Verschärfte Teilzeitregelungen, Aufstockung der Stundenzahl pro Lehrer

Mehr Druck auf Lehrer und Lehrerinnen: Lässt sich so der Lehrermangel bekämpfen?

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An vielen Schulen im ganzen Land fehlen Lehrer und Lehrerinnen. Wie lässt sich das Problem in den Griff kriegen?
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Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Es fehlen Lehrer und Lehrerinnen im ganzen Land. Die Folge: Es fällt Unterricht aus, viele Lehrkräfte arbeiten an der Belastungsgrenze. Konzepte und Lösungen sind also dringend gefragt. Das Land NRW will zum Beispiel die Teilzeit-Regelungen deutlich einschränken, Sachsen-Anhalt verordnet seinen Lehrkräften für die nächsten fünf Jahre eine Stunde Mehrarbeit nach den Osterferien. Vielen Lehrern und Lehrerinnen schmecken diese Maßnahmen nicht. Der Lehrerverband wirbt für ein Lebensarbeitskonto.

Lese-Tipp: Umfrage: Lehrermangel größtes Problem an Schulen

8000 Stellen in NRW nicht besetzt Lehrermangel
01:49 min
Lehrermangel
8000 Stellen in NRW nicht besetzt

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NRW-Bildungsministerin: Teilzeitregelungen bleiben Einzelfall-Entscheidungen

NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller im RTL-Interview.
NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) im RTL-Interview.
RTL

NRW zieht bei der Bekämpfung des Lehrermangels viele Register. Experten beklagen aber dadurch neue Daumenschrauben für Lehrer. Außerdem warnen Schulforscher, Lehrerverbände und Schülervertreter vor einer „Deprofessionalisierung“ des Lehrerberufs beim Stopfen von Personallücken in Nordrhein-Westfalen. So halten Praktiker und Wissenschaftler die von der Landesregierung angekündigten dienstrechtlichen Verschlechterungen für Lehrer - etwa durch unerwünschte Abordnungen an andere Schulen oder eingeschränkte Teilzeitoptionen für kontraproduktiv. Das geht aus schriftlichen Stellungnahmen für eine Sachverständigen-Anhörung des Schulausschusses an diesem Dienstag im Düsseldorfer Landtag hervor.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller sagt dazu im RTL-Interview, dass bei der Teilzeitfrage unterschieden werden müsse. „Wir haben die familienpolitische Teilzeit, die aus familienpolitischen Gründen beantragt wird. Da gehen wir überhaupt nicht ran, die bleibt weiterhin bestehen. Und bei der Teilzeit, das ist ein technischer Begriff, voraussetzungslose Teilzeit. Da steht schon im Gesetz seit eh und je drin: Dienstliche Gründe dürfen nicht entgegenstehen. Und wir sagen eine Unterrichtsgefährdung oder wenn die Unterrichtsversorgung nicht sichergestellt ist, kann das ein dienstlicher Grund sein.“ Es bleibe eine Einzelfallentscheidung, die von den zuständigen Behörden getroffen werden. Einzelfalllösung könne dann zum Beispiel auch bedeuten, dass jemand, der 40 Prozent-Reduzierung beantragt nur 20 Prozent bewilligt bekomme.

Lese-Tipp: Hohe Teilzeitquote: Über 40 Prozent der Lehrer haben Stunden reduziert

„Burnouts. VIELE Burnouts"

Begeistert sind diejenigen, die es betrifft, jedenfalls nicht. In Lehrerforen wird heiß diskutiert. So schreibt ein User oder eine Userin mit dem Namen „Kodi“: „Einfach nur dumm. Die Kolleginnen und Kollegen haben gute Gründe, wieso sie Teilzeit arbeiten. Die Vorschläge dieser "Experten" führen sicher nicht dazu, unseren Beruf attraktiver zu machen“ und „innergetic“ befürchtet: „Burnouts. VIELE Burnouts. Viele Kollegen fühlen sich durch Korrekturen stark überfordert, besonders die mit zwei Korrekturfächern. Wenn die jetzt voll arbeiten müssen, wird das für einige zu viel werden. Sollte nicht so sein, ist aber so. Und dann fehlen noch mehr.“

Der Deutsche Lehrerverband sieht hingegen gute Perspektiven mit einem Lebensarbeitszeitkonto. Das sagte der Präsident des Verbandes Heinz-Peter Meidinger der „Augsburger Allgemeinen.“ Das würde es Lehrkräften, „die noch Reserven haben, ermöglichen, für mehrere Jahre ein oder zwei Stunden mehr zu unterrichten und dafür dann ein oder zwei Jahre früher in Ruhestand zu gehen“. Schulen bräuchten „attraktive Angebote“ und müssten daraufsetzen, „dass Lehrkräfte freiwillig mehr arbeiten“.

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Eine Unterrichtstunde mehr für jeden Lehrer in Sachsen-Anhalt

Ein solches Modell ordnet Sachsen-Anhalt all seinen Lehrkräften nun an: Für sie heißt es nach den Osterferien eine Stunde Mehrarbeit. Die entsprechende Verordnung hat das Landeskabinett am Dienstag beschlossen. In den kommenden fünf Jahren unterrichten sie dann eine Stunde mehr, die Zeit werde dann auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und kann ab dem Schuljahr 2033/34 abgebaut werden oder aber auch schon jetzt monatlich ausbezahlt werden, erklärte die Bildungsministerin Eva Feußner. Wer schon über 62 Jahre alt ist, sei aber ausgenommen. (eku, mit dpa)

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