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Leanne erfährt erst mit 28, dass sie zwei Vaginen hat - fünf Frauenärzte übersahen es

Dabei wollte sie nur die Spirale

Arztbesuch mit Schock-Diagnose: Leanne (37) hat zwei Vaginen

Leanne Bell hat zwei Gebärmütter.
Leanne Bell bemerkt erst - dank ihrer Frauenärztin - dass sie zwei Vaginen hat.
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Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrer Gynäkologin, um sich die Spirale einsetzen zu lassen. Plötzlich reagiert Ihre Ärztin komisch und sagt Ihnen, dass Sie einen seltenen Geburtsfehler haben – und damit schon seit Jahren leben. Genau das ist der heute 37-jährigen Leanne Bell aus Arizona (USA) passiert. Denn: Sie lebt unwissend mit zwei Gebärmüttern – und hatte keinen blassen Schimmer.

Uterus didelphys: Leanne Bells Vagina ist doppelt angelegt

Mit 28 Jahren, als sie sich 2013 von ihrer Frauenärztin die Spirale einsetzen lassen will, rechnet Leanne Bell noch nicht damit, dass die Medizinerin ihr kurze Zeit später eine solche Diagnose mitteilt. „Als meine Ärztin kam und versuchte, die Spirale einzusetzen, reagierte sie sehr komisch. Sie sagte: 'Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll, aber ich glaube, Sie haben noch eine andere Vagina.’“ Ein Ultraschall bestätigt die Vermutung. Die Spirale kann sich die heute 37-Jährige an diesem für sie geschichtsträchtigen Tag, nicht einsetzen lassen, wie die US-Amerikanerin gegenüber dem „Mirror“ erzählt.

Leannes besondere Anatomie wird Uterus didelphys genannt. Davon spricht man, wenn etwa Gebärmutter, Zervix und Vagina doppelt angelegt sind. Es gibt jedoch unterschiedliche Varianten. Die 37-Jährige aus Arizona hat ein Vaginalseptum – eine Trennwand aus Gewebe – die ihre Vagina und ihre Gebärmutter in zwei Hälften teilt. Sie sagt, dass kein Arzt sie jemals auf ihren einzigartigen Zustand aufmerksam gemacht habe: „Ich war vorher schon bei fünf anderen Ärzten. Ich glaube, die anderen Ärzte haben es übersehen, denn wenn man einmal eine Vagina gefunden hat, sucht man normalerweise nicht mehr nach einer anderen. Ich mache den Ärzten also nicht allzu viele Vorwürfe.“

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Leanne ist sich sicher: Die Anomalie macht sie zu etwas ganz Besonderem - trotz starker Perioden

Leanne Bell aus Arizona (USA) hat zwei Gebärmütter.
Wie fühlt sich das an, mit zwei Vaginen inklusive zwei Gebärmüttern zu leben?
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Sie selbst sehe bisher keinen Grund, die doppelte Vagina entfernen zu lassen. Sie fühle sich zudem sehr besonders: „Jeder möchte etwas Besonderes an sich haben. Im Idealfall hätte es etwas anderes als meine Vagina sein können. Aber ich fühle mich schon sehr individuell."

Nach der Diagnose wird Leanne Bell zudem so einiges klar: Seitdem sie ein Teenie ist, leidet sie unter starken Regelblutungen und Periodenschmerzen. Schon damals bemerkt sie, dass etwas „komisch“ scheint – doch sie hinterfragt das Ganze nicht weiter: „Das erste Mal, dass ich merkte, dass etwas anders war, war, als ich meine Periode bekam. Ich bemerkte, dass ich einen Tampon einführte und er gegen eine Wand stieß. Manchmal wiederum ging er seitwärts hinein. Das ergab für mich gar keinen Sinn.“ Jetzt, nachdem sie weiß, dass sie zwei Gebärmütter hat und somit bei beiden Gebärmüttern die Regelblutung stoppen sollte, habe sie gelernt, besser zu „zielen“, wie sie erklärt: „Merkwürdigerweise habe ich gerade gelernt, dass zwei Tampons für mich sehr gut funktionieren. Ich kann jetzt bequem auf jeder Seite einen einführen.“

Ihr Zyklus – oder besser gesagt ihre Zyklen – sind nicht immer miteinander im Einklang. Manchmal bekommt Leanne zwei Mal im Monat ihre Periode, „aber normalerweise zur gleichen Zeit, so dass ich zwei Tampons tragen muss. Ich würde sagen, dass sie etwa drei Monate im Jahr zu einem anderen Zeitpunkt auftreten. Und das ist das Schlimmste, das ist dann unerträglich schmerzhaft, und ich muss zwei bis drei Tage im Bett verbringen.“

Trotz allem habe die 37-Jährige ihre besonderen Umstände akzeptiert, da sie „ein Teil“ von ihr sind. Das Model, das auf TikTok als @TheLadyLeanne über ihre Krankheit informiert, muss sich im Netz oft rechtfertigen und Anfeindungen anhören. Aber „sowohl Männer als auch Frauen scheinen von dieser seltenen Anomalie fasziniert zu sein“. (vdü)