Sie wollen in Telgte doch nur spielen …Bolzplatz im eigenen Garten sorgt für Ärger - Baugenehmigung fehlt
Einen eigenen Fußballplatz zuhause wünschen sich wohl viele Kinder. Ein Vater aus dem Münsterland ließ seinen Kindern tatsächlich einen bauen – im eigenen Garten, mit Flutlicht und Bande. Die Nachbarn ziehen allerdings die rote Karte.
Kinder lieben den Familienplatz
Titus und seine beiden Schwestern Marleen und Julia lieben es, auf dem familieneigenen Fußballplatz im Garten zu kicken. In rund drei Wochen ließ Papa Robert Salomon aus Telgte den Platz bauen. Wie viel die Anlage komplett gekostet hat, will der 42-Jährige nicht verraten. Er will aber, dass sein Nachwuchskicker-Team in Ruhe trainieren kann. „Es ist schon cool, wenn man auf seinem eigenen Grundstück einen Fußballplatz hat. Man kann mit den mit den Eltern trainieren und es wäre aber auch schade, wenn er abgebaut wird“, so Nesthäkchen Titus. „Es macht einfach Spaß. Man geht einfach raus und hat direkt den Fußballplatz im Garten”, ergänzt die Älteste Marleen.
Nachbarn beschweren sich
Vor knapp einem Jahr ließ Papa Robert den Platz bauen: 16 Meter lang, 8 Meter breit, aus Kunstrasen, zwei Tore, Netze, Banden und Flutlicht. Aber es gibt in Telgte (Kreis Warendorf) Menschen, die keine Fans des Bolzplatzes sind: „Da ist erstmal eine kleine Welt zusammengebrochen, weil es ein Lebenstraum für uns ist, wenn wir die Zeit investieren. Man fährt nicht in Urlaub, man will das einfach für sich zu Hause schön haben in den eigenen vier Wänden und, dass da jemand dann reingrätscht, da weiß man zunächst nicht so recht, wo einem der Boden noch richtig sitzt. Das ist Wahnsinn gewesen.” Von den direkten Nachbarn will nur eine Frau mit uns sprechen und die stört der private Fußballplatz um die Ecke nicht. „Eigentlich stört er nicht im Garten. Es ist schön für die Kinder”, so Christina Lange-Kühn.
Kreis nimmt Stellung
Der Kreis pfeift Familie Salomon aber jetzt zurück, denn es gibt ein Problem: Für den Platz braucht es eine Baugenehmigung, aber die gibt es nicht. Für die Beamten eindeutig ein Foul. Auf Nachfrage von RTL WEST beim Kreis Warendorf heißt es unter anderem: „Aus guten Gründen werden öffentliche Kleinspielfelder an Sportanlagen, am Rand von Wohngebieten, auf Grünflächen oder in Parks errichtet. [...] Deshalb schließt das Baurecht die Errichtung privater Kleinspielfelder in den Gärten innerhalb von Wohngebieten aus, da diese grundsätzlich dem Nutzungszweck eines Wohngebietes widersprechen.”
Experte sieht es differenzierter
Aber es ist wie so oft beim Fußball: Wenn eine rote Karte gezückt wird, kann es auch unterschiedliche Meinungen geben. „Baurechtlich scheint mir das in Ordnung zu sein. Ich glaube nicht, dass man dafür in dieser Form eine Baugenehmigung benötigt, denn das ist ja jederzeit abbaubar. Das ist nur vorübergehend installiert. Die Geräuschentwicklung ist ein Problem. Bis 19:00 ist da Spielen sicherlich erlaubt. Danach wird es kritisch”, so Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Für Robert Salomon und seinen eigenen Fußballplatz geht es erst mal in die Verlängerung. Er hat einen nachträglichen Bauantrag eingereicht. Abgepfiffen ist die Sache nämlich noch lange nicht. Die Entscheidung kann Wochen dauern.


































