Klinische Studien aus den USA machen Hoffnung

Kommt bald der Universal-Impfstoff gegen alle Corona-Varianten?

Impfung gegen Corona
Den besten Schutz vor einer Corona-Infektion bietet nach wie vor die Impfung.
car bsc vco, dpa, Jörg Carstensen

Mit jeder neuen Corona-Variante verlieren Antikörper-Medikamente und Impfstoffe an Wirksamkeit. Doch nun haben US-Forscher mehrere Antikörper entdeckt, die universell wirken. Könnte also bald der lang ersehnte Super-Impfstoff kommen, der gegen alle Virus-Varianten hilft? Dr. Christoph Specht schätzt ein.

Mutationen sorgen dafür, dass Virus sich verändert und Impfstoffe weniger gut schützen

Bislang scheint uns das Corona-Virus immer einen Schritt voraus: Aufgrund von Mutationen verändert sich das Virus permanent, immer neue Varianten verdrängen die vorherigen. Die Folge: Die Impfstoffe schützen weniger gut und müssen ständig angepasst werden.

Impfstoffhersteller wie Biontech oder Moderna schaffen es kaum, mit dem Tempo Schritt zu halten. und ihre Impfstoffe an die jeweils dominierenden Corona-Varianten anzupassen. Die Zulassung der jeweiligen Impfstoffe nimmt dann auch noch einmal wertvolle Zeit in Anspruch. Im schlimmsten Fall führt das dann dazu, dass der Impfstoff gegen eine Variante erst dann auf dem Markt ist, wenn bereits die nächste Virus-Variante vorherrscht.

Damit könnte jedoch bald Schluss sein: Die Entdeckung mehrerer universell wirkender Antikörper durch Forscher in den USA weckt Hoffnung auf einen Impfstoff, der vor sämtlichen Virus-Varianten schützt. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler nun im Fachmagazin „Science Immunology“ veröffentlicht.

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Antikörper SP1-77 wirkt gegen sämtliche Corona-Varianten

Forscher der Harvard Medical School (HMS) und des Boston Children's Hospital haben einen Antikörper entdeckt, die gegen alle bislang bekannten Corona-Varianten wirkt: SP1-77 haben die Wissenschaftler in Laborversuchen mit Mäusen entdeckt.

SP1-77 kann nachweislich Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta- sowie alle früheren und aktuellen Omikron-Stämme neutralisieren. Dies dadurch, dass er an eine Region des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 bindet, die bislang frei von Mutationen ist. Auf diese Weise blockiert der Antikörper die Virus-Wirt-Membranfusion. Das heißt, dass das Coronavirus zwar an menschliche Zellen binden, aber nicht in diese eindringen kann. Auf diese Weise wird eine Covid-19-Infektion verhindert.

Somit setzt der neue Antikörper an einem Punkt an, der bisher von keinem therapeutischen oder durch Impfung erzeugten Antikörper genutzt wurde, wie die Wissenschaftler erklären. Mediziner Dr. Christoph Specht gibt auf Nachfrage jedoch zu bedenken: „Wenn wir das Virus mit einer Antikörper-Therapie an der Stelle angreifen, könnte es dazu veranlasst werden, sich weiter zu verändern und es möglicherweise auch an der bislang konstanten Region des Spike-Proteins zu Mutationen kommt.“ In diesem Fall wäre auch ein universeller Antikörper oder Impfstoff unwirksam beziehungsweise müsste den neuen Varianten angepasst werden.

Theoretisch sei der Ansatz aber gut. „Hat man den Antikörper, kann man das Gegenstück – das sogenannte Antigen - basteln“, erklärt Dr. Christoph Specht. Das funktioniere mit Hilfe der mRNA-Technologie. „Der Bauplan dieses Antigens könnte dem Menschen gespritzt werden, damit er selbst die entsprechenden universellen Antikörper produziert“, fasst der Mediziner zusammen. Dies habe beim Rhesus-Affen funktioniert, doch ob es beim Menschen funktioniere, müsse sich erst noch zeigen. Daher geht der Mediziner davon aus, dass es bis zum Einsatz universeller Antikörper noch Jahre dauern werde.

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Antikörper könnte zu neuen Impfstoffstrategien beitragen

Die Forscher der HMS geben sich gleichzeitig ptimistisch. „Wir hoffen, dass sich dieser Antikörper bei Patienten als so wirksam erweisen wird, wie er es in vorklinischen Untersuchungen war“, so Frederick W. Alt, Studienautor und Professor für Genetik an der HMS sowie Professor für Pädiatrie an der Boston Children's. Sollte dem so sein, „könnte es ein neues Therapeutikum liefern und auch zu neuen Impfstoffstrategien beitragen“, fasst Alt zusammen.

Auch Wissenschaftler des „Scripps Research Institute“ der Universität San Diego hatten bereits im Jul 2022 einen Antikörper entdeckt, der allem Anschein nach gegen alle Varianten des Corona-Virus wirkt. Der sogenannte „Pan-Sars-Virus“-Antikörper setzt ebenfalls am Spike-Protein des Coronavirus’ an. Da sich dieses Protein an bestimmten Stellen von Variante zu Variante unterscheidet, setzt auch der neu identifizierte Antikörper an einer unveränderten Stelle dieses Proteins an. Das erklärt, warum der Antikörper gegen alle Virus-Varianten wirkt und diese neutralisiert.

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Ergebnisse könnten ein Universal-Antikörperpräparat ermöglichen

Die gesammelten Daten könnten „Aufschluss darüber geben, wie Impfstoffe der nächsten Generation entwickelt werden können“, so die Wissenschaftler. Aber nicht nur bei der Entwicklung neuer Impfstoffe könnten die gefundenen Antikörper helfen.

Auch die Entwicklung von Antikörper-Medikamenten, die vor sämtlichen Corona-Varianten schützen, könnte die Entdeckung entscheidend voran bringen. (nri)

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