Auswirkungen von Corona

Längere Arbeitszeiten, mehr Burnouts: Wie verändert die Pandemie unsere Arbeit?

Viele fühlen sich durch die zusätzliche Belastung im Home Office gestresst und sind einem Burnout nahe.
© picture alliance, ROBIN UTRECHT

14. Januar 2021 - 17:17 Uhr

Corona stellt alles auf den Kopf

Die Pandemie verändert unsere Arbeitswelt, wie kein anderes Ereignis zuvor. Arbeiten von zu Hause und alles digital- was vor gut einem Jahr noch völlig utopisch daher kam, ist nun für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Realität. Dass das nicht nur positive Veränderungen nach sich zieht, zeigt jetzt eine neue Studie.

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Spürbare Veränderung der Arbeitsweise

Als im März des letzten Jahres die Corona-Pandemie auch bei uns in Deutschland so richtig ins Rollen kam und der erste Lockdown verhängt worden ist, mussten Arbeitnehmer von heute auf morgen ihre Arbeitsweise umstellen. Der morgendliche Weg zur Arbeit fiel aus, stattdessen wurde Home Office zu einem der Trends, die das Infektionsgeschehen reduzieren sollte. Kein Büro und die Kollegen sieht man nur noch digital- Gut ein Pandemie-Jahr später haben sich viele an das Arbeiten von zu Hause mit all seinen Nachteilen, aber auch seinen Vorteilen gewöhnt.

Doch tatsächlich birgt die neue Art des Arbeitens auch viele gesundheitliche Gefahren. Das zeigt eine neue Studie, die die veränderte Arbeitswelt untersucht hat. Dabei nahmen rund 13.000 Wissensarbeiter, also Menschen die keiner körperlichen Arbeit nachgehen, an der Untersuchung teil. Die Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer kamen dabei aus Australien, Neuseeland, Deutschland, Frankreich, Japan, Singapur, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten und wurden nach ihrem Verhalten bei und ihren Einstellungen zur Arbeit befragt.

Längere Arbeitszeiten und zu viele Konferenzen

Viele Videokonferenzen seien unnötig und rauben zu viel Zeit, sagen Studienteilnehmende.
Die Begeisterung über Videokonferenzen hält sich bei den meisten in Grenzen.
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In seinem Bericht zur "Anatomie der Arbeit", stellt das Software-Unternehmen "Asana" fest, dass das ortsunabhängige Arbeiten zu deutlichen Veränderungen der Arbeitsweise geführt hat. Demnach arbeiteten die Menschen im vergangenen Jahr deutlich mehr. 90 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten im Home Office länger als gewöhnlich. 2019 lag die Zahl noch bei 82 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Deutsche Arbeitnehmende verbringen 58 % ihrer Zeit mit Arbeit rund um die Arbeit. Das bedeutet, dass sie in dieser Zeit nicht ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgehen, sondern zum Beispiel in Meetings und Konferenzen sind oder sich im Home Office mit technischen Schwierigkeiten auseinandersetzen. Das raubt ihnen Zeit, die sie eigentlich für ihre fachliche Tätigkeit aufwenden könnten. Laut der Studie verbrachten deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich 157 Stunden in überflüssigen Video-Konferenzen und Meetings. Arbeit rund um die Arbeit ist also ein echter Zeitfresser und hält oftmals von der eigentlichen Tätigkeit ab. Gerade einmal 29 Prozent ihrer Arbeitszeit verbrachten deutsche Arbeitnehmende mit fachlichen Tätigkeiten.

Burnout-Risiko so hoch wie nie

Für viele Menschen bedeutet das Arbeiten im Home Office zusätzlichen Stress. Ärger mit der Technik, zu betreuende Kinder oder eine ausufernde Flut an Nachrichten, E-Mails und virtuellen Gesprächen. Durch das Arbeiten im Home Office sind viele neue Faktoren hinzugekommen, die psychische Belastung durch Arbeit deutlich erhöhen. Im letzten Jahr gaben 60 % der Befragten deutschen Arbeitnehmer an, dass sie sich in den vergangenen 12 Monaten nahe einem Burnout fühlten, heißt es in der Studie. Bedeutet: Durch das Home Office und die zusätzliche Corona-Belastung steigt das Risiko eines Burnouts an. 2019 waren es vier Prozent weniger.

Unter dieser Belastung leiden auch Führungskräfte. Denn auch die arbeiten coronabedingt häufig im Home Office. Dass durch die zusätzliche Arbeitsbelastung die Wertschätzung für Kollegen und Mitarbeiter etwas hinten runter fällt, beklagen 77 Prozent der Arbeitenehmerinnen und Arbeitnehmer. Gerade einmal 13 Prozent fühlen sich von ihrem Unternehmen gehört und wertgeschätzt. Dabei gehört die Wertschätzung zu einer der wichtigsten Dinge einer Führungskraft. Denn nur so arbeiten Mitarbeiter gerne und fühlen sich motiviert. Positiver Nebeneffekt: Eine wertschätzende Arbeitsweise wirkt sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus.

Wird 2021 alles besser?

Corona hat uns 2020 alle auf eine harte Probe gestellt. Und auch in diesem Jahr wird uns das Virus noch vieles abverlangen, auch wenn die Impfungen hier Hoffnungen machen. Trotzdem blicken über die Hälfte der Befragten optimistisch in das neue Jahr. Und damit sind deutsche Arbeitnehmende deutlich zuversichtlicher als der Durchschnitt der weltweit durchgeführten Untersuchung. Und gute Vorsätze gibt es auch: So haben sich die Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer vorgenommen, in diesem Jahr ihre IT-Kompetenzen weiter auszubilden und ihre Kommunikation sowie ihr Selbstbewusstsein auszubauen. Außerdem wollen sie trotz Corona ihre Karriere voran bringen und sich besser organisieren. Denn schlechte Organisation sorgte 2020 dafür, dass Arbeitnehmende in Deutschland eine von fünf Fristen pro Woche verpasst haben.

Alles zum Thema Burnout

Das Burnout-Syndrom ist eine psychische Reaktion auf langfristig andauernden Stress. Betroffene leiden unter Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit. Alles was sie sonst noch zum Thema Burnout wissen müssen, haben wir hier zusammengefasst.