Qualifying von Horror-Crash überschattet

Belgien-GP: Max Verstappen verhindert Sensations-Pole

Max Verstappen setzte die beste Zeit im 3. Training.
Max Verstappen setzte die beste Zeit im 3. Training.
© Getty Images, Bongarts, BL / WTM

28. August 2021 - 18:51 Uhr

Motorsportspektakel auf der Ardennen-Achterbahn

Wetter-Chaos, ein Horror-Highspeedcrash, und fast ein Sensations-Polesetter - das Qualifying zum Belgien-GP bot Motorsportspektakel der Extraklasse – mit einem abgebrühten Max Verstappen als glücklichem Sieger. Unter dem Jubel tausender niederländischer Fans schnappte der Red-Bull-Star Williams-Pilot George Russell auf den letzten Metern doch noch die Pole Position beim Großen Preis von Belgien vor der Nase weg.

Russell empfiehlt sich fürs Mercedes-Cockpit

"Es ist sehr fordernd, hier im Regen zu fahren, deswegen bin ich sehr happy, dass es zur Pole Position gereicht hat", sagte Verstappen. Mindestens genauso glücklich wie der Niederländer aber war Russell – trotz verpasster Pole.

Im strömenden Regen stellte der junge Brite im unterlegenen Williams einmal mehr sein Außnahmetalent unter Beweis. Am Ende fehlten ihm knapp 3 Zehntelsekunden zur Sensation. Als Zweiter lies er jedoch Lewis Hamilton im Mercedes hinter sich – und empfahl sich als künftiger Teamkollege des Rekord-Weltmeisters.

"Gratulation an ihn, das ist fantastisch", sagte Hamilton. "Ich weiß nicht was ich sagen soll", meinte Russell: "Es war schon toll, den ersten Quali-Abschnitt zu überstehen, und jetzt stehe ich plötzlich in der ersten Startreihe." Russell, seit Jahren von Mercedes gefördert, gilt als designierter Nachfolger von Valtteri Bottas für den zweiten Schwarzpfeil in der kommenden Saison.

Vettel fährt auf Platz 5

Der Finnen war auf dem 7,004 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs mehr als zwei Sekunden langsamer als Russell, musste sich mit Platz 8 hinter AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly (+ 1,399 Sekunden) und Sergio Perez (+ 2,347) im zweiten Red Bull zufriedengeben. Auch Sebastian Vettel ließ Bottas um anderthalb Sekunden hinter sich, sicherte sich im Aston Martin Platz 5.

Der viermalige Champion macht damit beinahe dort weiter, wo er vor vier Wochen aufgehört hatte. In Ungarn fuhr er in einem wilden Rennen auf Rang zwei, wurde später wegen eines technischen Regelverstoßes aber disqualifiziert. "Das war keine einfache Session, aber der Regen hat uns geholfen, weiter vorne zu stehen", sagte Vettel bei Sky. Sein Teamkollege Lance Stroll kam nicht über Platz 15 hinaus.

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Norris: Horror-Crash in der Todeskurve Eau Rouge

Als Vierter wahrte Daniel Ricciardo die Chancen von McLaren auf eine Top-Platzierung am Sonntag im Rennen (15.00 Uhr im Live-Ticker bei RTL.de). Für das Team geriet das sportliche Abschneiden an diesem Tag jedoch zur Nebensache. Viel wichtiger war: Lando Norris, Teamkollege von Ricciardo, kam bei einem spektakulären Abflug in der berüchtigten Kurve Eau Rouge wohl mit kleineren Blessuren davon.

Ob er starten kann, konnte Teamchef Andreas Seidl kurt nach dem Qualifying allerdings noch nicht sagen. Dabei hätte auch Norris durchaus Chancen auf die Pole gehabt – in den beiden K.o.-Runden zuvor hatte er sich jeweils mit Verstappen ganz enge Duelle um die Bestzeit geliefert. Als es dann in Q3 im immer stärker werdenden Regen um Startplatz 1 ging, riskierte der junge Brite dann offenbar zu viel.

Ferrari verzockt sich im Wetter-Poker

Die Qualifikation war ein wahres Strategiespiel. Regen und trockene Phasen wechselten sich zu Beginn noch ab, auf einigen Streckenabschnitten des mehr als sieben Kilometer langen Kursen gab es phasenweise weniger Nässe als auf anderen. Es kam auf das richtige Timing und die richtigen Reifen an.

Große Verlierer des Wetter-Roulettes war unter anderem Ferrari: Sowohl Charles Leclerc und als auch Carlo Sainz schafften es nicht ins Finale der Besten 10. Leclerc schied als Elfer in Q2 aus, Sainz musste als 13. auch noch Williams-Pilot Nicholas Latifi den Vortritt lassen.

Schumacher hofft auf die Gene

Schon gleich zu Beginn wirbelte das verrückte Ardennen-Wetter die Zeitplanung durcheinander: Weil es kurz vor dem geplanten Start um 15.00 Uhr wie aus Kübeln schüttete, entschied sich die Rennleitung zu einer Verschiebung. Mit einer Viertelstunde Verspätung ging es auf nasser Piste los. Fast alle Fahrer wählten für die erste Ausfahrt Vollregen-Reifen. Bei abtrocknender Strecke wechselten alle Piloten nach und nach auf Intermediates.

Mick Schumacher nutzte die widrigen Bedingungen und ließ im unterlegenen Haas immerhin Alfa-Romeo-Pilot Kimi Räikkönen hinter sich. Zudem nah er seinen Teamkollegen Niki Mazepin eine gute Sekunde ab. Als 18. in Q1 war für Schumacher trotzdem nach der ersten K.o.-Runde Schluss, wegen einer Strafe gegen einen Konkurrenten rückt er aber auf Startplatz 17.

"Wir hatten gehofft, dass es etwas feucht wird, das hilft uns. Es macht mir Spaß im Nassen zu fahren. Hoffentlich habe ich auch ein, zwei Gene dafür mitgenommen", spielte Schumacher junior auf seinen Vater Michael Schumacher an, der zu seiner Zeit als "Regen-Gott" in der königsklasse galt.