12. Juli 2019 - 20:18 Uhr

Achtjährige ist eine wichtige Zeugin

Im Prozess um die Missbrauchsfälle auf einem Campingplatz in Lügde hat eine wichtige Zeugin ausgesagt: Die frühere Pflegetochter des Hauptverdächtigen Andreas V. Das Mädchen ist erst acht Jahre alt, trotzdem erschien es vor Gericht und belastete den 56-Jährigen schwer.

Andreas V. musste den Saal während der Befragung verlassen

Andreas V. mit seiner Pflegetochter
Dauercamper Andreas V. mit seiner Pflegetochter beim Ponyreiten. (Foto: RTL)

Es ist kaum vorstellbar, was das Kind durchgemacht hat. Im Frühjahr 2016 setzte der Landkreis Hameln Andreas V. als Pflegevater des Mädchens ein. Das soll auf Wunsch der Überforderten Mutter passiert sein. Das Kind lebte daraufhin etwa zwei Jahre lang mit auf dem Campingplatz. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie in der Zeit hundertfach missbraucht wurde. Das Kind war gerade einmal fünf Jahre alt, als die ersten Übergriffe passierten.

Damit das Mädchen nicht noch weiter traumatisiert wird, musste der 56-jährige Angeklagte vor der Befragung den Saal verlassen. Die Befragung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und sei "kindgerecht" verlaufen, sagte der Anwalt der Achtjährigen. Das Mädchen habe vor dem Landgericht Detmold bestätigt, dass alles, was es der Polizei während der Ermittlungen erzählt habe, richtig sei.

Zwei andere Opfer hatten nicht die Kraft, auszusagen

Die Achtjährige wird inzwischen in einer Einrichtung betreut. Sie soll auch eine Therapie beginnen, sei aber noch nicht so weit, "über die Dinge zu sprechen", sagte Cornelius Pietsch, der Anwalt des Mädchens. "Ihre Sprachlosigkeit spricht Bände."

Bis heute ist unklar, wie das Mädchen in die Obhut von Andreas V. gelangen konnte. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit Mario S. (34) jahrelang Kinder missbraucht zu haben. Mehrere der Taten wurden auch gefilmt.

Zwei weitere Mädchen, die eigentlich vor Gericht aussagen wollten, brachten die Kraft dazu doch nicht auf, wie deren Anwältin erklärte. Es falle den Kindern bis heute sehr schwer, über die Ereignisse zu sprechen. Sie schämten sich und würden von Ekelgefühlen und Alpträumen geplagt.

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