Experten fordern Aufklärung

"Loverboys" geben sich als große Liebe aus und locken Frauen in die Prostitution

05. Juli 2019 - 15:22 Uhr

Wenn Liebe zur Prostitution führt

Wer schon einmal etwas Verrücktes aus Liebe getan hat, weiß: Liebe macht blind. Die perfiden Maschen der sogenannten "Loverboys" spielen mit der Gutmütigkeit von Frauen, die glauben, in ihnen die große Liebe gefunden zu haben. Loverboys treiben sie systematisch in die Prostitution. Sie werden getäuscht, emotional abhängig gemacht und von ihrem sozialen Umfeld isoliert. Ehe sie begreifen was da gerade mit ihnen passiert, sind sie bereits tief in die Teufelsspirale verwickelt.

"Loverboy"-Masche: Mehr Aufklärung an Schulen gefordert

Die vermeintlich große Liebe machte Sandra Norak zur Prostituierten. Sechs Jahre schaffte Norak für ihn an, ehe sie sich aus den heimtückischen Fängen befreite. "Loverboys' sind Menschenhändler. Sie sind keine Freunde, sie sind keine Lebensgefährten, sondern sie sind Täter", warnt Norak. Sie wurde bundesweit für ihren Kampf gegen "Loverboys" und Prostitution bekannt.

Der nordrhein-westfälische Landtag setzte eine Expertenanhörung zu diesem Thema an. Denn Eltern, Betroffene und auch Experten fordern nun dazu auf, in Schulen stärker über die Maschen der "Loverboys" aufzuklären. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Meldungen von Opfern und Angehörigen gestiegen, heißt es in der Stellungnahme der Elterninitiative für "Loverboy"-Opfer. Junge Mädchen in Städten und Landkreisen sind dabei gleichermaßen von den Maschen betroffen.

Loverboys: Dreckiges Geschäft mit der "großen Liebe"

Die Loverboys gehen strategisch vor, um sich das Vertrauen der Mädchen und jungen Frauen zu sichern. "Loverboys sprechen von der großen Liebe, machen großzügige Geschenke, schleichen sich in den Freundeskreis ein, suchen sich ihre Opfer vor Schulen, in der Nähe von Jugendtreffs oder im Internet. Opfer sind Mädchen aus ganz normalen Familien.",  sagt der Gutachter Jürgen Antoni aus einem Flyer der Elterninitiative.

Die Täter sind laut Antoni junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren, meist ausländischer Herkunft, die gezielt nach minderjährigen Mädchen suchen. Sie geben vor, existenzbedroht und verschuldet zu sein, und erschleichen sich so ihre Hilfe. Im nächsten Schritt isolieren sie ihre Opfer von ihrem sozialen Umfeld.

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Extrem hohe Dunkelziffer der "Loverboy"-Opfer

"Loverboys" spielen jungen Frauen die große Liebe vor und treiben sie systematisch in die Prostitution.
Warnung vor der "Loverboy"-Masche. Unter der Notfallnummer 0800/ 0116-016 können Opfer und Angehörige Hilfe suchen.
© dpa, Alexander Körner, alk sab nie

Bei der "Loverboy-Methode" sei von einer "extrem hohen Dunkelziffer" auszugehen, sagt Antoni. Die Masche werde in keiner Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) gesondert aufgeführt. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) wurden 2016 und 2017 nur je zwei Fälle von Menschenhandel erfasst, 2018 waren es drei Fälle.

Das Bundeskriminalamt (BKA) geht in seiner Auswertung 2017 davon aus, dass bundesweit die "Loverboy"-Masche bei mehr als einem Viertel der Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung angewendet wurde.

Notfallnummer für Opfer und Angehörige

Sandra Norak kritisiert, dass die Opfer häufig stigmatisiert würden. Häufig kommen Anmerkungen wie "Du warst doch naiv". Damit würde dem Opfer "mehr oder weniger die Verantwortung an der an ihm begangenen Straftat zugeschoben", so Norak. Ihnen fehlt häufig das Opferbewusstsein. Sie betrachteten die Prostitution häufig als Freiwilligkeit.

Das führe dazu, dass die Mädchen ihre Ausbeuter sogar schützten. "Eine Opferaussage zu bekommen ist hier nahezu unmöglich", sagt Norak. Wenn dann noch Drohungen und Gewalt durch den "Loverboy" und seine möglichen Gehilfen ins Spiel kämen, werde es noch schwieriger, eine Aussage zu bekommen. Das fehlende Opferbewusstsein mischt sich dann mit Gefühlen wie Angst. So ging es auch Norak: "Ich wurde nach einem Hinweis, dass jemand mich zur Prostitution gebracht hat, damals selbst von der Polizei aufgesucht und habe keine Aussage gemacht."

Unter der Notfallnummer 0800/ 0116-016  können Opfer und Angehörige Hilfe suchen.