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#LinkeMeToo: Seximus-Skandal spitzt sich zu: Anzahl der Opfer weiterhin unklar

Wie will die Linke diese Krise meistern?

Seximus-Skandal spitzt sich zu: Anzahl der Opfer weiterhin unklar

Seximus-Skandal: Anzahl der Opfer weiterhin unklar Wie will die Linke diese Krise meistern?

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Sexuelle Belästigung, Übergriffe, Vergewaltigung – rund um den Sexismus-Skandal bei der Linken kommen immer mehr Details ans Licht. In einer extra anberaumten Pressekonferenz äußerten sich die hessischen Landesvorsitzenden heute zum weiteren Vorgehen der Partei und wie sie die Vorwürfe aufklären möchte. Nach dem Rücktritt der Co-Bundeschefin Susanne Hennig-Wellsow gestern , verkündete der hessische Landesverband heute, dass auch die stellvertretende Landesvorsitzende der hessischen Linke, Marjana Schott, zurückgetreten ist.

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Janine Wissler weiter unter Druck

Nach einem Artikel des „SPIEGELS“ waren die mutmaßlichen Fälle sexualisierter Gewalt in der hessischen Linkspartei öffentlich geworden. Es gebe verschiedene Dokumente mit Hinweisen auf „mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur“, schrieb das Nachrichtenmagazin nach Gesprächen mit zehn Frauen und Männern. Auch die Bundesvorsitzende und ehemalige hessische Fraktionsvorsitzende Janine Wissler geriet in Erklärungsnot. Nach Informationen des „SPIEGELS“, soll ihr ehemaliger Lebensgefährte und Mitarbeiter der Linken-Frakton, Adrian G., eine damals minderjährige Genossin sexuell unter Druck gesetzt haben.

Wissler betonte in einem Statement, dass sie eine der betroffenen Frauen zwar kenne, von ihr jedoch nicht um Hilfe gebeten wurde. Sie nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe auch sofort gehandelt. Nach dem Rücktritt von Hennig-Wellsow will Janine Wissler die Partei bis zum nächsten Parteitag allein weiterführen.

ARCHIV - 28.03.2022, Saarland, Berlin: Janine Wissler (l) und Susanne Hennig-Wellsow, die beiden Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke, äußern sich in der Bundespressekonferenz zum Ergebnis der Landtagswahl im Saarland. (zu dpa «Wissler will Linke
Wissler will Linke alleine weiterführen
bvj wst hjb, dpa, Bernd von Jutrczenka

Dass auch Janine Wissler nach den bekannt gewordenen Vorwürfe ein Rücktritt nahegelegt wurde, bekräftigt die hessische Linke nicht. „Wir werden Janine Wissler an der Stelle sehr unterstützen“, so Petra Heimer, Landesvorsitzende der hessischen Linke. Auch der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Erhardt sieht kein Verschulden von Wissler: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr das vorher bekannt war.“

Schott kritisiert Umgang mit Beschuldigten

Die stellvertretende hessische Landesvorsitzende, Marjana Schott, erklärte ebenfalls ihren Rücktritt. In einer schriftlichen Erklärung, die der VRM (Verlagsgruppe Rhein-Main) vorliegt, kritisierte sie den Umgang mit den Beschuldigten. Trotz eingestellter Verfahren würden Genossen immer noch diskriminiert werden. Damit sei für sie Grenzen überschritten worden, die sie nicht überschreiten möchte, so Schott in ihrer Erklärung gegenüber der VRM weiter.

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Linke will nun genauer hinschauen

Nach Angaben des Landesvorstands soll nun eine „Kultur des Hinschauens“ entwickelt werden. Die Vorfälle hätten die Partei schwer erschüttert, sagte Co-Landeschef Jan Schalauske. Es sei ein gravierender Missstand, dass es bisher keine Strukturen gebe, an die sich Betroffene wenden könnten. Diskutiert werde nun auch, ob antisexistische Schulungen verpflichtend für Funktionäre werden sollten.

Die Partei habe sich zusätzlich an externe Beratungsstellen gewandt, die empfohlen haben, Gesprächsangebote für die Betroffenen auszusprechen. Bis auf einen Fall soll dieses Angebot jedoch abgelehnt worden sein. Außerdem wurde ein Verhaltenskodex beschlossen und bei der nächsten Sitzung sollen Vertrauenspersonen gewählt werden. „Wir wollen in Zukunft verhindern, dass solche Dinge überhaupt möglich sind, wissen aber nicht, ob wir es verhindern können“, so Petra Heimer.

Externes Expertenpool soll Aufklärung übernehmen

Die bisherigen Anschuldigungen will die hessische Linke unabhängig untersuchen lassen. Ein externes Expertenpool soll die Vorwürfe untersuchen und die Aufklärung unterstützen, so der Landesvorsitzende Jan Schalauske. In der Pressekonferenz sprach der Landesvorstand von bisher drei Beschuldigten. Ein Fraktionsmitarbeiter soll sofort nach der Berichterstattung des „Spiegels“ beurlaubt worden sein. Außerdem soll ein Wahlkreismitarbeiter einer Abgeordneten ebenfalls beurlaubt worden sein. Ein weiterer Beschuldigter sei noch aktiv in seiner Tätigkeit. Alle drei bestreiten die Vorwürfen. Wie hoch die Zahl der Opfer ist, ist derzeit nicht bekannt. „Es war ein Fehler, dass wir keine entsprechenden Strukturen aufgebaut haben. Das war ein Fehler, für den wir uns nur entschuldigen können“, so Schalauske weiter. Auch Petra Heimer bestätigte, dass die Notwendigkeit für ein Konzept gegen Seximus nicht gesehen wurde: „Das fällt uns jetzt auf die Füße.“ (dpa/dgö)