Essen bestellen bei Rewe, Lieferando & Co

Lieferservices in der Pandemie: Wie viel Trinkgeld soll's denn sein?

Das Essen oder Lebensmittellieferung via Lieberservice kündigt sich per App an – die Maske liegt bereit, alle warten gespannt und hungrig aufs Klingeln an der Haustür. Aber liegt das Trinkgeld schon bereit?
Das Essen oder Lebensmittellieferung via Lieberservice kündigt sich per App an – die Maske liegt bereit, alle warten gespannt und hungrig aufs Klingeln an der Haustür. Aber liegt das Trinkgeld schon bereit?
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14. Mai 2021 - 14:11 Uhr

Trinkgeld geben ist angesagt

Lieferservices boomen in der Pandemie, das ist kein Geheimnis. Ob nun Lebensmittel-Lieferungen oder frisch zubereitetes Essen aus dem Restaurant um die Ecke: In der Corona-Pandemie lassen wir uns alle viel mehr nachhause bringen als vor der Pandemie. Gerade die Fahrer von Lieferando, Gorilla, Rewe & Co sind am Limit - und außerdem, wie alle wissen, nicht gerade top bezahlt. Trinkgeld geben ist da angesagt. Aber wie viel soll es denn sein?

Wer auf Nummer sicher gehen will, zahlt mit (desinfiziertem) Bargeld

Das Essen oder Lebensmittellieferung via Lieberservice kündigt sich per App an – die Maske liegt bereit, alle warten gespannt und hungrig aufs Klingeln an der Haustür. Aber liegt das Trinkgeld schon bereit? Und: Wie viel geben wir denn mal? Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft sagt gegenüber der BZ Berlin: "Für Essen-LieferantInnen sind in der Regel zwei oder drei Euro Trinkgeld pro Lieferung angemessen. Das Trinkgeld sollte immer in bar überreicht werden, auch wenn Sie bei der Übergabe mit (EC-)Karte zahlen."

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Das gilt sicher auch für Zahlungen über Online-Dienste wie Paypal und Co – auch wenn einige Anbieter mittlerweile auch eine separate Trinkgeld-Bezahlmöglichkeit geschaffen haben, um die Fahrer zu schützen. Aber nur so können Sie wirklich sicher sein, dass das Geld dort ankommt, wo es hin soll. Ein paar Münzen kann man vor Abgabe auch schnell mit Spray oder Ähnlichem desinfizieren, während man das Gleiche mit seinen Händen tut. Das gilt vor allem dann, wenn der Fahrer direkt vom Restaurant gestellt wird, wie die Aufregung um die Lieferando-Trinkgelder im vergangenen Sommer gezeigt hat.

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Extra Trinkgeld als Etagen-Aufschlag?

Aber was genau ist Trinkgeld eigentlich? Rechtlich betrachtet ist Trinkgeld ist "ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt." So regelt es jedenfalls die Gewerbeordnung in Paragraf 107. Es wird in der Regel als Ausdruck der Zufriedenheit mit der Leistung angesehen. Zur Höhe vom Trinkgeld existiert übrigens kein Gesetz. Als Kunde liegt es daher an Ihnen zu bestimmen, wie hoch der Betrag sein soll. Gesellschaftlich anerkannt ist allerdings seit langem folgende Regel: Sie zahlen 5 bis 10 Prozent Trinkgeld als Aufschlag auf den Rechnungsbetrag. Wenn die Gesamtsumme hoch ist, kann anteilig eine Summe am unteren Rand gezahlt werden. Ob Sie übrigens bei dem Trinkgeld einen Etagen-Aufschlag zahlen wollen, bleibt ganz Ihnen überlassen.

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Lieferando-Fahrer: "Seien Sie stets ein wenig großzügig zu uns!"

Fest steht: Der Empfänger kann einen Obolus in der Regel gut gebrauchen. "Viele, die im Dienstleistungsbereich angestellt sind, bekommen gerade einmal den Mindestlohn oder sie sind geringfügig beschäftigt", erklärt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, der Deutschen Presse-Agentur. Das bestätigt auch ein Lieferando-Fahrer der FAZ Ende April anonym: "Das Trinkgeld macht aus einem grauenvollen Arbeitsalltag einen erträglichen Arbeitsalltag", berichtet er dort in einer Kolumne. "Und wir sind auf dieses Trinkgeld angewiesen. Leider verstehen das nur die wenigsten. Kaum jemand kann sich vorstellen, was für ein brutaler Job das ist und wie wenig uns am Ende des Monats bleibt." Daher sein Rat an alle Kunden: "Seien Sie stets ein wenig großzügig zu uns, egal wer vor Ihnen steht. Wer 50 Euro für Sushi ausgeben kann, hat auch noch ein bisschen Bargeld für den Kurier übrig."

Wirbel um Lieferando-Trinkgelder im Sommer 2020

Im Sommer des vergangenen Jahres gab es wegen der Online-Trinkgeld-Zahlung bei Lieferando großen Wirbel. Fahrer hatten Kunden per Handzettel darüber informiert, dass sie von dem online gezahlten Geld nichts sehen würden. Eine Politikerin von Die Linke war damals darauf aufmerksam geworden und hatte dem Thema in den sozialen Medien zu mehr Aufmerksamkeit verholfen.

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Der Lieferservice wies die Vorwürfe damals zurück. "Wir leiten das Trinkgeld zu 100 Prozent ohne jegliche Abzüge direkt an unsere Fahrer weiter", sagt Lieferando-Manager Jörg Gerbig damals. Die Fahrer würden in der entsprechenden App unmittelbar darüber informiert. Bei Restaurants mit eigenen Fahrern werde das Geld an das Restaurant weitergeleitet, das dazu angehalten sei, es an die Fahrer weiterzugeben – oder je nach interner Regelung unter den Mitarbeitern aufzuteilen. "Wie das Trinkgeld verteilt wird, obliegt dem jeweiligen Restaurant. Wir sagen: Es muss weitergegeben werden und wir gehen auch davon aus, dass das passiert."

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GUT ZU WISSEN: Andere Berufe in Deutschland, bei denen ein Trinkgeld üblich ist

Aber nicht nur Kellner freuen sich über ein Trinkgeld. Friseure, die oft sehr schlecht bezahlt werden, sind schon fast darauf angewiesen, ein paar Euro extra zu verdienen. Viele Kunden runden den Betrag auf, oder geben, wie im Restaurant knapp 5 Prozent. Auch bei einem sehr bemühten Taxifahrer (10 Prozent) und gutem Service im Hotel, egal ob dem Zimmerservice (1-2 Euro), Reinigungskraft (kleiner Geldschein) oder Rezeptionist (je nach Engagement) ist es üblich, Trinkgeld zu geben.

Wie viel Trinkgeld im Ausland üblich ist – und in welchen Ländern in der Regel kein Trinkgeld gegeben wird, können Sie hier nachlesen!