Kita-Chaos

Laut Studie werden in zehn Jahren 230.000 Erzieherinnen fehlen

Der Fachkräftemangel breitet sich aus - auch in Kitas macht er sich zunehmend bemerkbar.
Der Fachkräftemangel breitet sich aus - auch in Kitas macht er sich zunehmend bemerkbar.
© imago images/Westend61, Mareen Fischinger, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

24. August 2021 - 17:11 Uhr

Fachkräftemangel im Kindergarten breitet sich aus

Wer jetzt schon dachte, einen geeigneten Kitaplatz für das eigene Kind zu finden sei schwierig, der kann sich glücklich schätzen, nicht erst in zehn Jahren suchen zu müssen. Forscher der Bertelsmann-Stiftung haben im Rahmen einer neu veröffentlichten Studie nämlich eine düstere Zukunftsprognose erstellt. Demnach werde es im Jahre 2030 in Deutschland insgesamt 230.000 Erzieherinnen und Erzieher zu wenig geben, um eine "kindgerechte Betreuung" zu garantieren. Die Suche nach einem Kita-Platz könnte sich dann zum wahren Kraftakt entwickeln.

Ausbildungslücke ließe sich bis 2030 nicht schließen

Diese Lücke lasse sich weder durch einen Ausbau der Ausbildungskapazitäten noch durch berufliche Quereinsteiger auffangen, heißt es in dem erstmals erhobenen "Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule", der zusammen mit dem "Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme" veröffentlicht wurde. Schuld an den prekären Verhältnissen sei zum einen der Fachkräftemangel, zum anderen aber auch die steigende Nachfrage seitens der Eltern nach einer zuverlässigen Betreuung.

ARCHIV - Eine Erzieherin geht am 22.06.2016 im St. Michaels Kindergarten in Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) mit zwei Kindern über den Flur der Einrichtung. In den Kitas in Mecklenburg-Vorpommern ist das Personal knapp.  (zu dpa «Kritik an
Die Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt auch, dass sich in der Vergangenheit bereits einiges getan hat.
© dpa, Jan-Philipp Strobel, jps sab lof csa fpt

Auch gute Nachrichten: Ost-West-Gefälle könnte ein Ende haben

Die Prognosen zeigten aber auch, dass es bei zusätzlichen Anstrengungen durchaus realistisch sei, das Ost-West-Gefälle noch in diesem Jahrzehnt aufzulösen: Noch immer gibt es im Westen zu wenig Plätze, während im Osten eine Fachkraft deutlich zu viele Kinder betreut. Eine flächendeckende kindgerechte Qualität sei jedoch auch mit einer Angleichung der Bedingungen in den Ländern nicht erreicht, betonten die Autorinnen. Es brauche daher mehr Ausbildungskapazitäten. Auch Arbeitsbedingungen müssten besser werden, bei sinkenden Geburtenraten müsse vor allem im Osten das Personal gehalten werden, so die Expertinnen.

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Studie zeigt: Kita-Personal ist bereits enorm gewachsen

Die aktuellsten Daten der Bertelsmann-Stiftung zeigen für das vergangene Jahrzehnt bereits einen "enormen quantitativen sowie qualitativen Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems". So arbeiteten 2020 mehr als 635.000 Fachkräfte in den Einrichtungen - ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011. Der Personalzuwachs liegt am massiven Kitaplatzausbau: Fast 61 Prozent der Kinder bis sechs Jahren besuchen inzwischen eine Kita oder andere vorschulische Einrichtungen - ein Anstieg von 22 Prozent seit 2011.

Die größten Sprünge gab es im Westen bei den unter Dreijährigen: 2020 hatten 31 Prozent der Krippenkinder einen Betreuungsplatz, 2011 waren es noch knapp 20 Prozent. Zum Vergleich: Im Osten hatte zuletzt mehr als jedes zweite unter dreijährige Kind (53 Prozent) einen Krippenplatz (2011: 47 Prozent). (kmü/dpa)