Für Militärökonom Marcus Keupp sorgt die Ukraine für ein Gleichgewicht im Krieg

Militärökonom rechnet vor: „Der Krieg dauert noch 280 Tage und dann hat Russland keine Panzer mehr“

Russland verliert täglich wichtige Panzer Militärökonom Keupp rechnet Kriegsende vor
03:22 min
Militärökonom Keupp rechnet Kriegsende vor
Russland verliert täglich wichtige Panzer

von Vivian Bahlmann und Niklas Ullrich

Damit hatten zu Beginn des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine im Februar wohl nur die wenigsten gerechnet: Das ukrainische Militär schlägt zurück und kann im Osten des Landes bereits große Landgewinne vermelden. Woran das liegt und welche Rechnung möglicherweise aufgehen könnte, darüber spricht der Militärökonom und Dozent für Militärökonomie an der Militärakademie der ETH Zürich Marcus Matthias Keupp mit RTL-Reporterin Vivian Bahlmann.

Dabei geht der Militärexperte auch auf die Schwächen der russischen Armee ein und beschreibt die derzeitige Lage in der Ukraine. Wie diese genau aussieht, erfahren Sie im Video.

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Die Front löst sich auf

Für Marcus Keupp ist ganz klar, dass „Russland die Initiative verloren hat“ und wenn der Krieg so weitergeht wie bisher, „sie wahrscheinlich nicht wieder zurückgewinnen wird“. Die Gegenstöße der ukrainischen Armee haben laut Aussage des Militärexperten für massive Verluste an Material und ein Auflösen der Front gesorgt.

Keupp räumt auch mit den anfänglichen Annahmen hinsichtlich der militärischen Stärke Russlands auf: „Wir haben uns deutlich vertan, was die effektive Stärke der russischen Armee angeht.“ Besonders deutlich wird das bei der Führung: „Sobald es um eine professionelle, große Operationsführung geht, zeigen sich sehr stark die logistischen und operationellen Defizite dieser Armee.“

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Russland gehen die Panzer aus

Im Zuge dessen stellt der Militärökonom eine Rechnung auf, der man zwar aufgrund der unsicheren Zukunft nicht vollends vertrauen kann, aber dennoch für einen Hoffnungsschimmer sorgt: „Russland hatte vor dem Krieg ca. 2.700 einsatzfähige Panzer, davon sind 1.155 vernichtet oder von den Ukrainern angeeignet. Heute ist Tag 108 des Krieges, das ergibt eine Verlustquote von 5,5 Panzern pro Tag. Mit anderen Worten: der Krieg dauert noch 280 Tage und dann hat Russland keine Panzer mehr.“

Am meisten habe der Ukraine Artillerie und Munition geholfen, so Keupp. „Das war das Problem der Ukrainer, dass die russische Artillerie stärker war. Mittlerweile kommen wir immer mehr in die Lage, dass wir ein Gleichgewicht der Kräfte erreichen und die Ukraine sogar besser wird als die Russen. Und das hängt damit zusammen, dass sie präziser schießen können. Auf einen Trefferradius von vier Metern genau, dem haben die Russen nichts entgegenzusetzen“, führt er weiter aus und deutet an, dass der Krieg womöglich an einem Wendepunkt angekommen ist.

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