Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Dresden

Können Cholesterinsenker Brustkrebs bekämpfen?

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11. Oktober 2019 - 16:56 Uhr

Neues Mittel gegen Brustkrebs?

Weltweit ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen – und auch die tödlichste! Dies geht aus einer Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) hervor, die im Magazin "CA: A Cancer Journal for Clinicians 2018" veröffentlicht wurde. Inzwischen haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene zwar enorm gebessert, doch nicht immer können die Patientinnen geheilt werden. Daher ist die Forschung ständig bemüht, neue Therapiewege zu entwickeln. Einem solchen sind derzeit Wissenschaftler des Universitätsklinikums Dresden auf der Spur: Sie prüfen, ob Cholesterinsenker im Kampf gegen Brustkrebs helfen können.

Wirkstoff kann möglicherweise Krebszellen abtöten

Im Speziellen geht es um die Gruppe der sogenannten Statine, wie die Deutsche Krebshilfe in einer Pressemitteilung informiert. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der eigentlich zur Senkung des Cholesterinspiegels verabreicht wird. Die Statine "hemmen einen wichtigen Stoffwechselweg, der unter anderem der Bildung von Cholesterin dient. Dadurch produziert der Körper weniger von dem fettähnlichen Stoff", heißt es darin.

Da schon länger bekannt sei, dass derselbe Stoffwechselweg auch das Entstehen und Fortschreiten von Tumoren fördern könne, soll nun nachgeforscht werden, ob die cholesterinsenkenden Statine nicht auch Tumorzellen abtöten könnten. Für die Forschung daran erhielt das Team aus Dresden nun eine Förderung der Deutschen Krebshilfe in Höhe von 188.000 Euro.

Bislang noch nicht auf Patienten übertragbar

Laborversuche zeigten, dass die Statine tatsächlich ziemlich effektiv Tumorzellen abtöten. In den ersten klinischen Studien seien diese Erkenntnisse jedoch nicht auf Patienten übertragbar gewesen. Herauszufinden, woran dies liegt, ist ebenfalls Teil der Forschungsgruppe um PD Dr. Tilman Rachner und Dr. Andy Göbel. "Ein zentrales Problem in der Übertragung der Befunde auf den Menschen liegt darin, dass die notwendigen Konzentrationen von Statinen im Tumorgewebe nicht erreicht werden können. Warum das so ist, wollen wir jetzt klären", so Dr. Rachner.

Außerdem hätten die Statine nicht auf alle Arten von Brustkrebszellen diesen Effekt. Daher gelte es nun, zu erforschen, welche Zellen mit den Cholesterinsenkern behandelt werden könnten.

Es ist noch „ein weiter Weg“

Zu frühe Hoffnung sollten sich Betroffene jedoch nicht machen. "Bis neue Forschungsergebnisse vom Labor ans Krankenbett gelangen, ist es oft ein weiter Weg", gibt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, zu bedenken. "Dafür braucht es nicht nur einen langen Atem, Forschergeist und Innovationskraft, sondern auch einen gesicherten finanziellen Rückhalt." Letzterer ist mit dem Förderungsgeld nun zumindest erst einmal gesichert.

Brustkrebs: Vorsorge beeinflusst Heilungschancen erheblich

Zu den Risikofaktoren einer Brustkrebserkrankung gehören neben genetischer Veranlagung oder einer Hormonersatztherapie auch mehr oder weniger beeinflussbare Dinge wie Bewegungsmangel, Übergewicht, häufiger Alkoholkonsum, Rauchen sowie der Verzehr von viel tierischem Fett. Letzteres könnte ein weiterer Hinweis dafür sein, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Cholesterinspiegel und einer Krebserkrankung geben könnte – denn tierische Fette zählen neben Milchprodukten, süßem Gebäck und Fertiggerichten zu den Lebensmitteln, die den Cholesterinspiegel erhöhen. Es wird oftmals angemerkt, dass eine ketogene Ernährung (bei der die Zufuhr einfacher Kohlenhydrate gesenkt und die Zufuhr gesunder Fette erhöht wird) Krankheiten wie Krebs und sogar Alzheimer vorbeugen könne. Eine ärztliche Behandlung ersetzt im Falle einer Erkrankung jedoch natürlich keine Diät der Welt.

Die wichtigste Waffe im Kampf gegen Brustkrebs ist jedoch die Früherkennung. Denn wenn der Krebs bereits im Anfangsstadium behandelt wird, sind die Heilungschancen höher. Daher sollten Frauen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt gehen und sich genau erklären lassen, wie sie auch zu Hause ihre Brust abtasten können, um Veränderungen früh zu bemerken. Wie Sie dabei und durch andere Anzeichen Brustkrebs erkennen können, sehen Sie im Video.