Idylle mit tödlicher Gefahr?

Am Ende des Kroatien-Urlaubs kommt der Corona-Test

Straße am Meer im kroatischen Ražanac - nah der vom RKI als Risikogebiet bezeichneten Region Šibenik-Knin
Straße am Meer im kroatischen Ražanac - nah der vom RKI als Risikogebiet bezeichneten Region Šibenik-Knin
© Paula Blain

26. August 2020 - 15:46 Uhr

Von Sadia Marie Ouro-Gbele

Am 20. August erklärte das Robert Koch-Institut die Regionen Šibenik-Knin und Split-Dalmatien zu Risikogebieten in Kroatien. Gerade einmal eineinhalb Stunden nördlich von Šibenik-Knin in Ražanac habe ich davon nicht viel gemerkt: Es hat 35 Grad, die Menschen laufen über die heißen Steine ins Meer, Strandverkäufer bieten ihre Waren an – von der Pandemie ist hier kaum etwas zu spüren.

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Urlaub in Kroatien: Idylle ohne Spuren der Corona-Pandemie

​Im Supermarkteingang stehen volle Flaschen mit Desinfektionmittel, an denen alle vorbei gehen. Auch die Maskenpflicht wirkt hier nicht so präsent wie in Deutschland. Während im Supermarkt die Maske zumindest noch über dem Mund getragen wird, hat der Obstverkäufer am Straßenrand nicht einmal ein Mittel zur Handdesinfektion dabei.

Der Besitzer der Ferienwohnung gibt gewohnheitsgemäß freundlich die Hand und bringt gelegentlich Limetten und Tomaten aus dem eigenen Garten vorbei. Lieb gemeint, aber wirklich geschützt fühlt man sich nicht.

Muss ich mich also nun testen lassen?

Jeder Mensch, der nach Deutschland einreist, kann sich innerhalb von 72 Stunden kostenlos testen lassen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums müssen sich nur Einreisende testen lassen, die in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet waren. In unserer Reisegruppe herrscht trotzdem Einigkeit darüber: Wir wollen uns testen lassen, denn so ganz wohl ist uns dabei nicht, einfach zurück zum Alltag zu kehren.

Die Reise beginnt gegen 22:00 Uhr abends, da die Angst vor einem stundenlangen Stau – wie wir berichteten – doch sehr präsent ist. Überraschenderweise gibt es hier aber absolut keine Probleme. Zügig lassen wir erst Kroatien, dann Slowenien und schließlich auch Österreich hinter uns.

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Der Corona-Test nach Reiserückkehr aus Kroatien

Es ist gegen fünf Uhr morgens, als unsere Reisegruppe die Teststation A3 bei Passau erreicht. Trotz der frühen Uhrzeit sind einige Menschen vor Ort, die sich testen lassen möchten. Vor allem Familien mit Kindern.

Zu Beginn begrüßt ein junger Mann mit Maske die Gruppe. Jeder Haushalt muss ein Kontaktdatenformular ausfüllen, das Fotografieren ist ausdrücklich verboten. Abgefragt werden unter anderem der Reiseort, die Heimatadresse und der Ort, an dem man die potentielle Quarantäne verbringen muss, sollte das Ergebnis positiv sein.

Obwohl alle Masken tragen müssen, wird kaum darauf geachtet, ob sich die Menschen die Hände desinfizieren oder Abstand halten. Stattdessen wird an den Tischen darauf gedrängt, endlich den Stift benutzen zu dürfen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, den Bogen per QR-Code zu scannen und online auszufüllen.

Corona-Teststation: Vor dem "Stäbchen rein" viel Warten

Als nächstes checkt ein Mitarbeiter den eigenen Bogen und weist jedem ein Testzelt zu. Wieder heißt es: warten. In einem weißen Zelt sitzen insgesamt vier Mitarbeiter hinter hohen durchsichtigen Scheiben. Händisch übertragen sie den ausgefüllten Bogen in eine virtuelle Form. Hier kommen die ersten echten Hindernisse zu tragen, denn viele der Einreisenden an diesem Morgen sprechen kaum oder nur gebrochen deutsch. Die Mitarbeiter müssen oft schlecht lesbare Orte recherchieren oder einander um Hilfe bitten, was erneut zu Wartezeiten führt.

Nachdem man selbst seine Daten bestätigt hat, kommt es zu dem Moment, den man vielfach aus dem Internet kennt. Die bekannte Stäbchenprobe. Die ist dann eigentlich gar nicht so spektakulär. Einzeln tritt man in ein großes Zelt. Eine Person in einem weißen Ganzkörperanzug, der an einen Maleroverall erinnert, und einem durchsichtigen Mund-Nase-Schutz schiebt jeder Person lange Stäbchen in den Rachen.

"Bitte sagen Sie einmal 'Ahh'", sagt er. Vorsichtig zieht er das Stäbchen wieder hinaus, steckt es zurück in sein Plastikröhrchen und versiegelt dieses. Anschließend geht es zügig raus aus dem Zelt und zurück zum Auto.

14 Tage Quarantäne? Warten auf das Test-Ergebnis

Diejenigen von uns, die sich mit dem QR-Code registriert haben, warten schon lange auf uns, denn bei ihnen lief der ganze Prozess deutlich schneller ab. Innerhalb von 48 Stunden sollen wir alle unsere Ergebnisse bekommen. Bei einem positiven Ergebnis erwartet uns eine 14-tägige Quarantäne.

Anders als in Kroatien, erwärmt sich die abgekühlte Nachtluft zu Hause nicht auf heiße 30 Grad am Morgen. Es scheint, als wäre nicht nur der Urlaub außerhalb Deutschlands, sondern auch der Urlaub von der Corona-Pandemie endgültig vorbei.

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