Direktor der Klinik für Intensivmedizin appelliert an unsere Disziplin

Hamburger Medizin-Professor Kluge: "Müssen von einer dritten Welle ausgehen"

Prof. Dr. Stefan Kluge am 13.11. bei einer Pressekonferenz zur weiteren Entwicklung in der Corona-Pandemie im Hamburger Rathaus.
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23. November 2020 - 9:20 Uhr

Virologen und Mediziner fordern strengere Regeln

Trotz des Teil-Lockdowns seit Anfang November sinken die Corona-Infektionszahlen nicht wesentlich, sondern verharren auf einem hohen Niveau. Für die Mitarbeiter in deutschen Krankenhäusern bedeutet das weiterhin höchste Belastung. Virologen und Mediziner fordern deswegen jetzt schon härtere Maßnahmen, viele Beobachter gehen davon aus, dass die Politik sie noch vor Weihnachten beschließen wird. Wie schätzt Professor Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), die derzeitige Lage ein? Wir haben mit ihm gesprochen.

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Intensivmedizinische Versorgung am Anschlag

Seit Beginn des Monats November gelten in Deutschland wieder strengere Corona-Regeln. Um einen weiteren exponentiellen Anstieg der Infiziertenzahlen zu verhindern und damit die intensivmedizinische Versorgung in den Krankenhäusern zum Erliegen zu bringen, sind Restaurants und Kneipen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt und die Menschen sollen möglichst wenig Kontakte machen. Trotzdem sinken die Neu-Infizierten-Zahlen nicht, verharren auf einem sehr hohen Niveau. 

Kontaktbeschränkungen sind nicht ausreichend

Wie bewertet Intensivmediziner Kluge die Werte in der dritten Woche des Teil-Lockdowns, die so viele irritieren? "Ich bin auch etwas enttäuscht von den Infektionszahlen heute und in den letzten Tagen", sagt er im RTL-Interview. "Ich hätte mir mehr erhofft. Aber man sieht an den Kontaktdaten, da gibt es gute Analysen, dass dieser Lockdown light bei der Bevölkerung doch nicht zu dieser massiven Kontaktbeschränkung führt wie im Frühjahr. Und das ist ein bisschen das Problem." Kluge befürchtet, dass die Politik härtere Maßnahmen beschließen wird, wenn die Zahlen weiter so hoch bleiben. Es sei von einer weiteren Zunahme an Intensivpatienten auszugehen. In Hamburg sei die Lage aber noch nicht ganz so prekär wie in anderen Großstädten.

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Dritte Welle kommt: "Es ist entscheidend, dass wir uns über Monate disziplinieren"

Wie schaut Direktor Kluge auf das kommende Jahr? Erwartet uns nach Weihnachten eine dritte Welle? Dem Hamburger Abendblatt sagte der Mediziner: "Im Winter halten sich die Menschen angesichts der Temperaturen viel mehr drinnen auf. Ich habe die Sorge, dass dann die dritte Welle kommt – davon müssen wir eigentlich ausgehen." Der einzige Weg, dies zu verhindern sei, dass die Menschen ihre Kontakte weiter einschränken. Die Bewegungsprofile zeigten, dass dies in der zweiten Welle nicht ausreichend der Fall sei.

"Wir müssen einfach umdenken, wir müssen unsere Kontakte beschränken", bestätigt er im Interview mit RTL. "Und das fällt uns unheimlich schwer, das sehen wir immer wieder, jeden Tag, und das müssen wir die nächsten Monate durchhalten, damit wir wirklich die Schulen offenhalten können, die Kindergärten und vielleicht auch ein bisschen liberalisieren können, Stichwort Gastronomie. Aber dafür ist es wirklich entscheidend, dass wir uns jetzt disziplinieren über Monate."

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