Mitarbeiterin tauschte Biontech mit Kochsalzlösung aus

Es könnten mehr als 8000 Menschen in Friesland betroffen sein

Die 40-Jährige hat nicht selbst geimpft, sondern hat im Labor Spritzen für die Impfung aufgezogen. (Symbolbild)
Die 40-Jährige hat nicht selbst geimpft, sondern hat im Labor Spritzen für die Impfung aufgezogen. (Symbolbild)
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10. August 2021 - 18:01 Uhr

8557 Menschen werden kontaktiert

Sie wollte eine zerbrochene Impf-Ampulle nicht melden und füllte mindestens sechs Spritzen mit Kochsalzlösung anstatt Biontech auf – so hieß es im April. Doch jetzt decken polizeiliche Ermittlungen auf, dass weit mehr Menschen betroffen sein könnten. 8557 Personen werden ab sofort vom Landkreis Friesland kontaktiert, denn sie alle könnten anstatt dem Impfstoff nur eine Kochsalzlösung erhalten haben.

Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt

Impfzentrum Roffhausen: Landkreis bittet alle Personen, die im Zeitraum vom 5.3.2021 bis einschließlich 20.4.2021 eine Impfung im Impfzentrum erhalten haben, sich zu melden
Impfzentrum Roffhausen: Landkreis bittet alle Personen, die im Zeitraum vom 5.3.2021 bis einschließlich 20.4.2021 eine Impfung im Impfzentrum erhalten haben, sich zu melden.
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Zwar hat die Kochsalzlösung keine gesundheitlichen Auswirkungen, dennoch könnten Tausende Menschen, die zwischen März und April im Impfzentrum Roffhausen waren, noch ungeimpft sein – und das unwissentlich! Es gehe in 1116 Fällen um zwei Impfungen und bei 7441 Menschen um eine Impfung, heißt es in der Pressekonferenz in Jever. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt jetzt gegen die examinierte Krankenschwester wegen "gefährlicher Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft". Mittelbar, weil die 40-Jährige die Spritzen zwar aufgezogen, aber nicht gespritzt hat.

40-Jährige könnte Coronaleugnerin sein

In der Pressekonferenz am Dienstag wird auch thematisiert, dass sich die 40-Jährige unter einem Facebook Post und auch in einer WhatsApp-Gruppe coronakritisch geäußert habe. "Nun stehen wir plötzlich da und stellen fest, dass es Menschen gibt, die so eine Notsituation ausnutzen, um dann vielleicht ihre eigenen, etwas kruden Ideen oder wie man es nennen möchte, zu verwirklichen und das trifft mich unheimlich." sagt Heide Bastrop, erste Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Jeverland.

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Alle werden erneut geimpft

Die ehemalige DRK-Mitarbeiterin schweigt und macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Mögliche fehlende Impfungen sollen so schnell wie möglich nachgeholt werden, so der Landkreis Friesland. "Das sind 8,7 % des Gesamtlandkreises Frieslands, die betroffen sein könnten, das ist schon eine Dimension, die ich mir nicht vorstellen konnte. Nach intensiver Beratung mit dem Gesundheitsministerium und dem Landesgesundheitsamt, dem RKI und der ständigen Impfkommision haben wir uns entschlossen entsprechend eine dritte oder auch eine dritte und vierte Impfung anzubieten und auch zu empfehlen, weil das Landesgesundheitsamt gesagt hat, dass das medizinisch unbedenklich ist." sagt Landrat Sven Ambrosy im RTL Nord-Interview. Alle 8557 Menschen werden deshalb jetzt vom Landkreis Friesland per Brief angeschrieben. (kum)