Familie trauert um Tochter und SchwesterLena (†13) stirbt wegen defekter Gastherme - Staatsanwaltschaft wirft Vermieter fahrlässige Tötung vor

von Emily Massenberg

Was für die Familie ein Neuanfang sein sollte, endete in einer Katastrophe: In einer Mietwohnung in Marl starb im August 2024 eine 13-Jährige an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Nur wenige Tage später verlor ihre Mutter auch ihr ungeborenes Kind. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Vermieter fahrlässige Tötung vor.

Warnzeichen offenbar ignoriert

Nach Angaben der Ermittler soll die Gastherme des Mehrfamilienhauses über Jahre hinweg nicht ordnungsgemäß gewartet worden sein. Vorgeschriebene Überprüfungen durch den Schornsteinfeger seien ausgeblieben. Schon 2019 hätten frühere Mieter Gasgeruch gemeldet. Auch nach dem Einzug der Familie im Sommer 2024 habe es Probleme gegeben. Die Heizung sei wiederholt ausgegangen. Die Eltern forderten eine Reparatur und minderten die Miete. Doch anstelle eines Austauschs sei die Anlage lediglich provisorisch weiterbetrieben worden – trotz Hinweisen eines Fachmanns, sie zu erneuern.

Kohlenmonoxidvergiftung beim Baden

Am Abend des 20. August 2024 wollte Lena baden. Ihre Mutter zündete dafür die Gastherme an und das Mädchen nahm ein Bad. Gegen 22:40 Uhr sah die Mutter nach ihrer Tochter – und fand sie leblos in der gefüllten Badewanne, den Kopf unter Wasser. Die Eltern zogen ihr Kind aus der Wanne und begannen sofort mit Reanimationsmaßnahmen, bis der Notarzt eintraf. Doch jede Hilfe kam zu spät.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Auch ungeborener Sohn stirbt

Die gesamte Familie war von der Kohlenmonoxidbelastung betroffen. Am 28. August 2024 erlitt Cassandra Hendelkens in der 18. Schwangerschaftswoche eine Frühgeburt. Ihr Sohn starb unmittelbar nach der Geburt in einer Klinik in Oberhausen. Mediziner vermuten einen Zusammenhang mit der Kohlenmonoxidvergiftung, an der schon Lena gestorben war.

Vermieter angeklagt – Prozess wohl erst im Sommer

Für Tobias und Cassandra Hendelkens, beide Rettungssanitäter, ist der Verlust kaum zu begreifen. Tobias Hendelkens leidet nach eigenen Angaben unter schweren Schlafstörungen. Im Mai kommenden Jahres beginnt die Familie wieder eine Therapie. Sie hofft auf Gerechtigkeit für ihre Tochter und ein Stück Normalität.