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Kinderhändler überführt: Chinesische Polizei befreit Hunderte Babys

Kinderhändler überführt: Chinesische Polizei befreit Hunderte Babys

Webseiten als Adoptions- und Pflegekinder-Portale getarnt

Sie machten ein grausames Geschäft mit denen, die absolut wehrlos sind: Die chinesische Polizei hat vier Kinderhändlerringe zerschlagen und 382 Babys befreit. 1.094 Verdächtige seien bei mehreren Razzien festgenommen worden, teilte das Ministerium für Öffentliche Sicherheit in Peking mit.

China Babys befreit Kinderhandel
Auch im Jahre 2012 hatte die chinesische Polizei einen Menschenhändlerring zerschlagen und 77 Kinder gerettet.
dpa, Str

Bei koordinierten Aktionen in 27 Provinzen sollen die Verdächtigen bereits am 19. Februar überführt worden sein. Sie werden beschuldigt, mit Babys gehandelt und dafür illegale Internetbörsen errichtet zu haben. Die Webseiten hätten sie als Adoptions- und Pflegekinder-Portale getarnt. Den Razzien waren laut CNN sechs Monate lange Ermittlungen vorausgegangen. Zuvor hatte die Polizei in Peking und der ostchinesischen Provinz Jiangsu Hinweise zu einer Internetseite erhalten, die mit privaten Adoptionen warb.

Menschenhandel ist in China trotz verschärften Vorgehens der Polizei noch immer weit verbreitet. Die Schleuserbanden hätten ihre Aktivitäten zunehmend ins Netz verlagert, was die Ermittlungen der Polizei erschwere, so die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Insbesondere der Handel mit Jungen floriert in China.

Grausame Folgen der Ein-Kind-Politik

Die strenge Kontrolle des Bevölkerungswachstums in China durch die Ein-Kind-Politik hat dazu geführt, dass sich viele Ehepaare einen Sohn als Stammhalter wünschen und deshalb weibliche Nachkommen abtreiben, töten oder aussetzen. Auf 118 neugeborene Jungen kommen im Schnitt nur 100 Mädchen – weltweit beträgt die Quote dagegen 103 bis 107 Jungen pro 100 Mädchen. Dieses Ungleichgewicht hat zu einer kriminellen Nachfrage nach neugeborenen Jungen geführt. In vielen dünn besiedelten Gegenden sind auch Mädchen gefragt, weil sie bei einer Heirat ihrer Familie eine wertvolle Mitgift einbringen.

Im Januar hatte ein Gericht im Nordwesten Chinas eine ehemalige Krankenhausärztin zu einer Todesstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Frau hatte sieben Babys ihrer Patienten an Menschenhändler verkauft. Den Eltern gaukelte sie vor, ihre Kinder litten an einer tödlichen Krankheit, bis diese sie weggaben. Ein Baby starb. Die anderen sechs Kinder konnte die Polizei im Zuge ihrer Ermittlungen finden und wieder zu ihren Eltern zurückbringen. Verurteilte, die in China eine Todesstrafe auf Bewährung erhalten, können nach einem zweijährigen Vollzugsaufschub damit rechnen, dass die Strafe in lebenslange Haft oder eine Gefängnisstrafe von bis zu 25 Jahren umgewandelt wird.

Die Behörden rieten Eltern, ständig auf der Hut zu sein. So könnten sich Kindesentführer in Kliniken als Krankenschwestern ausgeben oder Kindern vor Schulen auflauern.