Sein Kartell ermordet Frauen und Kinder

Mexikos brutaler Drogenboss "El Mencho" ist nicht zu fassen

29. Juli 2020 - 11:03 Uhr

"El Mencho" ist die neue kriminelle Nummer eins

Nemesio Oseguera Cervantes - genannt "El Mencho" - gilt als Mexikos brutalster Drogenboss und ist der weltweit meistgesuchte Kartellchef. Mit ihm hat das Land eine neue kriminelle Nummer eins. Seine Gefolgschaft schmuggelt Unmengen an Drogen in die USA und mordet kaltblütig. Zehn Millionen Dollar sind auf das Oberhaupt ausgesetzt - doch alle Versuche, den Verbrecher zu fassen, blieben bislang erfolglos. Im Video sehen Sie, warum die Behörden im Fall "El Mencho" so machtlos scheinen.

Zehn Millionen Dollar ausgelobt

Alle Versuche, den Drogenboss zu fassen, blieben bisher erfolglos
Alle Versuche, den Drogenboss zu fassen, blieben bisher erfolglos
© Reuters

Joaquín "El Chapo" Guzmán, der berühmteste Drogenboss Mexikos, verbringt heute seine Tage in einer dreieinhalb mal zwei Meter großen Zelle. Aber das Geschäft mit den Drogen ebbt deshalb nicht ab. Ein neueres Kartell breitet sich rasant aus: das Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG), das früher mit dem Sinaloa-Kartell von "El Chapo" verbündet war und nun ein Rivale ist. Ihr Anführer: CJNG-Chef Nemesio Oseguera Cervantes, genannt "El Mencho". Für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, hat die US-Regierung zehn Millionen Dollar ausgelobt.

Seine Gruppe, die in mehr als 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten aktiv ist, hat sich durch den Gebrauch von Kriegswaffen hervorgetan. Vor fünf Jahren holten sie einen Militärhubschrauber aus der Luft - neun Menschen starben. Wenige Stunden nach dem Attentat auf ihn am 26. Juni twitterte der angeschossene Polizeichef von Mexiko-Stadt, Omar García Harfuch, von seinem Krankenhausbett aus: Es handle sich um einen Angriff des CJNG.

Erfolg basiert auf synthetischen Drogen

Das Kartell ist im Land gefürchtet
Das Kartell ist im Land gefürchtet
© Reuters

Die Behörden haben die Brisanz und Gefährlichkeit des Mexikaners, der Mitte der 1960er Jahre in Uruapan im Bundesstaat Michoacán geboren wurde, längst erkannt. Die Familie von "El Mencho" war arm, als Bauernkind musste er schon früh bei der Ernte helfen. Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, wanderte er als Jugendlicher illegal in die USA aus. Dort begann die "Drogenkarriere", für die er heute bekannt ist. Schon damals saß er mehrmals wegen Drogenhandels und anderer Delikte im Knast, wurde nach Mexiko abgeschoben.

Zurück in der Heimat arbeitete er als Gemeindepolizist, bevor er wieder die Fronten wechselte. Der Wechsel scheint im Zusammenhang mit seiner späteren Frau zu stehen, die zum Zeitpunkt des Kennenlernens selbst Teil einer Verbrecherorganisation war. Sein heutiges Drogenkartell CJNG gilt nicht nur als gefährlich und blutrünstig, sondern hat mittlerweile sogar mehr Macht als das bislang stärkste Sinaloa-Kartell.

Der Erfolg der Organisation von "El Mencho" dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sein Kartell sehr früh auf synthetische Drogen gesetzt hat und diese in die USA schmuggelte. US-Fahnder gehen davon aus, dass das Kartell monatlich tonnenweise Kokain und Methamphetamine in die Vereinigten Staaten bringt.

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Gefolgsleute ermorden und vergewaltigen Kinder und Frauen

Die kriminelle Vereinigung ist für ihre Brutalität bekannt
Die kriminelle Vereinigung ist für ihre Brutalität bekannt
© Reuters

In ihrem jährlichen Bericht zur Bedrohung durch Drogen für 2019 schrieb die US-Antidrogenbehörde DEA über kriminelle Organisationen aus Mexiko: "Keine anderen Gruppen sind derzeit in der Lage, sie herauszufordern." Der Schmuggel von Fentanyl, einem synthetischen Opioid, das 50-mal stärker ist als Heroin, ist im Moment ein besonders großes Geschäft.

Gefürchtet sind "El Menchos" Gefolgsleute aber vor allem für ihre Waffengewalt: 2011 ermordete das CJNG 35 Angehörige eines rivalisierenden Drogenkartells. Die Leichen der Folteropfer wurden auf einem Lastwagen gefunden. 2013 wurde ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet – die Täter hielten sie für eine Tochter eines Rivalen. 2015 wurden ein Mann und dessen kleiner Sohn umgebracht, indem die Täter beiden Dynamitstangen umbanden und diese zündeten. Das Kartell tötet zudem immer wieder Polizisten.

"El Chapo" hatte 2016 in einem Interview dem Geschäft mit Drogen eine lange Zukunft vorausgesagt. "Am Tag, an dem ich nicht mehr existiere, wird es nicht nachlassen." Mit "El Mencho" hat sich diese Prophezeiung nun bewahrheitet.

Lesen Sie hier, wie hoch das Strafmaß für "El Chapo" ausfiel, nachdem er gefasst worden war.