Bundeskanzlerin Merkel in ARD-Interview

"Muss man vielleicht Unterschiede machen und sagen, wer das nicht möchte, kann auch bestimmte Dinge nicht machen"

03. Februar 2021 - 11:20 Uhr

Die Corona-Pandemie belastet die Bürger stark. Hoffnung bereitet, dass die Infektionszahlen in den letzten Tagen und Wochen gesunken sind. In einem Interview mit der ARD hat Angela Merkel sich nun bei der Bevölkerung für die Disziplin bedankt. Außerdem verrät sie, wann wir mit Lockerungen rechnen könnten. Und wie sich die Situation verändern könnte, wenn alle die Chance hatten, sich für oder auch gegen eine Impfung zu entscheiden.

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Inzidenz sinkt bundesweit

Seit Wochen sinken die Infektionszahlen und auch die Situation auf den Intensivstationen entspannt sich etwas. In der ARD-Sendung "Farbe bekennen" sagte Merkel am Dienstagabend: "Das ist die Leistung der Bürger, dafür will ich danke sagen." Sie wisse, dass die Nerven aktuell bei vielen blank liegen.

Lockerungen, bevor alle geimpft sind

Angesprochen darauf, welche Perspektive sie den Menschen in Sachen Lockerungen bieten könne sagte Merkel, das Wichtigste sei, die Infektionszahlen noch weiter sinken zu lassen. Aktuell gebe es rund 50 Landkreise mit einer 7-Tages-Inzidenz unter 50." Zeitweise hatten wir so gut wie keinen solchen Kreis. In anderen aber liege die Inzidenz bei 200. Daran müsse weiter gearbeitet werden, betonte Merkel. Lockerungen werde es aber nicht erst geben, wenn alle Bürger geimpft seien. "Das ist nicht der Weg, den wir anstreben" sagte sie.

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Merkel: "...wer das nicht möchte, kann auch bestimmte Dinge nicht machen.“

Das Wort "Privilegien" für Geimpfte wies Merkel zunächst zurück, es seien keine Privilegien, sondern das "normale Leben", was irgendwann wieder komme. Sie räumte allerdings ein, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, möglicherweise nicht alles machen könnten. Wörtlich sagte sie:

"Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Angebot gemacht haben zum Impfen. Dann sagen manche Menschen, wir haben ja keine Impfpflicht, dann sagen manche Menschen, möchte ich nicht geimpft werden. Dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen, wer das nicht möchte, kann auch bestimmte Dinge nicht machen."

Merkel ist sich sicher: "Wir können das Virus besiegen"

Die Kanzlerin rief die Menschen dazu auf, mit der Einstellung an das Problem heranzugehen, man könne das Virus besiegen, indem man ihm nicht die Bedingungen gebe, um Menschen zu infizieren. Das bedeute, Abstand zu halten und wirklich vorsichtig zu sein. "Wenn wir das noch eine Weile durchhalten, dann wird es besser werden." Auch im Sommer habe es viele Lockerungen gegeben. "Je niedriger die Zahlen sind, desto mehr können wir uns leisten."

Im Video: Einordnung von Reporterin Franca Lehfeldt in Berlin.

Kanzlerin erklärt Lockdown-Strategie: "Wollen nachhaltigen Weg aus der Pandemie"

Bundeskanzlerin Merkel warnte aber zugleich vor überstürzten Lockerungen. "Öffnungen für 14 Tage, wo wir anschließend wieder in ein exponentielles Wachstum kommen und die Intensivstationen voll sind", wolle sie nicht. Stattdessen brauche es einen "nachhaltigen Weg aus der Pandemie." Deswegen werde sie Lockerungen nicht an einem Datum, sondern an Infektionswerten festmachen.

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Merkel bekräftigt Impf-Zusage

Angesprochen auf den schwierigen und langsamen Start der Impfungen sagte Merkel, sie bleibe dabei, jedem Bürger bis Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können. In Großbritannien habe der Impfstoff von AstraZeneca nur eine Notfallzulassung bekommen, die EU habe aber gründlicher geprüft. "Wir kämpfen um das Vertrauen in die Impfstoffe." Grundsätzlich sei jeder Impfstoff willkommen in der EU, er werde aber nur zugelassen, wenn er auch die Europäische Arzneimittelagentur überzeuge.

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