Meine Rechte als Arbeitnehmer

Darf ich zu Hause bleiben, wenn mein Hund krank ist?

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26. August 2019 - 17:55 Uhr

Das sollten Hunde-Eltern wissen

Die Nase läuft, man hat Fieber und fühlt sich einfach nur hundsmiserabel: Wenn man krank ist, bleibt man zu Hause und meldet sich beim Arbeitgeber ab. Doch was mache ich, wenn es meinem Hund schlecht geht? Darf ich von zu Hause arbeiten? Oder habe ich sogar wie beim kranken Kind Anspruch auf bezahlte Freistellung? Dr. Nathalie Oberthür von der Fachkanzlei für Arbeitsrecht, welche Rechte Sie als Arbeitnehmer haben, wenn der Vierbeiner krank ist und kein anderer sich um das kranke Tier kümmern kann.

Das sagt das Arbeitsrecht zum kranken Haustier

Erst vor kurzem erregte ein Fall die Gemüter: Der 18-jährigen Emma McNulty aus Glasgow wurde gekündigt, weil sie sich einen Tag Trauer-Urlaub für ihren verstorbenen Hund genommen hat.

Wie auch beim Todesfall des Tieres gibt es seitens des Arbeitnehmers keinen Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub, wenn das Tier erkrankt. Dieser ist laut BGB § 616 nur möglich, wenn es sich um persönliche Gründe handelt, zum Beispiel bei einer Hochzeit, die Pflege von Kindern oder Eltern oder der Todesfall eines nahen Angehörigen - Haustiere sind eigentlich davon ausgeschlossen, da diese nicht mit einem Familienmitglied gleichzusetzen sind.

In Notfällen dürfte dies aber gelten, wenn ein Hund akut erkrankt oder verunfallt ist und sofortige tierärztliche Behandlung erforderlich ist und der Arbeitnehmer die Versorgung durch andere Personen nicht einrichten kann. Dann gebietet der Tierschutz die Sicherstellung der erforderlichen medizinischen Versorgung. Dies gilt aber nur für kurze Zeiträume. Auch kann die Regelung im Arbeits- oder Tarifvertrag ausgeschlossen oder auf bestimmte Fälle begrenzt werden, dann gibt es keinen Anspruch auf Freistellung und man muss Urlaub nehmen oder Arbeitszeitguthaben abbauen. Gleiches gilt, wenn der Hund krank ist, ohne dass dies einen dringenden Notfall darstellt.

Ist der Hund krank, muss man sich Urlaub nehmen

Erkrankt das Tier und ist niemand verfügbar, der sich um den betreuungsbedürftigen Hund kümmern kann, muss man sich regulär einen Tag Urlaub nehmen und auf die Großzügigkeit des Arbeitgebers hoffen, der einem spontan freigibt.

Was ist, wenn ich keinen Urlaub mehr habe?

Auch hier muss man wieder auf die Kulanz des (Personal-)Chefs hoffen. Man sollte seine persönliche Notlage schildern und unbezahlte Freistellung beantragen, wenn kein Urlaubs- oder Freistellungsanspruch besteht. Da in Deutschland strenge Vorschriften zum Tierschutz gelten, wird ein Kompromiss gesucht, der sowohl die Interessen des Arbeitgebers als auch das Wohl des Tieres berücksichtigt.

Der Arbeitnehmer sollte sich auf keinen Fall selbst beurlauben. Sofern noch genügend Zeit bleibt, wäre ein Antrag auf einstweilige Verfügung am Arbeitsgericht zur Gewährung der Freistellung das Mittel der Wahl. Ist dies zeitlich nicht möglich, und der Arbeitnehmer bleibt der Arbeit eigenmächtig fern, könnte dies zu einer Abmahnung führen, es sei denn, der Arbeitnehmer befindet sich in einer unauflöslichen Zwangslage, dann wir eine Sanktion nicht berechtigt sein.

Ist Home-Office bei Krankheit des Tieres erlaubt?

Erlaubt ja, aber auch dies nur mit Zustimmung des Arbeitgebers, der allerdings bei seiner Entscheidung die Berechtigten Interessen des Arbeitnehmers mit berücksichtigen muss.

Wie sieht es aus, wenn ich ein akut zum Tierarzt muss?

Was kann ich als Arbeitnehmer machen, wenn sich der Hund zum Beispiel morgens beim Gassigehen verletzt und man dringend zum Tierarzt muss. Darf man das während der Arbeitszeit? Wichtig ist es, sofort seinen Vorgesetzten zu informieren. In der Regel werden dem Arbeitnehmer für die Zeit, die er braucht, um das kranke Tier zum Arzt zu bringen, von der Arbeit freigestellt. Allerdings besteht auch hier kein Anspruch auf Bezahlung.

Kann ich die ausgefallenen Stunden nacharbeiten?

Muss der Hund nach der Behandlung oder einer Operation zu Hause überwacht und gepflegt werden, besteht die Möglichkeit, dem Arbeitgeber anzubieten, die verlorene Arbeit nachträglich zu erledigen.