, wie Polizisten mehrere Frauen brutal von dem Musikpavillon in dem Park wegzerrten. Eine Frau wurde auf den Boden gedrückt.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan bezeichnete die Szenen des Polizeieinsatzes als "inakzeptabel". Die Polizei habe zwar die Verantwortung, die Corona-Maßnahmen durchzusetzen, aber von den Bildern werde klar, dass die Reaktion der Beamten "weder angemessen noch verhältnismäßig" war, so der Labour-Politiker. Eine Scotland-Yard-Sprecherin rechtfertigte den Einsatz mit: "Die Beamten vor Ort waren mit einer sehr schwierigen Entscheidung konfrontiert". Es habe vier Festnahmen gegeben.

Tatverdächtiger im Fall Sarah Everard ist ein Polizist

Das Bild zeigt die getötete Frau Sarah Everard.
Zuletzt wurde Sarah Everard am 3. März im Dunkeln auf dem Weg nach Hause gesehen.
© Credit MET Police

Ein Polizist steht auch im Fokus der Ermittlungen in dem Mordfall Sarah Everard: Ein 48-jähriger Beamter soll die 33-jährige Frau entführt und getötet haben. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Am Freitag war der in einem Waldstück in der Grafschaft Kent gefundene leblose Körper der zuvor als vermisst gemeldeten Sarah Everard identifiziert worden.

Zuletzt hatte man die blonde Frau am 3. März in der Nähe von Clapham Common gesehen, als sie in der Dunkelheit auf dem Nachhauseweg von einer Freundin war.

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Mahnwache für Sarah Everard war offiziell abgesagt

Die Initiative "Reclaim These Streets", übersetzt: "Erobert diese Straßen zurück", hatte zu einer Mahnwache in London aufgerufen, um an Sarah Everard zu erinnern und alltägliche Belästigungen und Gewalt gegen Frauen anzuprangern. Doch wegen der Corona-Maßnahmen musste die Versammlung abgesagt werden.

Blumen werden am Musikpavillon im Stadtteil Clapham Common zum Gedenken an Sarah Everard niedergelegt.
14.03.2021, Großbritannien, London: Blumen werden am Musikpavillon im Stadtteil Clapham Common zum Gedenken an Sarah Everard niedergelegt.
© dpa, Tony Hicks, TH fgj

"Uns wurde gesagt, dass jede der Organisatorinnen eine Strafe von 10.000 Pfund (11.650 Euro) riskiert, sollten die Vorbereitungen weitergehen", hieß es in einer Mitteilung von "Reclaim These Streets" am Samstagmorgen. Daraufhin erhielten die Veranstalterinnen zahlreiche Spenden.

Die Organisatorinnen riefen dazu auf, um 21:30 Uhr (Ortszeit) auf der Türschwelle eine Kerze zu entzünden. Das war die Zeit, zu der Sarah Everard zuletzt lebend gesehen wurde.

Premierminister Boris Johnson kündigte per Twitter an, er werde gemeinsam mit seiner Verlobten Carrie Symonds eine Kerze anzünden. "Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um sicherzustellen, dass die Straßen sicher sind, und dass Frauen und Mädchen keine Belästigung oder Missbrauch erleiden müssen", so der Regierungschef.