Belgien-GP als Geduldsprobe im Dauerregen

Max Verstappen gewinnt skurrilen XXL-GP nach zwei Runden

Das Safety Car kam auf die meisten Führungsrunden
Das Safety Car kam auf die meisten Führungsrunden
© AP, Olivier Matthys, VM

29. August 2021 - 21:04 Uhr

Entscheidung nach mehr als drei Stunden

"Formel Skurril" beim Großen Preis von Belgien: Nach zwei Rennrunden im Schneckentempo hinter dem Safety Car stand der Sieger fest – trotzdem dauerte es im Dauerregen von Spa-Francorchamps mehr als dreieinhalb Stunden, bis die Entscheidung gefallen war: Red-Bull-Star Max Verstappen gewann vor Youngster George Russell und Mercedes-Mann Lewis Hamilton. Es war die Reihenfolge aus der Qualifikation, in dem Russell – ebenfalls im Regen – im unterlegenen Williams sensationell auf Platz 2 gerast war.

Geduldsprobe für Fahrer, Teams und Zuschauer

Dementsprechend wurde Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel als Fünfter gewertet, Haas-Rookie Mick Schumacher als 16. Sergio Perez schaffte es dagegen nicht, seinen 7. Rang aus der Quali ins Ziel zu bringen. Verstappens Teamkollege rutschte auf dem Weg in die Startaufstellung von der regennassen Piste und demolierte sich bei einem Einschlag die Vorderradaufhängung seines Red Bull.

Für Fahrer, Teams und Zuschauer war das Rennen in der Ardennen-Waschküche eine Geduldsprobe. Wegen Dauerregens entschied die Rennleitung, den eigentlich für 15.00 Uhr angesetzte Start zu verschieben – zunächst um 10 Minuten. Nach zwei weiteren Verschiebungen ging es zunächst mit 25 Minuten Verspätung hinter dem Safety Car los.

Zähes Warten im Dauerregen

Ein Experiment, dass die Rennleitung nach nur zwei Runden wieder beendete: "Ich kann echt nichts sehen", funkte unter anderem Hamilton aus seinem Mercedes. Mehrere Piloten berichteten auch über Aquaplaning. Das Saftey Car führte das Feld in die Boxengasse zurück. Außer Verstappen begrüßten alle Piloten die Rennunterbrechung. Der Red-Bull-Teamchef widersprach seinem Nummer-1-Fahrer: "Es war absolut die richtige Entscheidung, jetzt nicht zu fahren", sagte Christian Horner am Sky-Mikro.

Ein langes, zähes Warten begann. Laut der geltenden Drei-Stunden-Frist hätte eigentlich um 18.00 Uhr endgültig abgebrochen werden müssen. Wegen höherer Gewalt setzten die Rennkommissare die Regelung jedoch außer Kraft, offenbar sollte um jeden Preis ein GP-Sieger ermittelt werden, wie auch immer.

Schließlich setzten sie den Rennstart auf 18.17 Uhr fest – sichtlich geändert hatte sich da an den Bedingungen jedoch immer noch nichts. Trotzdem brach Jubel aus unter den 75.000 in der Dauerdusche wacker ausharrenden Fans. Lange freuen durften sie sich aber nicht. Nach zwei offiziellen Rennrunden wurden erneut Rote Flaggen geschwenkt und der GP unterbrochen.

Zwar hätte es noch Zeit für einen weiteren Neustart gegeben, doch das ersparte die Rennleitung dann doch allen Beteiligten. Die Reihenfolge bei Abbruch wurde als Ergebnis gewertet, darunter Perez als Letzter. Seine Red-Bull-Mechaniker hatten die lange Unterbrechung genutzt, um den demolierten Dienstwagen des Mexikaners wiederherzustellen, das Renne musste er aber am Ende des Feldes aufnehmen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Nur halbe WM-Punkte

Verstappen freute sich über seinen Erfolg in einem der skurrilsten Formel-1-Rennen der Geschichte nur gequält. "Es ist natürlich sehr schade, dass wir keine echten Runden fahren konnten, weil die Bedingungen so knifflig waren", sagte Verstappen. "Das ist ein Sieg, den man sich nicht wünscht, aber großes Kompliment an die Fans." Hamilton regte an, dass sie ihr Geld zurückbekommen sollten.

Die WM-Punkte nahmen aber beide gerne mit – auch wenn es nur die Hälfte der sonst üblichen Zähler gab, weil weniger als 75 Prozent der Renndistanz absolviert wurden. Doch selbst ein halber Punkt könnte am Ende die WM entscheiden. Nach nun 12 von 22 Grand Prix führt Titelverteidiger Hamilton mit 202,5 Punkten nur noch hauchdünn vor Verstappen (199,5). Bereits am kommenden Sonntag geht es in Zandvoort bei Verstappens Heimrennen in den Niederlanden weiter. Deswegen war eine Verschiebung des Rennens auf Montag auch kein Thema. (wwi/dpa/sid)