RTL-Reporterin begleitet sie in einem Brandenburger See

Krassester Moment im Job: Was es mit Polizeitauchern macht, wenn sie eine Leiche finden

18. Juni 2021 - 19:01 Uhr

In der Tiefe wartet die Ungewissheit

In 60 Prozent der Einsätze sind Polizeitaucher auf der Suche nach Leichen, in bis zu 50 Metern Tiefe. Für diesen Job brauchen Polizisten starke Nerven. Unter der Wasseroberfläche schlummert nämlich die Ungewissheit, die Sicht ist schlecht. "Es ist totale Dunkelheit, es ist schlammig, es riecht nicht gut und da kann man sich dann schon in gewisse Sachen reinsteigern", erklärt Uwe Czerny, Ausbilder bei den Polizeitauchern. RTL-Reporterin Franca Pörsch hat die Polizeitaucher am Plessower See in Brandenburg begleitet. Was ein Leichenfund mit den Profis macht und wie sich die Taucher unter Wasser zurechtfinden, sehen Sie im Video.

Und plötzlich halten sie eine Leiche in der Hand

Wenn die Polizeitaucher in Brandenburg zum Einsatz gerufen werden, ist meistens schon alles zu spät. Rund 40 solcher Einsätze haben sie im Jahr. Sie suchen nach Toten oder Beweisgegenständen für die Ermittlung von Straftaten, beispielsweise nach Waffen. Ein abwechslungsreicher, aber auch belastender Beruf. Uwe Czerny bereitet seine jungen Kollegen auch auf den einen Moment vor: den Leichenfund. "Jemand muss in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, auch unter Wasser. Das geht bis dahin, dass man einen Heidenschreck kriegt, weil man auf einen Fisch gefasst hat. Es kann auch sein, dass man das psychisch nicht verkraften kann, wenn man mit einer Leiche konfrontiert wird dort unten", weiß der Polizeitaucher. Unter Wasser sieht nämlich alles anders aus, sie suchen vor allem am Grund. Aufgewühlte Erde behindert da oft die Sicht zusätzlich, alles ist stockduster. Meistens werden Ausbildungen aus genau dem Grund abgebrochen: Die Dunkelheit jagt auch den Polizisten manchmal Angst ein.

Trainiert wird oft. Einschätzen können sie den einen Moment vorher aber nicht. Meist passiert er in den ersten zwei bis drei Berufsjahren. Was in der Tiefe auf sie zukommt, ist trotzdem – im wahrsten Sinne des Wortes – unvorhersehbar. "Ab dem Moment, wo man die Leiche dann tatsächlich in der Hand hält, setzt die Professionalität ein. Und bis dahin mussten auch schon Kollegen abbrechen, weil sie von ihren Ängsten übermannt wurden und damit nicht klar gekommen sind", erzählt Czerny. Eine Leiche unter Wasser sei deshalb nicht vergleichbar mit einer Leiche im normalen Polizeidienst.

Polizeitaucher: "Wenn Gewitter ist, kommen die meisten Leichen hoch"

Vor allem im Sommer tauchen einige Leichen auch wieder an der Wasseroberfläche auf. "Kurioserweise ist es immer wenn Gewitter ist, dann kommen die meisten Leichen hoch", berichtet Uwe Czerny von den Polizeitauchern Brandenburg. Wenn Menschen ertrinken, sinken sie meist auf den Grund. "Da beginnen dann die ganzen Gase, die sich noch im Körper befinden, die Fäulnis einzuleiten. Im Magendarmtrakt geht es meistens los und dann bilden sich die Fäulnisgrade. Die sind dann meistens so hoch, dass die Leiche wieder aufschwemmt, an der Oberfläche, bis die Gase den Körper wieder verlassen können. Das kann einen Tag dauern, das kann aber auch mal drei Tage dauern", erklärt er weiter. Für die Polizisten Alltag und Belastung zugleich. In der Ausbildung zum Polizeitaucher müssen sie auch damit lernen, umzugehen.
(nba)

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