Ex-Fußballprofi legt Geständnis ab

Kinderpornografie-Prozess: So wirkt Christoph Metzelder vor Gericht

29. April 2021 - 13:52 Uhr

Prozessauftakt im Amtsgericht Düsseldorf

Er war Vize-Weltmeister und im Gespräch für das Amt des DFB-Präsidenten, jetzt sitzt Christoph Metzelder auf der Anklagebank. Es geht um Besitz und Weitergabe von Kinderpornografie, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft löste Entsetzen im Saal des Düsseldorfer Amtsgerichts aus. Von Fotos und Videos die Rede, in denen kleine Kinder und Teenager sexuell missbraucht werden. Welchen Eindruck macht der Angeklagte?

Alle Fakten zum Prozess gegen Christoph Metzelder lesen Sie hier.

Nervös und angespannt schaut Metzelder die Staatsanwältin an

Der angeklagte Christoph Metzelder, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, sitzt in einem Saal des Amtsgerichts vor seinen Rechtsbeiständen, Julia Donnepp und Ulrich Sommer. Die Ermittler werfen dem 40-Jä
Metzelder im Amtsgericht Düsseldorf.
© dpa, Federico Gambarini, fdt

Metzelder betritt den Saal in einem grauen Jackett und schwarzer FFP2-Maske. Drei Verteidiger begleiten den ehemaligen Fußballprofi. Als der Prozess pünktlich um 9.30 Uhr beginnt, sitzt der 40-Jährige zwischen seinen Anwälten. Sie wirken wie eine Abwehrmauer um ihren Mandanten, der die Verlesung der Anklage mit gefalteten Händen verfolgt. Metzelder wirkt nervös und angespannt, die Augen hat er auf die Staatsanwältin gerichtet. Ab und zu macht er sich Notizen.

Der Mann, der selbst Vater einer Tochter ist, soll per WhatsApp unter anderem Fotos von Kindern verschickt haben, die knapp oder gar nicht bekleidet sind. Metzelder, der für sein soziales Engagement gegen Kinderprostitution das Bundesverdienst erhielt, schwieg anderthalb Jahre zu den Vorwürfen. Jetzt spricht er.

Auf seine ehrenamtliche Arbeit ist der Angeklagte stolz

Geboren in Haltern als dritter von vier Söhnen, 2000 das Abitur, danach die steile Fußball-Karriere mit Stationen bei Borussia Dortmund, Real Madrid und Schalke. Danach gründet er eine Sportmarketing-Agentur, ist als TV-Experte aktiv und organisiert sich für soziale Organisationen. Die Christoph Metzelder Stiftung wird nach den Vorwürfen ohne seinen Namen weitergeführt. "Ich bin aber trotzdem stolz auf meine ehrenamtliche Arbeit", sagte der Angeklagte. "Der Tag der Razzia und die Berichterstattung war eine Zäsur in meinem Leben, ich lebe seitdem zurückgezogen, habe keine Aufträge mehr, kann nicht arbeiten."

Alle ehramtlichen Engagements seien beendet. Alle Auszeichnungen für sein soziales Engagement und seine ehrenamtliche Arbeit - wie den Landesverdienstorden NRW und das Bundesverdienstkreuz - werde er aus Respekt vor den jetzigen und künftigen Preisträgern zurückgeben.

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Metzelder legt Geständnis ab

Christoph Metzelder und sein Anwalt Ulrich Sommer im Gericht.
Christoph Metzelder und sein Anwalt Ulrich Sommer begrüßen sich im Gericht.
© AP, Wolfgang Rattay, elo/pac

Richterin Astrid Stammerjohann unterbricht den Prozess nach rund 30 Minuten für ein Rechtsgespräch mit den Beteiligten. In einem Hinweis hatte sie angedeutet, dass für Metzelder eine Bewährungsstrafe in Betracht komme. Der Angeklagte räumt schließlich die Weiterleitung von 18 kinder- und jugendpornografischen Dateien ein. Den Besitz von nahezu 300 Dateien wie angeklagt, gesteht er nicht. "Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meines Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen", sagte Metzelder vor Gericht. Er habe die Dateien verschickt, "obwohl ich weiß, welches unsägliche Leid gegenüber Kindern hinter jeder Datei steckt. Trotz meines Engagements für Kinder. Ich hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird. Damit werde ich für den Rest meines Lebens leben müssen."

Nach RTL-Informationen haben sich Metzelder und die Staatsanwaltschaft auf Bewährungsstrafe verständigt. Es ist von acht bis 12 Monaten die Rede. Ein Urteil ist noch nicht gefallen.

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