Lüften trotzdem wichtig

Laut Studie: Luftreiniger senken Ansteckungsgefahr im Klassenzimmer deutlich

Luftreiniger im Klassenzimmer wirken!
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08. Oktober 2020 - 19:52 Uhr

Brrrr, ganz schön kalt hier!

In geschlossenen Räumen gilt in Corona-Zeiten: Immer schön lüften! Wenn es allerdings langsam kälter und kälter wird, wird das natürlich immer unangenehmer – vor allem für die Kinder in den Schulklassen. Eine Studie der Frankfurter Goethe-Uni zeigt nun jedoch, dass auch Luftreiniger Aerosole in Klassenzimmern größtenteils beseitigen und die Gefahr für Schüler und Lehrer, sich mit Covid-19 anzustecken, deutlich senken können. Aufs Lüften verzichten sollten wir trotzdem nicht.

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Gefroren werden muss trotzdem!

Die Temperaturen sinken unter 15 Grad, jetzt beginnt regelmäßiges Lüften in Klassenzimmern eine Herausforderung zu werden. Es ist nötig, um Aerosole zu entfernen, die als ein Hauptübertragungsweg des Coronavirus gelten. Gekippte Fenster reichen dafür nicht aus, Experten gehen davon aus, dass sie für einen gründlichen Luftaustausch mindestens alle 20 bis 30 Minuten für einige Zeit weit geöffnet werden müssen.

Als Alternative gelten Raumluftreiniger mit Hepa-Filtern. Eine neue Vorab-Studie der Frankfurter Goethe-Universität zeigt, dass die Geräte in 30 Minuten 90 Prozent der Aerosole aus Klassenzimmern entfernen können. Das senkt die Ansteckungsgefahr deutlich, frieren müssen Schüler und Lehrer aber aus einem anderen Grund trotzdem.

Luftreiniger im Stiftung-Warentest-Check: Diese Geräte sind empfehlenswert

Gute Ergebnisse im Klassenzimmer-Test

Für die Studie, die auf Medrxiv.org als Preprint veröffentlicht wurde, hat das Forschungsteam um Joachim Curtius eine Woche lang vier Luftreiniger vom Typ Philips AC2887/10* in einer Schulklasse mit 27 Schülern getestet. Die eingesetzten Geräte verfügen über einen einfachen Vorfilter für groben Staub und Flusen sowie über einen Hepa- und einen Aktivkohlefilter. Die Luftreiniger setzten zusammen zwischen 760 und 1460 Kubikmeter Luft pro Stunde um. Neben der Aerosol-Belastung bestimmten die Wissenschaftler die Feinstaubmenge sowie die CO2-Konzentration und untersuchten die Lärmbelastung durch das Gerät.

Selbst mit Superspreader im Raum ist die Ansteckungsgefahr reduziert

"Auf Basis unserer Messdaten haben wir eine Modellrechnung angestellt, anhand der sich abschätzen lässt: Ein Luftreiniger reduziert die Menge an Aerosolen so stark, dass in einem geschlossenen Raum auch die Ansteckungsgefahr durch eine hochinfektiöse Person - einen Superspreader - sehr deutlich reduziert würde", sagt Curtius. Lärmmessungen und eine Umfrage unter den Schülern und Lehrern hätten ergeben, dass die Geräusche der Geräte überwiegend nicht als störend empfunden wurden, solange sie nicht auf der höchsten Stufe liefen. "Deshalb empfehlen wir den Schulen in diesem Winter den Einsatz von Hepa-Luftreinigern mit einem ausreichend hohen Luftdurchsatz."

Die Kosten für Schulen wären allerdings recht hoch: Ein Philips AC2887/10* ist online für rund 300 Euro zu bekommen. Insgesamt wären also knapp 1.200 Euro pro Klassenzimmer fällig. Außerdem muss laut Hersteller der rund 45 Euro teure Nano-Filter des Geräts mindestens alle zwei Jahre und der Aktivkohle-Filter (30 Euro) alle zwölf Monate ausgetauscht werden.

Für die Konzentration muss trotzdem gelüftet werden

Und trotz der Raumluftreiniger bleibt regelmäßiges Lüften notwendig. Denn die Geräte senken zwar auch die Allergen- und Feinstaubbelastung, sie ändern aber nichts an der Kohlendioxid-Konzentration in den Unterrichtsräumen. Und ein erhöhter CO2-Wert schränkt unter anderem die Konzentrationsfähigkeit der Schüler stark ein. "Unsere Messungen in den Klassenzimmern haben gezeigt, dass die Werte häufig über den empfohlenen Grenzwerten lagen. Hier empfehlen wir die Installation von CO2-Sensoren, damit Schüler und Lehrer dies kontrollieren können", sagt Curtius.

Das Problem kennt auch Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin. Der Aerosol-Experte leitete unter anderem eine Studie über die Ausbreitung von Sars-CoV-2 in der Raumluft. Er hat festgestellt, dass im Unterricht bereits nach 15 Minuten "sämtliche Luftqualitäts-Grenzwerte" gefallen sind. Im NDR-Corona-Podcast sagte er, man könne Tausende Schulen auch nicht so schnell mit Lüftungsanlagen nachrüsten. Deswegen müsse man mit der Fenster-Lüftung leben, sagt er, "mit den Einschränkungen, die das eben mit sich bringt".

Beste Lösung ist zusätzliches CO2-Messgerät

In der jüngsten Sendung von "ZDF nano" sagte Kriegel, beim Einsatz von Raumluftreinigern bestehe außerdem die Gefahr, dass gar nicht mehr gelüftet wird. "Wir brauchen Sauerstoff, wir brauchen diese niedrige CO2-Konzentration, um letztendlich keine gesundheitlichen Schäden zu nehmen und auch leistungsfähig zu sein." Um das richtige Lüftungs-Intervall zu finden, empfiehlt auch Kriegel CO2-Messgeräte.

Für eine langfristige Lösung hält Kriegel Lüften allerdings nicht. Er ärgert sich schon länger darüber, dass bei Neu- oder Umbauten von Schulen nicht grundsätzlich Lüftungsanlagen installiert werden, die Raum- gegen Frischluft austauschen. "Als nachhaltige Lösung ist das sicher am besten", sagt er.

Quelle: RTL.de/ntv.de

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